Kommentierende Analyse

VfL Bochum mit starken Sommer-Transfers – ein Problem bleibt noch ungelöst

14 Transfers hat der VfL Bochum in diesem Sommer getätigt. Viel Qualität kam dazu, doch ein Problem bleibt, wie RUHR24 analysiert.

Bochum – Nach elf Jahren Abstinenz ist der VfL Bochum zurück in der Bundesliga. Der Aufstiegskader zeigte in der Saison 2020/21 durchaus seine Qualitäten. Doch um in der deutschen Eliteklasse zu bestehen, musste dieser an einigen Stellen noch angepasst und optimiert werden. Bei den Neuzugängen bewies der Aufsteiger ein gutes Händchen, kommentiert RUHR24-Redakteur Marcel Witte.

VereinVfL Bochum
SportvorstandSebastian Schindzielorz
TrainerThomas Reis
StadionVonovia Ruhrstadion

VfL Bochum: Starke Sommer-Transfers, aber ein Manko bleibt beim Aufsteiger

In der zweiten Liga setzte sich der VfL Bochum gegen seine Gegner in vielen Fällen souverän durch. Doch in der Bundesliga steht der Klub von der Castroper Straße höheren Qualitäten gegenüber. Geschäftsführer Sport Sebastian Schindzielorz war gefragt, um vor allem die Erfahrung im Kader zu erhöhen. Denn lediglich sieben Spieler hatten bislang überhaupt in der höchsten deutschen Spielklasse Einsätze gesammelt.

Die Leihe des VfL Bochum von Eduard Löwen von Hertha BSC sorgte für ein Ausrufezeichen. Der Mittelfeldspieler musste kurz nach seiner Ankunft jedoch schon wieder weg. Er nahm mit der deutschen Auswahl am olympischen Fußballturnier in Tokio teil. Seine Qualitäten konnte er somit noch nicht vollends unter Beweis stellen, aktuell fehlt die Fitness nach der fehlenden Vorbereitung.

VfL Bochum: 30 Profis im Kader – Thomas Reis mit Kadergröße nicht zufrieden

Ein Manko im Kader des VfL Bochum, wenngleich nicht das größte, liegt in der Zahl der Spieler, die sich aktuell täglich im Training tummeln. 30 Profis haben die Blau-Weißen unter Vertrag. Der Liga-weite Durchschnitt liegt bei 29 Akteuren, der VfL steht also nur knapp darüber. Dennoch: Die hohe Anzahl macht es Trainer Thomas Reis nicht immer leicht.

Der Trainer sagte dazu bereits vor dem Bundesliga-Spiel des VfL Bochum beim 1. FC Köln (1:2): „Es ist manchmal nicht einfach. Wir wussten ja, wie sich der Kader gestaltet. Manche sind dadurch in den Hintergrund gerückt. Aber jeder hat die Chance sich zu zeigen.“ Beim einem Elf-gegen-Elf im Training können allerdings nicht alle Profis teilnehmen – ein Problem für den Coach.

Trainer Thomas Reis (3.v.r.) ist mit der Kadergröße des VfL Bochum nicht komplett zufrieden.

VfL Bochum: Abgänge rat gesät – Spieler-Vorstellungen passten nicht

Mit Lars Holtkamp (Bonner SC) und Baris Ekincier (Waldhof Mannheim) verließen lediglich zwei Spieler den Klub, die kaum Einsatzchancen beim VfL gehabt hätten. Der Vertrag von Thomas Eisfeld wurde zudem nicht verlängert. Doch Akteure wie Tom Weilandt, Raman Chibsah, der junge Luis Hartwig und auch Stürmer Silvére Ganvoula dürften es künftig schwer haben.

Dazu sagte auch Geschäftsführer Sport Sebastian Schindzielorz gegenüber Revier Sport: „Bei einem Transfer müssen sich die Vorstellungen des Spielers, des abgebenden und des aufnehmenden Vereins decken. Das war hier nicht der Fall.“ So habe es Anfragen für Tom Weilandt und Silvére Ganvoula gegeben, doch ein Abgang der Profis kam nicht zustande – womöglich auch, weil die Spieler nicht bereits waren, einen Schritt zurück zu machen.

VfL Bochum: Sebastian Polter als Königstransfer für die Offensive

Dass die Spieler es in der Bundesliga schwer haben dürften, zum Einsatz zu kommen, liegt auch an der Qualität, die der VfL Bochum dazu bekommen hat. Herausragend war der Transfer von Sebastian Polter. Mit seinem Tor im Heimspiel gegen Mainz 05 fügte sich der Angreifer direkt gut ein. Er gilt als unangenehmer und wuchtiger Stürmer – Eigenschaften, die dem Aufsteiger im Angriff fehlten.

Die Profis des VfL Bochum bejubeln den Treffer von Neuzugang Sebastian Polter (m.) gegen Mainz.

Takuma Asano und Christopher Antwi-Adjei erhöhen den Druck auf den Außenbahnen, beide haben Startelf-Potenzial. Eduard Löwen ebenso, der in der Vorbereitung bereits mit starken Standards glänzte. Das könnte künftig eine starke Waffe des VfL Bochum werden. Gerade gegen Teams, die dem Aufsteiger spielerisch enorm zusetzen.

VfL Bochum: Druck auf Linksverteidiger Danilo Soares deutlich erhöht

Elvis Rexhbecaj hat Erfahrungen im Bundesliga-Abstiegskampf beim 1. FC Köln gesammelt und ist mit 23 Jahren noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Die Leihe zum VfL Bochum könnte seiner Karriere Auftrieb geben. Patrick Osterhage gilt als aufstrebendes Mittelfeld-Talent und soll langsam herangeführt werden.

Dazu erhöhten die Blau-Weißen auf der linken Abwehrseite den Druck auf Danilo Soares. Die Verpflichtung von Konstantinos Stafylidis ist ein Fingerzeig: Zeigt der Brasilianer nicht die gewünschten Leistungen, steht sein Ersatz direkt parat. Der 29-Jährige muss also dauerhaft abliefern und kann sich keine Spiele mit läppischer Einstellung erlauben, wie in der zweiten Liga durchaus vorgekommen.

Elvis Rexhbecaj (r.) kann die Leihe zum VfL Bochum für den Verlauf seiner Karriere nutzen.

VfL Bochum: Torwart-Entscheidung fiel zugunsten der Erfahrung aus

Sogar auf der Torhüter-Position erhöhte der VfL den Druck und holte mit Michael Esser eine erfahrene Nummer zwei hinter Manuel Riemann. Nach RUHR24-Informationen dachte der Bochumer Vorstand auch darüber nach, einem jungen Keeper wie Paul Grawe oder Tjark Ernst eine Chance in der Bundesliga zu geben. Letztlich entschied sich der Aufsteiger aber für die Erfahrung.

Zugangsseite top, Abgangsseite Flop – so ähnliche könnte das Fazit zum VfL Bochum im Transfer-Sommer lauten. Wenngleich mit Robert Zulj viel Qualität in der Offensive flöten ging. Einige Spieler werden bis zum Winter kein einziges Spiel gemacht haben. Hier muss der Klub handeln. Durch Verletzungen können sich immer wieder neue Situationen ergeben. Aber die Profis Nummer 28, 29 und 30 im Kader dürften selbst dann keine Einsatzchancen haben.

Diese kommentierende Analyse entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © RHR-FOTO / Dennis Ewert

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