Fanszene widerspricht Polizei

Bochum: Randale nach VfL-Aufstieg - Fanszene wirft Polizei „völliges Versagen“ vor

Nach dem Aufstieg des VfL Bochum in die Bundesliga feierten am Sonntag (23. Mai) knapp 7.000 Fans am Stadion ihren Verein. Doch nicht alles blieb friedlich.

Update, Donnerstag (27. Mai), 14.10 Uhr: Nach dem Sieg des VfL Bochum und dem Wiederaufstieg in die Bundesliga war es am vergangenen Sonntag (23. Mai) in Bochum zu aufreibenden Szenen rund um das Stadion gekommen. Doch während die Polizei die Situation vor Ort als „Randale“ bezeichnet hatte und im Nachgang 155 Straftäter ermittelte, widerspricht die Fanszene dieser Darstellung der Geschehnisse vehement.

VereinVfL Bochum
Gründung14. April 1938
StadionVonovia Ruhrstadion

Randale nach Wiederaufstieg des VfL Bochum: Fanszene widerspricht Darstellung der Polizei

In einem offenen Brief machte die Fanszene Bochum ihrem Ärger nun Luft: „Die Blauäugigkeit der Behörden ist verblüffend“, heißt es in dem Brief. Denn wer hätte ernsthaft daran glauben können, dass die Fans des VfL nach elf Jahren „Leidenszeit“ tatsächlich dem Appell der Stadt, der Polizei und auch des Vereins Folge leisten würden und den Wiederaufstieg wie empfohlen „in seinen eigenen vier Wänden“ feiern würden?

Zudem, so heißt es weiter, sei vor dem Spiel genug Zeit gewesen, den Fans eine Alternative zu bieten – immerhin habe der VfL seit dem 15. Spieltag auf dem Aufstiegsplatz gestanden. Diese Chance sei aber vertan worden.

Doch es käme noch schlimmer: Statt deeskalierend auf die Situation am Stadion einzuwirken, habe die Polizei mit ihrem Verhalten in den Augen der Fanszene genau das Gegenteil erreicht und „völlig versagt“. Die Verfasser des bei Twitter veröffentlichten Briefes prangern an, dass per Lautsprecherdurchsage den feiernden Fans Gewalt angedroht worden sei. Zudem seien Beleidigungen gefallen und auf „wehrlos auf dem Boden fixierte Personen“ eingeschlagen worden.

Nun fordern die Vertreter der Bochumer Fanszene, darunter die Ultras Bochum 1999, die Faninitiative Bochum oder die Sektion Blau Weiß, eine „lückenlose Aufarbeitung der Geschehnisse“.

Erstmeldung, Donnerstag (24. Mai), 12.10 Uhr: Bochum – Freudentaumel bei den Fans des VfL Bochum: Nach mehr als einem Jahrzehnt ist der Verein am Sonntag (23. Mai) wieder zurück in der Bundesliga. Doch während die Freude vieler Bochumer über den ungeahnten Wiederaufstieg nachvollziehbar ist, ist die Randale, die der Aufstiegsfeier folgte, für die Bochumer Polizei nicht tolerierbar. Sie wandte sich nach den Ausschreitungen am Sonntag direkt an die eskalierenden Fans.

Rund 7.000 Anhänger des Vereins hatten sich nach dem Spiel am Sonntag am Stadion und in der Innenstadt von Bochum versammelt, um zu feiern. Und das trotz zahlreicher Appelle der Stadt und auch des Vereins, sich aufgrund der Corona-Pandemie nicht zum Feiern auf der Straße zu treffen und die Corona-Schutzverordnung zu beachten.

Bochum: Randalierende Fans nach Aufstieg des VfL – Polizei im Großeinsatz

Am Stadion und auch im Bermudadreieck mussten die Polizisten zahlreiche Maskenverstöße feststellen. In einem Lokal hatten sich zudem feiernde Fans getroffen, obwohl der Betrieb der Innengastronomie in Bochum aktuell coronabedingt nicht zugelassen ist. Die Polizei schrieb Anzeigen (mehr News zum Coronavirus im Live-Ticker auf RUHR24).

Doch damit nicht genug: In bislang 70 Fällen ahndet die Polizei das illegale Abbrennen von Pyrotechnik. Zudem mussten dutzende Anzeigen wegen Sachbeschädigung und illegaler Betäubungsmittel gestellt werden. Für die Beamten völlig unverständlich: Einige randalierende Fans warfen laut einer Mitteilung der Polizei mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik auf die Einsatzkräfte und verletzten dabei acht Polizisten. Zwei von ihnen so sehr, dass sie nach dem Einsatz als nicht mehr dienstfähig galten.

Bochum: Illegale Pyrotechnik und Verletzte vor VfL Stadion

Vor allem illegale Pyrotechnik und Flaschenwürfe waren – bereits während des Spiels – verantwortlich für zahlreiche verletzte Personen. Sie erlitten nach Angaben der Polizei Knalltraumata, Augenverletzungen und Verbrennungen.

Auch der Autoverkehr musste zwischenzeitlich rund um das Stadion im Ruhrgebiet eingeschränkt werden, beide Abfahrten der A40 in Richtung Fußballstation wurden gesperrt. Erst gegen 20 Uhr konnten die Einsatzkräfte „mit nachdrücklichen Lautsprecherdurchsagen und einer Polizeikette“ die Menschenmenge dazu bewegen, den Stadionbereich zu verlassen.

Nach dem Aufstieg des VfL Bochum randalierten einige Fans vor dem Stadion.

Noch am Abend des Spieltags wandte sich die Polizei nach dem notwendig gewordenen, massiven Polizeieinsatz in einem offenen Brief an die eskalierenden Fans des VfL: Die Leistung der Spieler des VfL sei eines Erstligisten mehr als würdig. „Die Szenen, die wir nach dem Spiel beobachten mussten, sind es nicht.“

Polizei Bochum rechnet mit randalierenden Fans des VfL ab

Zwar seien viele friedliche Fans und Familien mit Kindern vor Ort gewesen, um den VfL Bochum bei seinem Aufstieg anzufeuern, doch einige hätten „anderes im Sinn gehabt.“ Und so fragt die Polizei Bochum: „Was hat Freude zu tun mit Verletzten durch Flaschenwürfe, Steine, Scherben und gefährlicher Pyrotechnik? Was hat Freude zu tun mit einem riesigen Scherbenmeer auf den Straßen vor dem VfL-Stadion? Was hat sie zu tun mit Körperverletzungsdelikten, massiver Missachtung der aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen, mit Widerstand gegen Polizeikräfte und Sachbeschädigung?“ – und resümiert direkt: „Rein gar nichts!“

Dem Verein wünscht die Polizei in dem Brief trotzdem eine tolle Saison. Aber auch viele friedliche Fußballfeste und Fans, die ihrer Mannschaft würdig seien.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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