Eier mit Fibronil oder Pferdefleisch in der Lasagne – immer wieder verunsichern Lebensmittelskandale die Verbraucher. Dabei liegt die Lösung doch vor der Haustür. Ist es möglich, sich komplett mit regionalen Produkten aus Unna zu ernähren? 

Marktbesuch in Unna mit Jutta Sucker. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Regionalität und ist für die Regionalmarke „Landaktiv“ verantwortlich. Gleich zu Beginn stellt sie klar: „In der Region bekommt man fast alles, was man braucht.“ Die Grafikdesignerin aus Unna kennt viele Verkäufer an den Marktständen persönlich. Hier gibt es Bio-Fleisch, dort Hähnchen und vor allem viel frisches Obst und Gemüse. Und davon kommt vieles aus der Region.

Philip Krämer Foto: Bianca Hoffmann/Unna24

Wie zum Beispiel bei Landwirt Krämer aus Unna-Billmerich. Hier steht Philip Krämer und verkauft mit viel guter Laune Kartoffeln, Spinat und Tomaten. Er hat längst erkannt, dass es auf dem Markt nicht länger reicht, seine Produkte „einfach so“ anzubieten. Zusätzlich zum Verkaufsangebot gibt es eine Orangensaftpresse und eine kleine Frischetheke.

Regionale Ernährung in Unna kein Problem?

Die Frischetheke am Marktstand von Philip Krämer. Foto: Bianca Hoffmann/Unna24

Die Orangen kommen nicht aus dem Kreis Unna. Die wachsen in Deutschland nämlich nicht. Das Angebot in der Frischetheke ist allerdings regional. „Wer abends keine Lust mehr hat, sich einen Salat zu schnibbeln, kann hier zuschlagen“, erzählt Krämer. In verschiedenen Zusammenstellungen gibt es hier die schnelle Mahlzeit für den Feierabend. Ganz wie im Supermarkt schon fertig geputzt und kleingeschnitten. Und die Salate dazu: natürlich aus eigenem Anbau.

Die Bio-Fleischerei Rafalcik kommt zwar nicht aus Unna, aber aus Fröndenberg. Hier am Stand gibt es Wurst, Fleisch und andere Leckereien. Dazu tummeln sich weitere Obst- und Gemüsestände aus der Region, wie der der Abokiste Dortmund. Also – auf dem Wochenmarkt in Unna gibt es alles aus der Region. Thema abgehakt? Nein, denn der Markt findet dienstags und freitags in der Zeit zwischen 7 und 14 Uhr statt. „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wann ich zuletzt hier war“, sagt Jutta Sucker und offenbart damit ein Problem, das viele Arbeitnehmer mit der Ernährung mit regionalen Produkten haben. Denn die Zeiten des Marktes passen eher nicht zu denen der arbeitenden Bevölkerung.

Frische regionale Produkte eher in den Stadtteilen

„Ich muss mich schon bewegen, wenn ich mich regional ernähren will, aber ich glaube, dazu sind die Leute auch bereit“, sagt Jutta Sucker. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Besuch auf dem Milchhof Mühlhausen? Hier gibt es einen Hofladen, der neben Milch auch Fleisch, Obst und Gemüse sowie regionale Fertiggerichte anbietet und das jeden Tag.

Oder beim Stockumer Hofmarkt, der freitags und samstags die Pforten öffnet. Hier bieten verschiedene Produzenten ihre Produkte zum Verkauf an, darunter auch eine Kornmühle. „Die Direktvermarkter sind wie ein kleiner Supermarkt, aber halt regional“, sagt Jutta Sucker.

Kein Einkaufsführer in Unna

Was aber nicht verschwiegen werden darf: Regionalität hat ihre Grenzen. „Bei Obst und Gemüse gibt es auf jeden Fall die saisonale Grenze“, so Jutta Sucker. Deshalb gibt es auch keine Erdbeeren im Winter und auch Tomaten sind saisonal begrenzt. Bei ausländischen Leckereien wie Orangen oder Bananen ist ebenfalls eine klare Grenze gesetzt – die Lebensmittel wachsen in Deutschland schlicht nicht.

Eine weitere Grenze liegt in der Informationspolitik der Direktvermarkter. Viele verfügen inzwischen über eine eigene Homepage. Allerdings haben „Einsteiger“ ins Thema regionale Ernährung schlechte Karten. Denn einen Einkaufsführer gibt es in Unna nicht. Beziehungsweise nicht mehr.

Der letzte wurde im Jahr 2002 herausgebracht. Damals ein großer Erfolg, wie Ralf Sänger, Leiter des Ökologiestation im Kreis Unna, erzählt. Seitdem gab es wohl immer wieder Ideen, einen neuen aufzulegen. Das ist allerdings an der Finanzierung gescheitert.

Regionale Ernährung – ein Erfolgsrezept

Auch die Regionalmarke „Landaktiv an Ruhr und Lippe“ ist gescheitert. Das Projekt entstand 1998/99 und hatte damals Förderung in verschiedenen Bereichen erhalten. „Wir waren da anfangs sehr aktiv, aber das ist leider nach und nach eingeschlafen“, erklärt Jutta Sucker. Man habe sich zerstritten und auch die Beteiligung fehlte zum Schluss.

Seitdem sind die Direktvermarkter zwar weiter miteinander vernetzt – man arbeitet ja in der gleichen Branche – eine übergeordnete Marke gibt es aber nicht mehr. Für Jutta Sucker aber kein Grund, aufzugeben: „Ich arbeite zu gerne und zu lange auf dem Gebiet als dass ich es lassen könnte. Das Thema ist ein Erfolgsrezept.“

So geht es weiter mit „Macht die Stadt mich satt?“

Dem Erfolgsrezept Regionale Ernährung in Unna wollen wir mit einer Serie auf die Spur gehen. Und das ist unsere Einkaufsliste für die kommenden Wochen:

  • Besuch bei Produzenten aus der Region, zum Beispiel Gemüse, Milch, Brot und Getränke
  • Ist regionale Ernährung teurer als „ganz normal“ im Supermarkt?
  • Macht es überhaupt Sinn, sich regional zu ernähren?
  • Regional, Bio oder sogar beides? 
  • Wie schmeckt regionale Ernährung?