Eier mit Fipronil oder Pferdefleisch in der Lasagne – immer wieder verunsichern Lebensmittelskandale die Verbraucher. Dabei liegt die Lösung doch vor der Haustür. Ist es möglich, sich komplett mit regionalen Produkten aus Unna zu ernähren?

Auf dem Feld von Philip Krämer riecht es wie in einer Suppenküche. Mal überwiegt die Petersilie, mal der Schnittlauchduft. Wer seinen Blick über das hügelige Stück Land in Unna-Billmerich streifen lässt, sieht auch gleich die passenden Zutaten für einen leckeren Eintopf. Weißkohl, Wirsing, ein paar Meter weiter brechen kleine Grünkohlpflanzen aus dem Boden.

Also ein wachsender Beweis für diese Aussage des 29-jährigen Landwirts Krämer: „Ich finde schon, dass man sich komplett regional ernähren kann.“ Allerdings sei das mit Einschränkungen verbunden. Kartoffeln und Eier gibt es das ganze Jahr über, Fleisch auch. Bei vielen Obst- und Gemüsesorten wird es schon schwieriger. „Man müsste seinen Schwerpunkt schon auf die Saison legen“, sagt Philip Krämer, „aber wenn man sich beschränken würde, wäre das ein Genussverlust.“

Geschäft auf dem Markt ist härter geworden

Der 29-Jährige betreibt gemeinsam mit seinen Eltern einen Bauernhof in der dritten Generation. Hier wird vor allem Gemüse angebaut. Auf rund zwölf Hektar Land gibt es Kartoffeln, Blumenkohl, Kürbisse und vieles mehr. Also eigentlich alles, was es braucht, um seinen Gemüsebedarf mit Produkten aus Unna abzudecken. Allerdings kann nicht jeder in Unna-Billmerich vorbeifahren und einkaufen. Denn einen Hofladen gibt es nicht. Zu groß das finanzielle Risiko, zu unsicher, ob das Geschäft wirklich laufen würde.

Philip Krämer verkauft seine Waren auf dem Markt in Unna und Schwerte. Und das erfolgreich, versichert er. „Aber das Geschäft ist härter geworden“, sagt er. Dass ein Markt kein Selbstläufer ist, müssen auch viele Marktbeschicker inzwischen feststellen. In Unna brauche man sich aber keine Sorgen machen, es sei immer viel los. Zusätzlich zum eigenen Obst und Gemüse kauft Familie Krämer Südfrüchte wie Bananen, Ananas oder Orangen zu.

Immer auf der Suche nach Innovationen fürs Geschäft

Und auch bei einem traditionellen Marktstand geht es nicht ohne Innovationen. Bestes Beispiel ist die neu angeschaffte Saftpresse. Hier können sich die Kunden ihren O-Saft direkt aus der Maschine holen. Und Philip Krämer und sein Vater Friedrich sind richtige Tüftler. Neue Ideen werden so lange verfolgt, bis sie funktionieren – oder zu den Akten gelegt werden.

So fährt Philip Krämer, der übrigens einen Master-Abschluss in Landwirtschaft hat, mit seinem Segway auf dem Feld herum. Sein Vater hat es in diesem Jahr mit Tomaten im Freiland versucht – das hat nicht funktioniert. Ein ebenso erfolgloses Unterfangen war der Anbau von Süßkartoffeln. Hier war das Saatgut nicht das richtige für die Unnaer Böden, ist sich Krämer sicher.

Salat, Gemüse und Obst „to Go“

Scheitern gehört eben dazu, von den Krämers lässt sich davon niemand beeindrucken. Gibt es doch auch genug Erfolgsgeschichten. So gibt es auf dem Markt nicht nur Frischware, sondern auch verarbeitete Lebensmittel zu kaufen. Geputzte und klein geschnittene Salate, Wirsing oder im Winter auch Rotkohl. Das Angebot richtet sich vor allem an Single-Haushalte.

Auf dem Hof gibt es eine richtige Produktionsstraße dafür, inklusive Hygieneschleuse. Hier werden die Lebensmittel erst in einer speziellen Waschstraße saubergemacht und anschließend mit einer Zentrifuge trocken geschleudert. Schließlich sollen Gemüse und Salat möglichst lange frisch bleiben. „Das hat ganz schön gedauert, bis wir da den Dreh raus hatten“, sagt Friedrich Krämer lachend.

Verkauf an Supermärkte lohnt sich nicht

Die beiden Landwirte wirken glücklich mit ihrem Geschäft. Deshalb wollen sie ihr Gemüse auch nicht bei Edeka oder Kaufland im Regal stehen sehen. „Wenn man das macht, geht man richtig langfristige Verträge ein“, so Friedrich Krämer. Sollte die Ernte nicht so ausfallen wie erwartet, müssten die Kleinerzeuger zukaufen.

Außerdem spricht die Vielfalt bei Landwirt Krämer gegen die Vermarktung im Supermarkt. „Wir bauen extrem viele Kulturen an“, so Philip Krämer. Zulieferer spezialisieren sich in der Regel auf zwei bis drei Arten und können sich in dem Bereich professionalisieren. Für die beiden Tüftler wäre das aber das Ende der Kreativität.

Deshalb geht es so weiter wie bisher. Eine Option bleibt: Die Zusammenarbeit mit einem Großhändler. Das wäre zum Beispiel für weiterverarbeitete Produkte wie Grünkohl interessant. Kerngeschäft bleibt aber der Markt. „Es ist doch toll, dass es die Möglichkeit gibt als Kleinerzeuger seine Waren so loszuwerden“, sagt Philip Krämer.

So geht es weiter mit „Macht die Stadt mich satt?“

Der Stand von Landwirt Krämer ist dienstags und freitags auf dem Markt in Unna und mittwochs und samstags in Schwerte anzutreffen. Die Familie trägt also dazu bei, dass eine Ernährung mit regionalen Produkten gelingen kann. In unserer Serie machen wir uns aber auch Gedanken darum, ob regionale Ernährung überhaupt sinnvoll ist. Und das ist unsere Einkaufsliste für die kommenden Wochen:

  • Besuch bei Produzenten aus der Region, zum Beispiel Gemüse, Milch, Brot und Getränke
  • Ist regionale Ernährung teurer als „ganz normal“ im Supermarkt?
  • Macht es überhaupt Sinn, sich regional zu ernähren?
  • Regional, Bio oder sogar beides? 
  • Wie schmeckt regionale Ernährung?