Bild: Jan Woitas/ZB/dpa

In der Champions League lässt sich ein europaweiter Trend zum Pay-TV ablesen. Die Zuschauerzahlen im TV gehen daher deutlich zurück. Hier die Infos.

  • Die Zuschauerzahlen des Champions-League-Finals haben sich seit 2015 im TV mehr als halbiert.
  • Der Trend verlagert sich immer mehr in Richtung Pay-TV und Livestreams.
  • Darum sorgte ein YouTube-Stream des Finals für reichlich Spott in England.

Der Trend hat drastische Auswirkungen auf die TV-Zuschauerzahlen in Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich. In diesen Ländern hat sich die Zahl der TV-Zuschauer beim Finale der Champions League mehr als halbiert.

Champions League: Finale verschwindet immer mehr von der Bildfläche

Dies zeigt etwa die Analyse von Daam van Reeth via Twitter. Van Reeth ist Professor für Sportökonomie an der Fakultät für „Economics & Business“ an der KU Leuven in Brüssel.

Immer weniger Zuschauer verfolgen das Finale der Champions League im TV

In seiner Analyse stellt van Reeth die Jahre 2015 und 2019 gegenüber. Das Jahr 2015 war das letzte Jahr, in dem das Champions-League-Finale noch überwiegend im Free-TV übertragen wurde. Die einzige Ausnahme stellte damals Italien da.

Bei der Übertragung des diesjährigen Finals zeigt sich ein völlig gegensätzliches Bild. Einzig der öffentlich-rechtliche Sender Rai 1 übertrug das Finale kostenfrei in Italien.

Europaweiter Trend in der Champions League erkennbar

Das hat drastische Folgen auf die Zuschauerzahlen im TV. Dort sanken die Zahlen, laut van Reeth, in England, Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien insgesamt um 57 Prozent.

Jedoch muss man an dieser Stelle ebenfalls berücksichtigen, dass van Reeth in seiner Analyse lediglich auf die TV-Zahlen eingeht. Die Zuschauer, die das Spiel im Internet verfolgten, wurden nicht berücksichtigt.

In Deutschland sinkt die Zahl der TV-Zuschauer um 80 Prozent

Besonders deutlich wird der Vergleich, wenn man sich die Zahlen für Deutschland ansieht. Dort wurde das Finale der Königsklasse ausschließlich im Bezahlfernsehen und im Internet ausgestrahlt.

In Deutschland wurde das Champions-League-Finale zwischen dem FC Liverpool und Tottenham Hotspur lediglich von den Pay-TV-Sendern DAZN und Sky übertragen.

Das ZDF verzeichnete im Vorjahr knapp zehn Millionen Zuschauer. Im Vergleich dazu schauten das Finale der Champions League 2019 knapp acht Millionen Zuschauer weniger.

Der Finalsieg von Jürgen Klopp blieb also ausschließlich den Pay-TV-Nutzern vorbehalten. Zuvor wurde vom ZDF versucht, eine Einigung mit dem Streaming-Dienst DAZN zu finden. Allerdings vergeblich.

Sky kann das Finale der Champions League Finale trotzdem als Erfolg verbuchen

Die Fernsehzuschauer schauten also buchstäblich in die Röhre. Zumindest, wenn sie kein Abo für den Pay-TV-Sender Sky besaßen.

Pay-TV-Sender Sky freut sich über eine gute Quote im Finale der Champions League.  Foto: Jan Woitas/dpa
Pay-TV-Sender Sky freut sich über eine gute Quote im Finale der Champions League. Foto: Jan Woitas/dpa

Laut dem Online-Medienmagazin DWDL.de sahen 1,67 Millionen Zuschauer das Spiel bei Sky (zuzüglich 230.000 Zuschauer bei Sky 1). Der Gesamtmarktanteil des Bezahlsenders stieg somit von 3,0 auf 7,3 Prozent (via Quotenmeter.de).

In England sorgte die Übertragung des Champions-League-Finals für Unmut

Ein ähnliches Bild zeichnete sich in England ab, dem Heimatland der beiden Finalteilnehmer. Dort wurde das Finale zwischen dem FC Liverpool und den Tottenham Hotspur ebenfalls nur im Pay-TV gezeigt.

+++ Regeländerung in der Champions League? Halbfinalisten bald direkt qualifiziert? +++

Dennoch stellte der britische Sender BT (British Telecommunications) das Spiel kostenfrei zur Verfügung. Jedoch ausschließlich im Internet.

So konnten die Zuschauer das Spiel zwischen dem FC Liverpool und den Tottenham Hotspur beispielsweise auf YouTube verfolgen. Ganz ohne Komplikationen lief das allerdings nicht ab.

„Das Bild sieht aus, als hätte man magische Pilze eingenommen.“

Die Zuschauer beschwerten sich massenhaft über die schlechte Bildqualität auf dem Videoportal. Die englische Boulevardzeitung The Sun titelte beispielsweise (gewohnt süffisant): „Looks like if you took magic mushrooms.“

Insgesamt war das Finale der Königsklasse allerdings nicht reich an Höhepunkten. Ein echtes Highlight gab es für die TV-Zuschauer in der 18. Spielminute, als eine Flitzerin das Spielfeld stürmte.