Videobeweis-Chef Jochen Drees verteidigt Projekt und will für mehr Transparenz sorgen

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Jochen Drees. Foto: Arne Dedert/dpa

Jochen Drees ist als DFB-Videochef für den Videobeweis in der Bundesliga verantwortlich. Trotz anhaltender Kritik verteidigt er das Projekt. Hier die Infos.

Der Videobeweis geht in der Bundesliga in seine dritte Saison. Obwohl die Kritik daran nicht weniger wird, ist DFB-Videochef Jochen Drees (49) weiter vom Projekt überzeugt.

  • Der Videobeweis ist seit Einführung Gegenstand zahlreicher Diskussionen.
  • Projektleiter Jochen Drees verteidigt das technische Hilfsmittel vehement.
  • Mehr Transparenz soll zu mehr Akzeptanz führen.

"Der Video-Assistent befindet sich immer noch in einem sehr guten Prozess, an dem wir kontinuierlich arbeiten und den wir weiter verbessern werden", so Drees im Interview mit dem kicker (Ausgabe vom 22. Juli).

Drees: "Kein Video-Assistent ist perfekt"

Gleichzeitig betont der Projektleiter, dass der Videobeweis wohl nie komplett vor Fehlern gefeit sein wird. "Kein Spieler ist perfekt, kein Schiedsrichter ist perfekt, und kein Video-Assistent ist perfekt." Dennoch sollte man grundlegend über den Videobeweis nachdenken.

Laut Drees liegt das aber nicht im Konzept des Videobeweis', sondern im Wesen des Schiedsrichter-Seins selbst begründet. "Der Video-Assistent ist ein dynamisches Projekt, und es werden immer Interpretationsspielräume bleiben, das bedingt nun mal die Tätigkeit des Schiedsrichters und die des Video-Assistenten."

Videobeweis stößt in Deutschland auf ein geteiltes Echo

Auch sein Kollege Deniz Aytekin (41) sprach sich zuletzt deutlich für den Video-Schiedsrichter aus. Abseits der Schiedsrichter-Zunft fällt die Bewertung mitnichten so positiv aus. So sorgte beispielsweise die nicht gegebene Rote Karte gegen Joshua Kimmich (24) im Supercup-Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern für mächtig Aufregung.

In einer Spielerumfrage innerhalb der Bundesliga stimmte die Mehrheit der Profis gegen den Videobeweis ab. Die Bundesliga-Trainer regte in der vergangenen Saison vor allem die umstrittene Handspielregel in Kombination mit dem Videobeweis auf.

Drees hofft auf mehr Austausch mit den Vereinen

Aus dem Grund hat Drees die Vertreter der Bundesliga-Vereine zum gemeinsamen Dialog eingeladen. "Ich hoffe, dass alle Klubs die Gelegenheit auch wirklich wahrnehmen, sich sachlich und fachlich mit uns auszutauschen", so der 49-Jährige im kicker.

Auf noch weniger Verständnis stößt der Videobeweis bei den Fans in den Stadien. Das ist bei jedem Einsatz lautstark von den Tribünen zu hören. Das hat auch Drees wahrgenommen.

Dient die Premier League beim Videobeweis als Vorbild?

"Wir müssen anstreben, dass wir den Informationsfluss beschleunigen, dass es uns in Zukunft gelingt, die Szenen auf die Leinwände zu bringen, damit die Fans im Stadion verstehen, was überprüft wird." Dieses Vorhaben für mehr Transparenz plant auch die Premier League bereits seit Längerem. Auch in der niederländischen Eredivisie sind solche Vorhaben in der kommenden Saison bereits technisch umsetzbar.

Auf diese Revolution werden sich Spieler, Trainer und Fans jedoch gedulden müssen, bis der Videobeweis in sein viertes oder fünftes Jahr in der Bundesliga geht. "Dafür gibt es noch zu viele technische Probleme in der Umsetzung und zu viele qualitative Unterschiede bei den Leinwänden in den Stadien", so Drees.

Bis dahin wird der Videobeweis wohl weiter Diskussionsthema Nummer Eins an Spieltagen bleiben. Und möglicherweise zu weiteren Klagen gegen die Deutsche Fußball Liga wegen verlorener Sportwetten führen.