Prominenter Kritiker

Uefa-Präsident kritisiert Videobeweis - jetzt soll diese Änderung Besserung bringen

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin hat sich kritisch über den Videobeweis geäußert. Dabei brachte er eine mögliche neue Regel ins Spiel.

  • Uefa-Präsident Aleksander Ceferin ist mit der Umsetzung des Videobeweises nicht zufrieden.
  • Besonders bei Abseitsentscheidungen und Handspielsituationen herrsche Unklarheit, so 52-Jährige.
  • Der Fußball-Funktionär will sich nun für Regeländerungen einsetzen.

Nyon - Die Einführung des Videobeweises war dafür gedacht, um den Fußball klarer und gerechter zu machen. Durch das zusätzliche Hilfsmittel sollten Schiedsrichter entlastet sowie etwaige Diskussionen minimiert werden. Nach derzeitigem Stand ist aber genau das Gegenteil eingetreten. Immer wieder müssen Fans, Spieler und Verantwortliche auf Entscheidungen warten. Woche für Woche gibt es Diskussionen um strittige Szenen. Besonders bei der Auslegung der Abseits- und Handspielregel lässt sich keine eindeutige Linie erkennen.

Uefa-Boss Aleksander Ceferin fordert Toleranzbereich bei Abseitsentscheidungen

In ihrer Frustration über den Videobeweis bekommen die Betroffenen nun prominente Unterstützung. Kein geringerer als Uefa-Präsident Aleksander Ceferin reihte sich jetzt in die Riege der Kritiker ein. In einem Interview mit der britischen Tageszeitung Mirror gab der 52-Jährige an, kein Befürworter des Videobeweises zu sein. "Ich war nie ein großer Fan davon. In diesen Tagen sieht man, dass Linienrichter sich nicht einmal mehr die Mühe machen, die Flagge zu hissen. Sie warten, warten, warten.“ 

Bei der Umsetzung der Technologie herrsche ein großes „durcheinander“. Gerade in Bezug auf Abseitsentscheidungen sieht Aleksander Ceferin Bedarf für Veränderungen: „Wenn du eine lange Nase hast, stehst du in diesen Tagen im Abseits.“ Seiner Meinung nach müsse bei einer Abseitssituation ein klarer Vorteil gegeben sein. Bei minimalen Abweichungen von nur wenigen Zentimetern sollte kein Abseits vorliegen, so der Fußball-Funktionär. Um in solchen Situation künftig mehr Klarheit zu haben, schlägt die Uefa eine neue Regel vor. Demnach könne bei Abseitsentscheidungen ein Toleranzbereich von 10 bis 20 Zentimetern eingeführt würden.

Handspielregel sorgt ebenfalls für Probleme - Aleksander Ceferin: „Wir wissen nichts!“

Neben der Abseitsproblematik sei auch die Handspielregel nicht ideal gelöst. Aleksander Ceferin kommt in diesem Fall auf eine Situation aus einer Uefa-Tagung vor einigen Wochen zu sprechen. Dort hätte man europäischen Top-Trainern wie Jürgen Klopp, Pep Guardiola, Max Allegri, Carlo Ancelotti, oder Zinedine Zidane verschiedene Abseitsstellungen gezeigt. Auf die Frage nach deren Meinung wäre jeweils eine Hälfte des Raumes für oder gegen Abseits gewesen. Das beweise schon, wie unklar die Regel definiert sei. „Wir wissen nichts!“, ärgert sich der Uefa-Präsident. Auch beim BVB-Spiel in Mainz gab es wieder Ärger mit dem Videobeweis.

Darüber hinaus würden durch den Videobeweis Emotionen verloren gehen. „Die Spieler? Sie feiern nicht. Sie warten jetzt zuerst auf den VAR“, sagte Aleksander Ceferin.

Aleksander Ceferin kündigt an: Videobeweis kommt bei Europameisterschaft zum Einsatz

Bei der Europameisterschaft im nächsten Jahr werde der Videobeweis dennoch im Einsatz sein. Das Heimatland von Aleksander Ceferin wird dann nicht dabei sein. Slowenien scheiterte in der Qualifikation an Polen, weil nach einem Handspiel im Strafraum der fällige Elfmeterpfiff ausblieb. Der Videobeweis kam hier nicht zum Einsatz. 

„Ich war so verrückt! Es war ein klares Handspiel! Ich war so verrückt! Aber der Schiedsrichter hat es nicht gesehen. Wir hätten uns für den Euro qualifiziert“, erklärte der 52-Jährige. Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, warum der Uefa-Boss so mit der Technologie hadert.

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