Vom Vorbild zur Enttäuschung

„Verpiss dich“: Neuer Wirbel um Ex-Bayern-Star Tymoschtschuk und seine Haltung zum Ukraine-Krieg

Ex-Bayern-Profi Anatolij Tymoschtschuk verurteilte trotz Aufforderung den russischen Krieg in der Ukraine nicht. Nun verursacht der Co-Trainer von Zenit St. Petersburg neuen Wirbel.  

St. Petersburg - „Verpiss dich“ - mit diesen Worten soll Anatolij Tymoschtschuk das Gespräch mit Andrij Jarmolenko beendet haben. Tymotschuk spielte zwischen 2009 und 2013 für den FC Bayern München, ist Rekordnationalspieler der Ukraine (144 Spiele). Seit 2017 ist der 43-Jährige im Trainerstab von Zenit St. Petersburg. Nicht irgendein russischer Verein. Der Club gehört de facto dem staatlichen Gasunternehmen Gazprom. Zum Ukraine-Krieg äußerte sich Tymoschtschuk nicht, der ukrainische Verband sperrte ihn dafür lebenslang.  

Wie bestrafte der ukrainische Verband Anatolij Tymoschtschuk?

Alle fußballerischen Tätigkeiten in der Ukraine sind dem Co-Trainer von Zenit St. Petersburg untersagt. Dem aus dem westukrainischen Luzk stammenden Tymoschtschuk wurden alle in der Ukraine gewonnen Titel aberkannt, zudem wurde der er aus den nationalen Registern entfernt.

Anatolij Timoschtschuk ist seit 2017 als Co-Trainer von Zenit St. Petersburg tätig

Jarmolenko schockiert über Tymoschtschuks Antwort: „Ich sagte ihm, dass er für mich nicht mehr existiere“

Für Jarmolenko, wie für viele andere Ukrainer, war Tymoschtschuk ein großes Vorbild. Der Spieler von West Ham United wollte immer schon so sein wie der Rekord-Nationalspieler, schätzte vor allem seine Professionalität. Entsprechend enttäuscht war Jarmolenko darüber, dass sich sein Idol nicht zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine äußerte.

Dann musste er eben direkt nachfragen. Was er in Form einer SMS tat, wie Jarmolenko in einem Interview mit dem russischen Blogger Jewgeni Sawin erzählte. „Wie schläfst du nachts?“, fragte Jarmolenko. „Genau wie du“, schrieb der ehemalige, dem heutigen Nationalspieler zurück. Tymoschtschuk rief Jarmolenko daraufhin an. „Ich sagte ihm, dass er für mich nicht mehr existiere“, erklärte Jarmolenko. „Verpiss dich“, soll Tymoschtschuk geantwortet haben. Er habe dasselbe erwidert, so Jarmolenko. Bis heute hat sich Tymoschtschuk zum angeblichen Gesprächsablauf öffentlich nicht geäußert. Für Jarmolenko ist Tymoschtschuk schon längst kein Vorbild mehr, sondern eine Enttäuschung.

Jarmolenko dürfte die neuesten Entwicklungen in der Ukraine mit Besorgnis verfolgen. Eine russische Spezialeinheit stürmt offenbar ins Stahlwerk von Mariupol.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Alexey Filippov