Kommentar

Krisen-Modus beim FC Schalke 04: Trainer Dimitrios Grammozis wirft jetzt erste Fragen auf

Eine Trainer-Diskussion nach dem Umbruch und so wenigen Spielen wäre nicht sinnvoll, meint RUHR24-Redakteur Raphael Wiesweg. Trotzdem sorgt Dimitrios Grammozis für erstes Stirnrunzeln.

Gelsenkirchen – Immerhin fand Dimitrios Grammozis nach der 1:4-Demontage des FC Schalke 04 bei Jahn Regensburg einmal deutliche Worte. „Wir dürfen uns nicht so präsentieren und in der Höhe verlieren“, sagte der Cheftrainer der Königsblauen nach der Partie. Da dürften ihm ausnahmsweise mal alle zustimmen.

FC Schalke 04: Deutliche Pleite in Regensburg – Dimitrios Grammozis sorgt für erste Fragezeichen

Dass der FC Schalke 04 nicht durch die zweite Liga durchmarschieren würde, war vorher klar. In den vergangenen Jahren konnte selten bis gar nicht eine Mannschaft spielend leicht durch das Unterhaus spazieren.

Dass Jahn Regensburg als eingespielte Mannschaft und mit einem Lauf im Rücken selbstbewusst auftreten würde und schwierig zu bespielen sein könnte, war ebenfalls zu erwarten. Trotzdem: Der S04 war sogar deutlich unterlegen und hätte bei konsequenterer Chancenverwertung des Gegners noch höher verlieren können. Zudem sorgt Dimitrios Grammozis jetzt auch noch für erste Fragezeichen.

FC Schalke 04: Dimitrios Grammozis setzt immer weniger auf Spieler der „Knappenschmiede“

Seit seiner Ankunft zählt er zu den blau-weißen Verantwortlichen, die fast schon reflexartig auf die starken Spieler der „Knappenschmiede“ verweisen und diese fördern und einsetzen wollen. Doch Ahmed Kutucu, Nassim Boujellab und Levent Mercan wurden verliehen, gegen Jahn Regensburg waren Can Bozdogan, Blendi Idrizi und Kerim Calhanoglu allesamt nicht im Kader.

Selbst, wenn das Trio dem FC Schalke 04 jetzt verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stand: Hohe Einsatzchancen hatten sie bislang nicht und werden sie nach den neuesten Verstärkungen des Bundesliga-Absteigers auch nicht haben. Timo Becker ist mittlerweile maximal nur noch Einwechselspieler und Mehmet-Can Aydin pendelt zwischen Startelf, Ersatzbank und gar keinem Einsatz. Einzig Malick Thiaw spielt konstant mit.

Trainer Dimitrios Grammozis sorgt beim FC Schalke 04 für erste Fragezeichen.

FC Schalke 04: Dimitrios Grammozis irritiert mit seinem Handeln zu Florian Flick und Ko Itakura

In Regensburg bekam Florian Flick mal wieder die Chance, obwohl der seit Saisonstart neben sich steht. Fast in jeder Partie, in der er mitwirkte, unterlief ihm ein schwerer Fehler. Trotzdem bekam er jetzt wieder den Vorzug gegenüber Neuzugang Dries Wouters – und patzte erneut. Doch es bleibt nicht bei diesen ersten Fragezeichen.

Die Neuzugänge um Ko Itakura und Darko Churlinov standen im Kader, aber nicht in der Startelf. Die Begründung von Dimitrios Grammozis vor dem Spiel: Beide hätten nur einmal mit der Mannschaft trainiert. Warum stehen sie dann im Kader und warum wurde Itakura dann plötzlich zur zweiten Halbzeit schon sofort eingewechselt? Zählen seine Argumente nach 45 Minuten nicht mehr?

FC Schalke 04 in Regensburg wieder defensiver: Auswärts gelten offenbar andere Maßstäbe

Nach dem am Ende enttäuschenden 1:1 des FC Schalke 04 gegen Erzgebirge Aue begründete Dimitrios Grammozis die Einwechselung von Timo Becker mit dessen Trainingsfleiß. Deswegen bekam er den Vorzug gegenüber Reinhold Ranftl. Wie schwach müssen die drei anderen Defensiv-Spezialisten um Aydin, Becker und Wouters dieses Mal trainiert haben, dass Itakura nach nur einer Einheit in Regensburg den Vorzug erhielt?

Trainer Dimitrios Grammozis sorgt beim FC Schalke 04 für erste Fragezeichen.

Ein weiteres Fragezeichen: In Regensburg ließ der S04-Trainer wieder defensiver spielen. Fünfer-Abwehrkette und ohne drei offensive Spieler hinter einer Doppel-Spitze. Gegen Erzgebirge Aue begründete der 43-Jährige es unter anderem damit, dass man zu Hause spiele und einen Spieler mehr für die Offensive brauche, um mehr Chancen zu kreieren. Warum gilt dieses Credo nicht auch auswärts gegen Jahn Regensburg? Doch damit nicht genug.

FC Schalke 04: Pleite bei Jahn Regensburg sind für S04 mindestens zwei Schritte zurück

Nach der 1:4-Demontage bei den Oberpfälzern verwies Dimitrios Grammozis berechtigterweise darauf, dass die Mannschaft sich nach 30 Transfers erst einmal finden müsse. Warum stellt er die Mannschaft dann aber direkt wieder um? Vor dem Aue-Heimspiel reichten auch schon nur zwei Tage, um plötzlich im 14. Spiel unter seiner Regie erstmals mit einer Vierer-Abwehrkette zu spielen. So spielt sich eine völlig neu zusammengewürfelte Mannschaft nicht schneller zusammen und gewinnt Vertrauen.

Zudem habe er gegen Erzgebirge Aue einen Schritt nach vorne gesehen. Ja, 55 Minuten waren gut. Doch was war mit den übrig gebliebenen 35 und war womöglich der Gegner gar nicht so gut, was jetzt Jahn Regensburg umso mehr aufzeigte? Wenn der 3. Spieltag ein Schritt nach vorne war, dann folgten am 4. Spieltag mindestens zwei zurück.

Auf Schalke sei es immer unruhig, gab Dimitrios Grammozis nach der heftigen 1:4-Pleite zu Protokoll. Dabei muss das gar nicht sein. Arbeiten er und die Mannschaft in den kommenden Wochen erfolgreicher, wird es ruhiger. Doch im Moment sorgt der Chef-Trainer erst einmal für erste Fragezeichen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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