Politik will durchgreifen

Strafen für Pyrotechnik im Stadion sollen härter werden: Droht Fans der Führerscheinentzug?

Pyrotechnik im Stadion könnte Fans schon bald teuer zu stehen bekommen
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Pyrotechnik im Stadion könnte Fans schon bald teuer zu stehen bekommen

Fußballfans, die im Stadion mit Pyrotechnik erwischt werden, sollen künftig härter sanktioniert werden. Die Innenminister fordern einen Führerscheinentzug.

  • Das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion soll künftig härter sanktioniert werden.
  • Auf der Innenministerkonferenz wird über eine Gesetzesreform diskutiert.
  • Fans könnten bei Verstößen künftig ihren Führerschein verlieren. 

Lübeck - In Lübeck findet derzeit die Innenministerkonferenz statt, bei der einige Probleme auf den Tisch kommen. Eines davon beinhaltet auch den wöchentlichen Stadionbesuch. Das Innenministerium in Baden-Würtemberg schlägt eine Reform für Fußballfans vor, die während eines Fußballspiels Pyrotechnik abbrennen. Ihnen soll künftig der Führerschein entzogen werden, wie die WAZ berichtet. 

Gefährdet wären künftig also auch die BVB-Fans, die im Derby gegen Schalke 04 oder zuletzt gegen Hertha BSC Berlin gezündelt haben.

Pyrotechnik im Stadion: Innenministerium Baden Würtemberg fordert Führerscheinentzug

Möglichen machen soll dies eine Reform von Paragraf 40 des Sprengstoffgesetzes. Der schließt bislang eine Strafbarkeit durch den Erwerb oder Umgang mit erlaubten oder zugelassenen Sprengkörpern aus. Das Verwenden von nicht erlaubter Pyrotechnik ist in Deutschland bereits jetzt strafbar. 

Baden-Würtemberg schlägt außerdem vor, dass Fans, die sich im Stadion daneben benehmen, auch dann um ihre Fahrlizenz fürchten müssen, wenn sie Straftaten begehen, die in keinem Zusammenhang mit dem Fahren eines Autos stehen. Zusätzlich sollen sie noch zu einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung geschickt werden.

NRW-Innenminister befürwortet Gesetzesreform wegen Pyrotechnik im Stadion

"Hierdurch entsteht eine neue fühlbare Sanktion, die an die charakterliche Ungeeignetheit knüpft und nach dem Strafrecht umgesetzt werden soll", heißt es aus dem Stuttgarter Innenministerium. Das NRW-Innenministerium befürwortet eine Verschärfung der Gesetze, um dem Abbrennen von Pyrotechnik in Stadien Einhalt zu gebieten. 

Sprecher Wolfgang Beus sagte dazu: "Wir unterstützen das. Ein Führerscheinentzug tut mehr weh als ein paar hundert Euro Bußgeld." Kein Wunder, dass dieser Vorschlag in NRW unterstützt wird. Angesichts der Tatsache, dass der FC Schalke 04 und Borussia Dortmund im Pyrotechnik-Sünder-Ranking weit vorne mit dabei sind.

Führerscheinentzug wegen Pyrotechnik im Stadion? Abstimmung am Freitag

Über den Vorschlag der "Pyrotechnik-Reform" wird am Freitag (6. Dezember) zum Abschluss der Innenministerkonferenz beratschlagt, heißt es in dem Bericht der WAZ. Bei einer einstimmigen Annahme müssten sich als nächstes die Justizminister mit dem Plan und dessen gesetzlicher Umsetzung befassen.

Klar ist: Dank dieser rechtlichen Grundlage ist es schon seit einiger Zeit möglich, Straftätern den Führerschein zu entziehen. Die Stadt Oberhausen hat zum Beispiel gewaltbereiten Hooligans von Rot Weiß Oberhausen bereits den Führerschein entziehen lassen. Die Möglichkeiten, diese Strafmaßnahmen auszuweiten, diskutierten die Innenminister schon auf ihrer Konferenz vor zwei Jahren. 

Fanprojekte protestierten hingegen. Unter dem Motto "Pyrotechnik ist kein Verbrechen" läuft bereits seit Jahren eine fanszenenübergreifende Kampagne von Ultragruppierungen, die sich für legales Zündeln einsetzen.

Immer mehr Verletzte wegen Pyrotechnik im Stadion

Die Jahresbilanz der ZIS (Zentralen Informationsstelle Sport) sollte alle Beteiligten zumindest zum Nachdenken bewegen. Demnach gab es in der vergangenen Saison bei den Spielen der Vereine in den drei höchsten Ligen 152 Verletzte im Zusammenhang mit Pyrotechnik

Immer öfter trifft es dabei vor allem Polizisten, aber auch Ordner und nicht zuletzt Menschen, die die Statistik als "unbeteiligte Geschädigte" führt. In der Saison 2017/18 waren es insgesamt 53 Verletzte. Verletzte "Störer" durch Pyrotechnik gab es in den beiden Spielzeiten in den drei Ligen jeweils drei. Noch kommen sie glimpflich davon.

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