Spieler dankt den Münster-Fans

"Jeder muss wissen..." - Leroy Kwadwo hält nach Rassismus-Eklat bei Preußen Münster flammenden Appell

Leroy Kwadwo (l.) von den Würzburger Kickers ist im Spiel gegen Preußen Münster von einem Fan rassistisch beleidigt worden.
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Leroy Kwadwo (l.) von den Würzburger Kickers ist im Spiel gegen Preußen Münster von einem Fan rassistisch beleidigt worden.

Ein Rassismus-Eklat hat das Spiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers überschattet. Leroy Kwodwa hat inzwischen deutlich reagiert.

  • Der Profifußball muss sich mit einem weiteren Rassismus-Skandal auseinandersetzen.
  • Im Preußenstadion in Münster ist ein Mann nach Affenlauten festgenommen worden.
  • Die restlichen Anhänger reagierten unmissverständlich - sehr zur Freude des betroffenen Spielers.

Update, Samstag (15. Februar), 15.31 Uhr: Münster - Leroy Kwadwo (23), der sich am Freitagabend im Drittliga-Spiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers Affenlauten ausgesetzt sah, hat sich mit einem flammenden Appell auf Instagram zu Wort gemeldet. Der Deutsche mit ghanaischen Wurzeln sei "einfach nur traurig".

Leroy Kwadwo: Würzburg-Verteidiger spricht nach Rassismus-Eklat in Münster

"Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren, in diesem wunderbaren Land, das mir und meiner Familie so viel gegeben und erst ermöglicht hat. Ich bin einer von Euch, ich lebe hier und darf hier meine Berufung und Leidenschaft als Profi der Würzburger Kickers ausleben."

Weiter schreibt Leroy Kwadwo: "So etwas wie gestern macht mich einfach nur traurig und wütend, weil jeder wissen muss: Rassismus gehört nicht in UNSERE Welt. Wir alle haben die Möglichkeit, dagegen anzugehen und das Ganze zu unterbinden, wenn es passiert."

Fans helfen bei der Festnahme: Leroy Kwadwo bedankt sich bei Preußen Münster

Im weiteren Verlauf seines Statements bedankt sich der Verteidiger der Würzburger Kickers für die Reaktion der übrigen Fans von Preußen Münster. "Eure Reaktion ist vorbildlich - ihr könnt euch gar nicht denken, was diese mir und allen anderen farbigen Spielern bedeutet. [...] Danke für Eure Menschlichkeit."

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Liebe Fußballfreunde, leider ist es bei unserem Auswärtsspiel bei Preussen Münster zu einem bedauerlichen Zwischenfall gekommen. Ich wurde von einem einzelnen Zuschauer rassistisch beleidigt. Dies macht mich einfach nur traurig. Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren, in diesem wunderbaren Land, das mir und meiner Familie so viel gegeben und erst ermöglicht hat. Ich bin einer von Euch, ich lebe hier und darf hier meine Berufung und Leidenschaft als Profi der Würzburger Kickers ausleben. So etwas wie gestern macht mich einfach nur traurig und wütend, weil jeder wissen muss: #Rassismus gehört nicht in UNSERE Welt. Wir alle haben die Möglichkeit, dagegen anzugehen und das Ganze zu unterbinden, wenn’s passiert. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei allen Menschen im Stadion, den Verantwortlichen und Spielern von Preußen Münster und ganz besonders meinem Team und den Kickers bedanken, die mir sofort zur Seite gestanden sind. Eure Reaktion ist vorbildlich - Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet. WIR müssen alle weiter dagegen angehen, wie IHR es getan habt und dies im Keim ersticken lassen! Danke für jede einzelne Nachricht! Ich hoffe, dass sowas endlich ein Ende hat. Danke für Eure Menschlichkeit Euer Leroy

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Ursprungsmeldung vom 15. Februar, 12.59 Uhr: Sportlich war die Nullnummer zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers am Freitagabend (14. Februar) alles andere als ein Highlight, wie RUHR24.de* berichtet. Für Schlagzeilen sorgte hingegen der zur Schau gestellte Rassismus eines Fans - und die nachfolgende Reaktion der übrigen Anhängerschaft.

Rassismus-Skandal überschattet Preußen Münster gegen die Würzburger Kickers

In einer torlosen Drittliga-Partie lief bereits die Schlussphase, als sich der Würzburger Verteidiger Leroy Kwadwo Affenlaute von den Rängen im Preußenstadion anhören musste. Der Deutsche mit ghanaischen Wurzeln musste auf dem Platz von Mit- und Gegenspielern beruhigt werden.

Nur wenige Tage nach dem Rassismus-Skandal auf Schalke gegen Herthas Jordan Torunarigha (22)* hatte offenbar auch die übrige Anhängerschaft kein Verständnis für das idiotische Verhalten des Fans. Sie zeigten auf den Mann und machen ihn somit für die Ordnungskräfte erkennbar.

"Nazis raus": Fans von Preußen Münster setzen deutliches Zeichen gegen Rassisten

Der Mann wurde daraufhin festgenommen und mit unüberhörbaren " Nazis-raus"-Rufen quittiert. Der SC Preußen Münster entschuldigte sich in einer Mitteilung auf der Vereinsseite bei den Würzburger Kickers und Leroy Kwadwo.

"Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht. Wir distanzieren uns ganz klar von solchen Äußerungen und ich habe mich unmittelbar nach dem Spiel bei den Würzburgern entschuldigt", kommentiert Vereinspräsident Christoph Strässer (70) die Situation.

Rassismus-Skandal im Preußenstadion: Lob für die Fans auch vom Gegner

Würzburg-Torhüter Vincent Müller (19) lobt die Reaktion der gegnerischen Fans. "Ich finde es super, dass sie signalisiert haben 'Hau ab, du gehörst hier nicht hin'", so der 19-jährige Schlussmann im Anschluss an die Partie gegenüber dem vereinseigenen Kanal Kickers TV.

Wie der Spiegel berichtet, sei der Mann nach der Festnahme aufs Präsidium gebracht worden. Gegen ihn wird nun wohl eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Neben den Affenlauten soll er, so berichtet es der Spiegel und beruft sich auf Informationen der Polizei, auch "Geh zurück in dein Loch" gerufen haben. BVB-Spieler Manuel Akanji (24) positioniert sich deutlich gegen Rassismus im Stadion und lobt dabei einen früheren Spieler von Schalke 04.

cke

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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