Im DFB-Team einst ausgebootet

Pikante Konstellation für Oliver Kahn zum Einstand beim FC Bayern: „Schlag ins Gesicht“

Oliver Kahn legt beim FC Bayern los. Für den Vorstand kommt es gleich zum Start in der Bundesliga zu einer brisanten Begegnung.

  • Ab Januar 2020 kehrt eine Vereinslegende zum FC Bayern zurück.
  • Oliver Kahn verstärkt den Vorstand des deutschen Rekordmeisters.
  • Erbt der „Titan“ die Abteilung Attacke von Uli Hoeneß? 

München - Noch kurz vor den weihnachtlichen Festtagen wurde in der Schaltzentrale des FC Bayern München gewerkelt, um einem besonderen Neuzugang in der Führungsriege Platz zu schaffen: Oliver Kahn.

Im Januar 2020 wird der als „Titan“ bezeichnete frühere Leistungsträger sein Büro an der Säbener Straße beziehen und dort seine neue Funktion als Vorstandsmitglied des deutschen Rekordmeisters beginnen.

+++ Aktuelle Entwicklung im Thema Oliver Kahn beim FC Bayern München: Erste Amtshandlung: Mit einer Aktion demonstriert Oliver Kahn seine neue Macht beim FC Bayern

Oliver Kahn: Neuer Vorstandsjob beginnt mit Fernreise

Bevor Kahn jedoch am Trainingsgelände wieder heimisch wird, steht kurz nach dem Jahresauftakt eine Fernreise an: Gemeinsam mit dem FCB-Tross fliegt der 50-Jährige ins Trainingslager nach Katar, wo er auf Tuchfühlung mit seinen neuen Arbeitskollegen gehen wird.

„Oliver wird seine Erfahrung als früherer Weltklassespieler und inzwischen auch top vernetzter Geschäftsmann einbringen. Oliver wird uns bereichern. Wir werden gut zusammenarbeiten“, besteht bei Karl-Heinz Rummenigge kein Zweifel an der Tauglichkeit des Ex-Nationalspielers, der in seiner Karriere mit der DFB-Auswahl einen großen Titel verpasste.

Oliver Kahn im November 2019 bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern.

Während der zurückgetretene FCB-Präsident Uli Hoeneß aktiv nicht mehr mit Oliver Kahn zusammenarbeiten wird, ist dies bei Vorstandschef Rummenigge sehr wohl der Fall. Doch auch die Amtszeit des gebürtigen Nordrhein-Westfalen läuft Ende 2021 ab - und dann soll Kahn beim FC Bayern das Ruder übernehmen.

Fünf-Jahres-Vertrag von Kahn beim FC Bayern

Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, seit Kahn letztmals für Bayern München in einem Pflichtspiel auflief. Der „Titan“ und Deutschlands Vorzeigeklub - das war 14 Jahre lang bis 2008 eine optimale Symbiose. 

„Ich bin mit dem Verein tief verbunden, er hat mein Leben sehr stark geprägt. Ich habe wahnsinnig viel erlebt, emotionale Momente, Höhen und Tiefen“, schwärmte der frühere Karlsruher kürzlich. Den Höhepunkt bildete zweifellos die Champions-League-Krone 2001, als sich der FCB im Finale von Mailand gegen den FC Valencia im Elfmeterschießen durchsetzte. 

Oliver Kahn hatte mit drei parierten Elfmetern entscheidenden Anteil am Triumph. Knapp 19 Jahre später nimmt der langjährige Rückhalt der Bayern also in der Führungsetage seine Arbeit auf - und wurde gleich mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet.

Wenig verwunderlich entfacht dessen Rückkehr bei den Fans der Münchner große Euphorie. 

Der Anhang feierte den Rückkehrer, der sich zwischenzeitlich als Geschäftsmann und TV-Experte betätigte, bereits auf der Jahreshauptversammlung mindestens ebenso frenetisch wie den scheidenden Präsidenten Hoeneß. „Da hast du viel Arbeit, um diesen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden“, rief dieser Kahn umgehend zu.

Oliver Kahn als FCB-Vorstand: Lernen in allen Abteilungen

Eingearbeitet wird der Neustarter beim FC Bayern vonRummenigge, dieser Prozess soll in aller Ruhe stattfinden. Einzelne Abteilungen des Hauses werden durchlaufen - und auch die Auslandsbüros in den USA und China besucht. 

Mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der bald in den Vorstand aufrückt, kann Oliver Kahn die FC-Bayern-Mannschaft der Zukunft konstruieren. Und nicht zuletzt in der Trainer-Frage beim FC Bayern wirken, nachdem mit Erik ten Hag ein Wunschkandidat von seinem Verein Ajax Amsterdam ein Wechselverbot auferlegt bekam.

Selbst dass der Hoffnungsträger einer goldenen FCB-Zukunft die „Abteilung Attacke“ von Uli Hoeneß übernehmen wird, ist gut möglich. Rummenigge sagte bei der JHV 2019 über Kahn: „Er war auf dem Platz unser Titan. Und Titan rostet nicht. Dementsprechend können wir uns auf einiges gefasst machen - oder die anderen 17 Vereine der Bundesliga“...

Jürgen Klinsmann bootete Oliver Kahn im DFB-Team aus

Pikanterweise wird es im ersten Pflichtspiel der Rückrunde gegen Hertha BSC und Trainer Jürgen Klinsmann (Sonntag, 19. Januar, 15.30 Uhr) gehen. Dieser war es, der Kahn 2006 beim WM-Sommermärchen im eigenen Land zur Nummer zwei im DFB-Team hinter Jens Lehmann degradiert hatte.

Eine Ausbootung, die Kahn offenbar nie ganz überwunden (und verstanden) hat. Die Entscheidung von Klinsmann pro Lehmann und gegen ihn habe ihn wie ein „Riesen-Schlag ins Gesicht“ getroffen, meinte Kahn zum Beispiel bei der Verleihung der „Sport Bild Awards“ im August 2006.

Einst gemeinsam für das DFB-Team: Jürgen Klinsmann (li.) und Oliver Kahn.

Kahn weiter: „Ich glaube, dass mir diese WM mehr Erfahrung als Mensch gebracht hat, als wenn ich gespielt hätte. Ich fühle mich in meiner Haut wohl, das Thema Nationalmannschaft ist völlig beendet.“

Oliver Kahn spielte nur noch für den FC Bayern München

Zwei Jahre später weigerte er sich bei seinem Abschiedsspiel in der Allianz Arena, eine Halbzeit lang für das DFB-Team ins Tor zu stehen, mit dem er bei der WM 2002 immerhin Zweiter hinter Brasilien geworden war. „Warum, weiß ich auch nicht“, meinte Bundestrainer Joachim Löw damals. Bei der Heim-WM 2006 war Löw noch Klinsmanns Assistent in der deutschen Nationalmannschaft gewesen.

Nach dem Aus im EM-Halbfinale 2016 gegen Frankreich (0:2) hatte der 50-jährige Kahn als Experte im „ZDF“ die Frage gestellt, ob es für Löw nicht besser gewesen wäre, hätte der Bundestrainer nach dem WM-Sieg 2014 aufgehört.

Und nach der WM-Blamage 2018 in Russland legte er sich in einer Live-Sendung des „ZDF“ mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff an - auch ihn hatte Klinsmann einst zum DFB gebracht.

Oliver Kahn kritisierte Klinsmann-Vertraute Oliver Bierhoff und Joachim Löw

„Sie müssen herausfinden: Was haben wir mit der ganzen Thematik zu tun?“, sagte Kahn damals harsch zu Bierhoff: „Es wäre besser gewesen, zu sagen, wir verkünden gar nichts und begreifen uns als Teil des Problems. Und danach schauen wir. Ich weiß nicht, ob es klug war, so schnell mit ihm (Joachim Löw, d. Red.) zu verlängern und das Weitermachen zu verkünden. Das wirft Fragen auf.“

Kahn kritisierte Bierhoff weiter dafür, dass Löw und sein Trainerteam Leroy Sané nicht für die Fußball-WM nominiert hatten - Sané ist aktuell Transfer-Ziel Nummer eins des FC Bayern

Bald stehen sich nun Kahn und Bierhoffs einstiger Partner Klinsmann wieder gegenüber. Der eine als Vorstand der Bayern, der andere als Trainer der Berliner Hertha.

Neues FC-Bayern-Heimtrikot der Saison 2020/2021 im Netz aufgetaucht.

PF/pm

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