Vorstoß aus München

„Man muss das überdenken“: Bayern-Boss rüttelt an 50+1 - und widerspricht damit Bundesliga-Chef 

Bayern-Bosse: FCB-Präsident Herbert Hainer (li.) und Vorstand Oliver Kahn.
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Bayern-Bosse: FCB-Präsident Herbert Hainer (li.) und Vorstand Oliver Kahn.

FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer stellt wegen der Corona-Krise die 50+1-Regel in Frage - die DFL-Chef Christian Seifert entschieden verteidigt.

  • FC Bayern München*: Herbert Hainer stellt die 50+1-Regel in Frage.
  • Der FCB-Präsident verweist auf andere Klubs in der Bundesliga*, die Zahlungsschwierigkeiten haben.
  • DFL-Boss Christian Seifert hatte zuvor davon abgeraten, an dem Reglement zu rütteln, das den Einfluss von Investoren begrenzt.

München/Frankfurt - Herbert Hainer macht sich in der Coronavirus-Pandemie* wirtschaftlich nicht allzu große Sorgen um seinen FC Bayern München*

„Wir werden die Krise, wie man das heute absehen kann, gut überstehen“, sagte der FCB-Präsident im Interview der ZDF-SPORTreportage  - und stellte dennoch im selben Gespräch die 50+1-Regel der Bundesliga in Frage.

FC Bayern München: Herbert Hainer stellt die 50+1-Regel der Bundesliga in Frage

„Man muss ja auch mal als Fakt sehen, dass die 50+1-Regel jetzt bestimmten Vereinen nicht geholfen hat. Insofern muss man das natürlich auch überdenken. Ich bin der Meinung, dass man es den Vereinen selber überlassen sollte, wie viele Anteile sie abgeben wollen“, sagte der 65-jährige Niederbayer.

Auf welche Klubs Hainer anspielte? Sicher ist: Der FC Schalke ist durch die Corona-Krise in eine gehörige finanzielle Schieflage geraten, sogar von einer drohenden Insolvenz ist die Rede. 

Die Gelsenkirchener haben ihre Profi-Abteilung bis heute nicht ausgegliedert - und können folglich auf kein Geld von Anteilseigner zurückgreifen. Zum Beispiel im Gegensatz zu RB Leipzig*, das ein Tochterunternehmen des Red-Bull-Konzerns ist.

FC Bayern München verkaufte Anteile an Adidas, Audi und die Allianz

Zum Vergleich: Der Double-Sieger aus dem Süden hat 25 Prozent seiner Anteile an sogenannte strategische Partner abgetreten, je 8,33 Prozent an die langjährigen Sponsoren Adidas, Audi und Allianz

Hainer, Ex-CEO des Sportartikelherstellers und FCB-Partners Adidas, widersprach mit seinem 50+1-Vorstoß indes dem Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL).

DFL-Chef: Christian Seifert.

Christian Seifert hatte jüngst davon abgeraten, an dem Reglement zu rütteln, das den Einfluss von Investoren bei deutschen Profi-Klubs auf 49 Prozent der Anteile beschränkt, damit die Vereine die Stimmenmehrheit bewahren - und nicht etwa abhängig werden. 

Bundesliga-Klubs geraten durch die Corona-Krise in Schieflage

„Ich bin persönlich kein Freund davon, in solchen absoluten Extremsituationen mit Extremszenarien zu antworten. Wir versuchen erstmal, im Rahmen eines gewissen Rasters und Instrumentariums, uns da irgendwie durch zu steuern“, meinte Seifert kürzlich im Interview mit Sport1: „Jetzt die 50+1-Regel aufzuheben, unabhängig davon, ob das überhaupt ginge, weiß ich nicht, ob das in der jetzigen Situation der richtige Ansatz wäre. Genau in der Phase über Investorenmodelle nachzudenken - ich weiß nicht, ob das vielversprechend und der richtige Ansatz ist.“

Fakt ist auch: Gleich mehrere Bundesliga-Klubs würden ohne Auszahlung der milliardenschweren TV-Gelder * in Zahlungsschwierigkeiten geraten, zuletzt gab es erhebliche Kritik am Geschäftsgebaren des Profi-Fußballs.

50+1 der Bundesliga: FCB-Chef Hainer und DFL-Boss Seifert nicht einer Meinung

„Es bräuchte Beschlüsse in einer Mitgliederversammlung und bisher hat noch niemand diesen Antrag gestellt“, sagte Seifert weiter zur 50+1-Regel.

„Die Regeln, die wir uns selber auferlegt haben, sind noch strikter als 50+1“, meinte FC-Bayern-Präsident Hainer dagegen im ZDF: „Ich denke, dass kann man in die Eigenverantwortung der einzelnen Vereine geben. Der eine hat einen stärkeren Kapitalbedarf, der andere einen schwächeren. Und das sollten die Vereine dann selber entscheiden können.“

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pm

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