DRK-Kleiderkammern unterstützen Hilfebedürftige

„Immer neue Klamotten können wir uns nicht leisten“

Ein neues Shirt oder doch lieber ein paar Sneaker? Viele Menschen gehen einfach in die Stadt und kaufen sich, was ihr Herz gerade begehrt. Was ist aber mit den Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht?

  • Kleiderkammern sind in vielen Städten unverzichtbar.
  • Auch Nachhaltigkeit und soziale Aspekte stehen bei den Kleiderkammern und Shops im Fokus.
  • Jeder WestLotto-Spieler unterstützt auch soziale Projekte.

Eine neue Jacke, Pullis, drei Hosen, ein Schlafanzug und dazu noch ein Kinderbuch. Die Kölnerin Anna F., alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern, ist glücklich über ihren heutigen Besuch in der Kleiderkammer an der Oskar-Jäger-Straße im Kölner Ortsteil Ehrenfeld. Sie weiß: Im regulären Handel hätte sie diese dringend benötigten Sachen nie bezahlen können. „Bei meiner finanziellen Situation kann ich mir und den Kindern nicht immer neue Klamotten kaufen“, erklärt Anna F. „Die Kinder brauchen ja ständig größere Sachen.“ Kinder wachsen schnell – zu schnell für so manches Haushaltsbudget. Immer wieder neue Kleidung anschaffen, wenn der Nachwuchs aus den Sachen herausgewachsen ist, das ist für viele Eltern finanziell nicht möglich. Sie finden Unterstützung in den landesweiten Kleiderkammern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Seit Jahrzehnten ist die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter, beispielsweise in Köln, unverzichtbar.

Für Menschen von Mitmenschen

„Die Kleiderkammern sind heute notwendig wie eh und je“, bestätigt auch Marita Bosbach, Fachbereichsleitung Familie, Gesundheit und Integration beim DRK Kreisverband Köln. Für Familien mit geringem Einkommen, vor allem für Alleinerziehende, sei dies ein Angebot von existenzieller Bedeutung. Die Ware in den Regalen, die gegen eine symbolische Schutzgebühr angeboten wird, stammt aus Spenden von Kölner Bürgern. Menschen, die ausrangierte Kleidung ans DRK geben, können somit sicher sein, Gutes zu tun.

Allerdings: Neben den vielen gut erhaltenen und sorgfältig verpackten Spenden bekommt das DRK auch unbrauchbare Kleidungsstücke. Deshalb ist das Öffnen der Kleidersäcke und Tüten jedes Mal eine Überraschung. Sind die Textilien noch in Ordnung? Sind sie Sauber? Zerschlissene und schmutzige Sachen müssen kostenintensiv entsorgt werden. Das Sortieren und Aufbereiten der Kleiderspenden bedeutet jede Menge Arbeit für die rund zwölf ehrenamtlichen Helfer in Köln, die das Angebot überhaupt erst ermöglichen. Landauf, landab bilden DRK-Mitarbeiter und Ehrenamtliche eingespielte Teams. Rund 800 Kleiderkammern gibt es im gesamten Bundesgebiet, über zwei Millionen Menschen nutzen das Angebot regelmäßig, berichtet das DRK-Generalsekretariat in Berlin.

Neue Soziale Projekte

Seit einigen Jahren wird die auch heute unverzichtbare Kleiderkammer um ein neues Konzept ergänzt: Der Rotkreuz-Shop, täglich geöffnet und in attraktiver Lage an der Venloer Straße mitten in Köln-Ehrenfeld gelegen, bietet gebrauchte Kleidung gegen reguläre Bezahlung an. Alle, die das Angebot der Kleiderkammer nicht in Anspruch nehmen können oder wollen, werden hier fündig. Der Erlös aus dem Verkauf fließt in soziale Projekte des Kölner Roten Kreuzes – und in die Arbeit der Kleiderkammer. Vom Shop-Konzept profitieren also alle, sagt Marita Bosbach: „Wer Platz in den Schränken schaffen will, kann damit gleichzeitig etwas Gutes tun. Für die Spender ebenso wie für viele der Kunden steht dabei der Gedanke der Nachhaltigkeit im Vordergrund: Müllberge reduzieren, die Umwelt schonen und stattdessen gute Textilien weiter zu benutzen, das liegt vielen am Herzen.“

Ein hoher Nutzen für Gesellschaft und Umwelt

Und ums Shoppen alleine, weiß Marita Bosbach, geht es gar nicht. „Das Geschäft hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, viele aus der Nachbarschaft kommen einfach mal zu einem Plausch vorbei.“ Der soziale Aspekt der Kleidershops sei nicht zu unterschätzen. „Erfreulich ist für uns auch, dass wir damit nahezu alle Generationen erreichen.“

Derartige Shops für gebrauchte Kleidung betreibt das DRK landesweit an zahlreichen Standorten – und weitere sollen folgen. Der DRK Landesverband Westfalen-Lippe etwa veranstaltete im Februar die „1. Gründerwerkstatt Kleidershops“ in Münster, um Kreisverbänden Impulse und fachliche Beratung für die Gründung eigener Geschäfte zu geben. Kleiderkammer und Kleidershops bilden somit eine Einheit. Mit hohem Nutzen sowohl für die Gesellschaft als auch für die Umwelt.

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