„Bei uns zählt die Person, nicht der Pass“

Brücken zwischen den Kulturen

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Die AWO Gelsenkirchen hat ein multikulturelles Team an Mitarbeitern. Alle AWO-Mitarbeiter handeln nach dem Prinzip des „Förderns und Forderns“. Jeder WestLotto-Spieler unterstützt auch gemeinnützige Projekte.

  • Die AWO Gelsenkirchen hat ein multikulturelles Team an Mitarbeitern. 
  • Alle AWO-Mitarbeiter handeln nach dem Prinzip des „Förderns und Forderns“. 
  • Jeder WestLotto-Spieler unterstützt auch gemeinnützige Projekte.

In Kumpel-Manier packen etwa die Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Integrationsagentur in Gelsenkirchen Herausforderungen einfach an, während andere womöglich noch lange diskutieren. „Bei uns zählt der Mensch, nicht die Herkunft“, bringt es Admir Bulic, der Leiter der Integrationsagentur, auf den Punkt.

Integrationslotsen 

So bunt wie unsere Gesellschaft ist auch das AWO-Team zusammengesetzt, von Sozialarbeitern bis zu Menschen ohne Berufsabschluss. „Wir sprechen über 20 Sprachen. Mit Honorarkräften und Dozenten arbeiten gut 80 Personen für die Integrationsagentur – zusätzlich viele Ehrenamtliche“, berichtet Bulic. Einen Großteil der Mitarbeiter gewinnt die AWO aus dem Kreis der Betroffenen selbst und qualifiziert sie als „Integrationslotsen“. Jeder und jede bringt dabei die eigene Lebensgeschichte und individuelle Stärken mit. Integrationslotsinnen wie Georgiana Abbas oder Mioara Boboc – beide aus Rumänien – finden nicht nur wegen ihrer Sprachkenntnisse schnell den richtigen Draht zu Neu-Gelsenkirchenern.

Sechs Sprachen 

Abbas spricht sechs Sprachen und absolvierte 2015 ein Praktikum bei der AWO. Willkommensbesuche absolvieren, Sprechstunden anbieten, sich mit anderen Einrichtungen wie Mieterschutzbund, Verbraucherzentrale oder Jugendamt vernetzen: „Die Arbeit ist unglaublich vielfältig und macht sehr viel Spaß“, unterstreicht die Integrationslotsin. „Am schönsten ist es, wenn die Familien nach einiger Zeit nicht mehr unsere Hilfe benötigen, sondern alleine zurechtkommen.“

Multikulturell 

Die multikulturelle Zusammensetzung der Integrationsagentur beseitigt nicht nur Sprachbarrieren, sie schafft eine Vertrauensbasis zu den Menschen, die neu nach Gelsenkirchen kommen. Oft sprechen die Neuangekommenen wenig oder gar kein Deutsch und müssen sich bei vielen – für uns selbstverständlichen – Themen erst einmal zurechtfinden. Die Integrationslotsin Mioara Boboc kam ebenfalls über ein Praktikum zur AWO. „Mich freut es, dass ich heute durch meine Erfahrungen helfen kann.“ Inzwischen studiert sie berufsbegleitend und strebt mit einem Dualen Studium den Bachelor in Sozialarbeit (Schwerpunkt Armuts- und Flüchtlingsintegration) an.

Eigener Horizont 

Zu den besonders erfahrenen Mitarbeiterinnen in der Integrationsagentur zählt die studierte Lehrerin Bedia Torun. Als politisch Verfolgte fand sie vor gut 30 Jahren den Weg aus der Türkei nach Deutschland. „Frau, Migrantin und behindert – mit meinen eigenen Erfahrungen kann ich mich sehr gut in die Perspektive der Betroffenen hineinversetzen.“ Um administrative Aufgaben, etwa das Gestalten von Flyern, kümmert sich Otto Hünemörder: Nach seiner kaufmännischen Berufsausbildung war er lange Jahre arbeitssuchend, bis er schließlich 2011 bei der AWO seine Berufung fand.

Selbstständig werden 

Dabei handeln die AWO-Mitarbeiter nach dem Prinzip des „Förderns und Forderns“, unterstreicht die Geschäftsführerin Gudrun Wischnewski: „Unser Ziel ist es, die Menschen so zu unterstützen, dass sie ihr Leben alleine organisieren können.“ Gleichzeitig vermitteln die AWO-Mitarbeiter, dass es Rechte und Pflichten gibt. „Vieles, das hier wichtig ist, kennen die Menschen aus ihren Herkunftsländern nicht. 

Da muss Verständnis geschaffen und vermittelt werden, bevor es zu Reibungspunkten in der Nachbarschaft kommt“, erklärt Bulic weiter. Straßenfeste und ähnliche Formen der Begegnung, aber auch das enge Netzwerk mit kommunalen Behörden, weiteren gemeinnützigen Organisationen und den Sportvereinen vor Ort helfen dabei, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen.

Erfolgsrezept 

Mit ihrer Arbeit hat die Gelsenkirchener Integrationsagentur überregional viel Aufmerksamkeit gefunden und zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Regelmäßig informieren sich Vertreter anderer Sozialeinrichtungen oder auch Politiker – bis hin zur europäischen Ebene – über das Konzept. Wird Bulic dabei um Rat gefragt, antwortet er stets: „Erfolg hat drei Buchstaben: Tun!“ Damit Integration gelingt, malochen die AWO-Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue.

Die Arbeiterwohlfahrt wurde im Jahr 2019 100 Jahre alt. Zu diesem runden Geburtstag hat der AWO Bezirksverband Westliches Westfalen viele weitere Geschichten gesammelt, die im Internet zu finden sind.

www.awo-100-geschichten.de

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