Individuelle Bewerbung

Achtung, Kopfgeldjäger!

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So überzeugst du ein Unternehmen: Ein Headhunter gibt Tipps, damit sich ein Bewerber mit seiner Bewerbung von den Konkurrenten abhebt.

  • Nhu-Bang Ngo ist Headhunter bei einer Personalvermittlungsfirma.
  • Lücken im Lebenslauf sollten ehrlich erklärt werden.
  •  Manche Interessen gehören nicht in die Bewerbung.

Nhu-Bang Ngo ist Headhunter bei der internationalen Personalvermittlungsfirma Hays. Nach ein paar Jahren im Düsseldorfer Büro des Unternehmens zog es ihn 2018 nach Vancouver in Kanada. Dort sucht er nach IT-Experten für verschiedene Firmen. Tag für Tag wandern zahlreiche Lebensläufe über Nhu-Bangs Schreibtisch.

Klar, dass er da ganz genau weiß, welche Angaben bei seinen Kunden gut ankommen – und welche nicht. Deshalb wollten wir von ihm wissen, was einen richtig guten Lebenslauf wirklich ausmacht.

Was schaust du dir als Erstes an, wenn du den Lebenslauf eines Bewerbers durchgehst?

Nhu-Bang : Für den ersten Job nach der Ausbildung oder dem Studium ist neben einem ordentlichen und attraktiven Lebenslauf auch das Anschreiben wirklich wichtig, da logischerweise die Berufserfahrung nicht wirklich Aufschluss gibt. Jeder Personaler macht das natürlich etwas anders.

Ich versuche in erster Linie, den Zeitstrang und die Stringenz des Lebenslaufs nachzuvollziehen. Wie lang dauerte die Schullaufbahn? Gibt es irgendwelche Ungereimtheiten? Ich achte natürlich auch darauf,dass die Zeiten stimmen und der Lebenslauf lückenlos ist.

Sind Lücken immer ein Ausschlusskriterium?

Nhu-Bang: Es ist vollkommen okay, wenn es im Leben eine Phase gibt, in der man zwischen zwei Jobs steht oder aber die Zeit einfach für Reisen genutzt hat. Wichtig ist nur, dass alles transparent aufgelistet ist.

Wie wichtig sind die angehängten Zeugnisse?

Nhu-Bang: Natürlich sind die Zeugnisse vor allem für den ersten Job oder die Ausbildung wichtig, daher sollte man nie vergessen, sämtliche Anhänge mitzusenden. Hierbei versuche ich mich aber nicht nur auf die Schulzeugnisse zu konzentrieren. Relevante Urkunden, erwähnenswerte Zertifikate und Weiterbildungen heben sich von den „Standardbewerbungen“ ab.

Welche Hobbys hinterlassen einen positiven Eindruck?

Nhu-Bang: Im Endeffekt alle, außer Lesen, Fernsehen, Freunde oder Chillen. Mannschaftssportarten kommen eigentlich immer gut an. Sie sind ein Indikator dafür, dass man die Fähigkeit hat, im Team zu arbeiten. Auch Instrumente und Musik generell sind gern gesehen. Sie hinterlassen den Eindruck, dass man ein gewisses Durchhaltevermögen hat, etwas „Schwieriges“ zu lernen.

Welche sollte ich besser verschweigen?

Nhu-Bang: Ich habe schon so manche Dinge in Lebensläufen gelesen, die mich echt zum Staunen gebracht beziehungsweise bei denen ich die Ernsthaftigkeit hinterfragt habe. Nennenswert wäre sicherlich die „Teamführungskompetenz durch zwei Jahre Raid Lead im Online-Spiel World of Warcraft“ oder ein Jahr Überbrückung als Online-Pokerspieler.  Ja, damit kann man Geld verdienen, kommt aber nicht gut an.

Welche Interessen haben dich besonders beeindruckt?

Nhu-Bang: Interessen und Hobbys sind wichtig. Klar fallen ausgefallenere auf, wichtig ist aber, wie man eben diese in einem Vorstellungsgespräch mit Leben füllt. Ich finde es wichtig, dass Bewerber auch ein Leben außerhalb des Jobs haben.

Auf welche außerschulischen Aktivitäten, abgesehen von Sportvereinen und Co., legen Personaler besonders viel Wert?

Nhu-Bang: Das kommt irgendwie immer auf die zu besetzende Position an. Ehrenamtliche Tätigkeiten in jungem Alter, z.B. innerhalb der Schule, Jugendtreffs, der freiwilligen Feuerwehr oder in der Gemeinde generell, haben mich schon immer beindruckt oder aber Interessensfelder, die im Vergleich zu meinen jungen Jahren weit entfernt waren.

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