Strukturwandel im Ruhrgebiet – Wohnqualität als Standortfaktor

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Die Wettbewerbsfähigkeit einer Region hängt maßgeblich von dessen Attraktivität als Heimat ab. Lebt es sich vor Ort gut, steigen die Chancen, dass sich Fachkräfte ansiedeln. Das Ruhrgebiet hat dahingehend noch immer mit Imageproblemen zu kämpfen, bewegt sich aber hin zu einer ökologischen Wissensregion mit Potenzial. Am Beispiel der IBA Emscher Park lässt sich nachvollziehen, wie [...]Weiterlesen

Die Wettbewerbsfähigkeit einer Region hängt maßgeblich von dessen Attraktivität als Heimat ab. Lebt es sich vor Ort gut, steigen die Chancen, dass sich Fachkräfte ansiedeln. Das Ruhrgebiet hat dahingehend noch immer mit Imageproblemen zu kämpfen, bewegt sich aber hin zu einer ökologischen Wissensregion mit Potenzial. Am Beispiel der IBA Emscher Park lässt sich nachvollziehen, wie der Wandel von einer traditionellen Industrielandschaft hin zu einem nachhaltigen Lebensraum gelingen kann.

Der Immobilienmarkt im Ruhrgebiet ist durchwachsen. Das verdeutlicht eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zum Wohnungsbau in Deutschland. Laut IW-Report 28/2019 mangelt es in der Rhein-Ruhr-Region teilweise an Wohnungen, an anderer Stelle herrscht wiederum ein Überangebot. So beispielsweise in Gelsenkirchen, Bochum und Oberhausen. Zu wenig Wohnungen werden nach Ansicht der Experten in Dortmund, Essen, Mülheim, Herne und Duisburg gebaut. Herne und Duisburg decken ihren Wohnungsbedarf (p.a. 2016 bis 2020) nur zu 67 Prozent. Dortmund erreicht lediglich 59 Prozent. Als Folge steigen die Preise pro Quadratmeter, für eine Traumwohnung muss immer tiefer in die Tasche gegriffen werden.

Aussichtslos ist die Situation vor Ort allerdings nicht. Durch gezielte Recherche lässt sich auch in besonders beliebten Gegenden bezugsfertiger Wohnraum ergattern. Das Immobilienunternehmen Grand City Property verwaltet beziehungsweise vermietet Wohnungen deutschlandweit und unterstützt die Wohnungssuche über das Internet sowie ein kostenloses Service-Center, das rund um die Uhr erreichbar ist. Im Ruhrgebiet weist die Hausverwaltung auch dort ein breites Angebot an freien Wohnungen auf, wo laut IW-Report der Bedarf nicht gedeckt wird. Darunter Herne, Duisburg und Essen. Der Leerstand in strukturschwachen Städten und auf dem Land wird vielerorts durch eine zunehmende Anzahl Neubauten verschärft. Chancen bestehen hier im Umbau von Bestandsgebäuden und dem Ausbau des Nahverkehrs, um den Anschluss an das Umland zu optimieren und die Attraktivität der betroffenen Wohnorte zu steigern.

Vorbild IBA Emscher Park – früher Industriegelände, heute Naherholungsgebiet

Dass das Ruhrgebiet eine Zukunft hat, ist unbestritten. Das hat bereits die Entwicklung im Rahmen der Industrialisierung gezeigt, als die Region innerhalb kurzer Zeit zu einer der dichtbesiedelsten Europas heranwuchs. Sowohl für einen großen wirtschaftlichen Absatzmarkt als auch eine bedeutsame Technologie-Förderungsinfrastruktur sowie Hochschul- und Forschungslandschaft ist das Ruhrgebiet aufgrund seiner Urbanität und räumlichen Lage äußerst interessant. Die Fortschritte dahingehend lassen sich vielfältig belegen.

Beim Thema Lebensqualität kämpft das Ruhrgebiet jedoch bis heute mit Imageproblemen. Einen Rückschlag musste die Region zuletzt 2018 in Kauf nehmen, als das ZDF mit seiner großen Deutschland-Studie aufwartete, welche viele Städte und Kreise des Ruhrgebiets auf die hintersten Ränge in Sachen Lebensqualität beförderte. Einige Landräte und Oberbürgermeister reagierten darauf mit einem Boykott weiterer ZDF-Studien und teilten dies dem Sender schriftlich mit (RUHR24 berichtete). An der Realität ändert das nichts: Die Region sieht sich Defiziten gegenüber, die es anzugehen gilt. Wie ein Wandel machbar ist, beweist die Internationale Bauausstellung Emscher Park. Der Schwerpunkt des Vorzeigeprojekts, das auf die Jahre zwischen 1989 und 1999 angelegt war, lag auf der Verwandlung der altindustriellen Bestandsgebäude zur Nutzung für Kultur, Wohnen, Kunst und Freizeit. Als letztes großes regionalpolitisches- beziehungsweise strukturpolitisches Programm zeigte die Ausstellung, dass aus einer alten Industrielandschaft ein nachhaltiger Lebensraum entstehen kann. „Sie war ein wichtiger strukturpolitischer Meilenstein, weil es hier erstmals gelang, das industrielle und baukulturelle Erbe der Region wertzuschätzen“, betonen die Autoren der im Auftrag des WWF Deutschland durchgeführten Forschungsstudie „Gerechter Wandel für Regionen und Generationen – Erfahrungen aus dem Strukturwandel im Ruhrgebiet“ (Stand Januar 2019).

Am Emscher Park wird deutlich, welche Rolle die Wiederherstellung einer naturnahen Umgebung als Standortfaktor spielt. Heute dient der Emscher Landschaftspark mit 457 Quadratkilometern sowohl Einheimischen als auch Touristen als attraktives Naherholungsgebiet. Die Wohnqualität ist durch verschiedenste Freizeitangebote, begrünte Industrieflächen und kunstvolle Inszenierungen zwischen Duisburg und Bergkamen deutlich gestiegen. Ob begehbare Achterbahn-Skulptur in Duisburg (siehe Titelbild), der einladende Nordsternpark in Gelsenkirchen oder der eindrucksvolle Panoramablick vom Haldenplateau in Herten.

Emscherumbau für einen sauberen Fluss

In einem Beitrag auf der Internetpräsenz der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zum Wandel des Ruhrgebiets von der Industrie- zur Wissensregion wird ergänzend auf den sogenannten Emscherumbau aufmerksam gemacht, welcher ebenfalls großen Einfluss auf die ökologische Umgestaltung der Region hat. Der Emscherumbau zielt auf die Renaturierung des Emschertals ab. Das Ziel des bislang größten Infrastrukturprojekts in Europa, eine vollständig abwasserfreie Emscher, soll 2021 erreicht werden. Details verrät der größte Abwasserentsorger Deutschlands, die Emschergenossenschaft:

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