Das Angebot an Seminaren ist so groß wie nie

Rückgang an beruflichen Weiterbildungen im Ruhrgebiet

ein aufgeschlagenes Buch
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Gerade die Kurzarbeit, in die viele Unternehmen akut treten mussten, bietet sich an, um Mitarbeitern berufliche Weiterbildungen zukommen zu lassen.

Berufliche Weiterbildungen sind im Ruhrgebiet rückläufig. Dabei ist das Angebot an Seminaren so groß wie nie und es gibt auch zahlreiche Förderungen für Unternehmen und private Weiterbildungswillige, die den Rückgang zu einem unerklärlichen Phänomen werden lassen. 

Als ein Grund wird die Kontaktsperre in der Coronakrise gesehen. Doch Bildungsträger haben sich inzwischen darauf eingestellt und gute Hygienekonzepte, sofern überhaupt noch Präsenzunterricht stattfindet. Denn Onlinekurse waren auch vor Corona schon gefragt wie nie. 

Welche Maßnahmen zählen zu beruflichen Weiterbildungen?

Grundsätzlich sind alle Kurse, die berufliche Kompetenzen stärken und Fachwissen vermitteln, als berufliche Weiterbildung zu sehen. Bei welchem Niveau das beginnt, hängt ganz vom Einzelnen ab.

Kommunikation und Sprache ist ein breites Feld, in dem beispielsweise sehr viele beruflichen Weiterbildungen angeboten werden. Sei es die Kommunikation mit Kunden, Mitarbeitern oder Geschäftspartnern, am Telefon, via Mail oder in Fremdsprachen, alle Bereiche haben unzählige Angebote.

Sprache ist im Beruf besonders wichtig, daher gibt es auch sehr viele Kurse in Deutsch als Fremdsprache, mit berufsspezifischem Vokabular, damit ausländische Fachkräfte oder Helfer im beruflichen Alltag bestehen können. Hier reichen die Angebote vom Niveau B1 bis hin zu Kursen Deutsch für Ingenieure oder Pflegepersonal.

Technik und IT ist ebenfalls gefragt. Die typischen Einsteigerkurse in der Anwendung von Computern sind hier ebenso zu finden, wie CNC Kurse oder Seminare zu Netzwerktechnik, Datensicherheit etc.

Einige berufliche Tätigkeiten sind streng geregelt und erfordern bestimmte Nachweise. So ist im Sicherheitsgewerbe die Sachkundeprüfung § 34a zu erbringen oder in der Alltagsbegleitung von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz ein erfolgreich abgelegtes Seminar nachzuweisen, dass sie zur Betreuung von dementen Menschen, kognitiv Leistungsschwachen oder psychisch Kranken befähigt. Auch solche Seminare fallen natürlich unter berufliche Weiterbildung.

Weit oben angesiedelt, sind Bildungsmaßnahmen, die einen beruflichen Abschluss beinhalten. Sie werden ganz besonders bezuschusst, weil sie den Fachkräftemangel natürlich auch abmildern. Gerade in der aktuellen Coronakrise nimmt die Arbeitsagentur hier richtig viel Geld in die Hand.

Firmen können Kurzarbeit für Qualifizierung der Mitarbeiter nutzen

Gerade die Kurzarbeit, in die viele Unternehmen akut treten mussten, bietet sich an, um Mitarbeitern berufliche Weiterbildungen zukommen zu lassen. Denn die Förderung ist hier besonders gut und die Zeit der Arbeitsausfälle kann sinnvoll genutzt werden.

Im Qualifizierungschancengesetz ist geregelt, wie Weiterbildung bezuschusst wird. Die Arbeitsagentur hat hier ebenfalls gute Informationsmaterialien bereitgestellt.

Wie hoch die Zuschüsse konkret sind, hängt von der Unternehmensgröße, aber auch den individuellen Voraussetzungen des zu schulenden Mitarbeiters ab. Im Idealfall ist eine komplette Kostenübernahme möglich. Genaue Auskünfte hierzu gibt der Arbeitgeberservice der Bundesagentur, der Unternehmen auch hilft, die geeigneten Maßnahmen und Bildungsträger zu finden.

Der Weiterbildungswille unter Arbeitnehmern ist hoch. Viele bezahlen privat angestrebte Bildungsabschlüsse oder nehmen Kredite hierfür auf. Fernakademien bieten Konzepte zur berufsbegleitenden Weiterbildung an, die auch zeitlich für Arbeitende perfekt passen.

Viele, die gern Schulungen machen würden, können es sich privat aber nicht leisten und möchten sich nicht verschulden. Hier kann der Arbeitgeber aktuell sehr viel bewegen, ohne dass er finanziell belastet wird. Zudem sind viele Kurse online möglich, so dass eine Arbeitsaufnahme nach der Kurzarbeit, ohne Probleme möglich ist.

Bildungsträger und Kurse finden

Motivierte Mitarbeiter, kennen den richtigen Kurs vielleicht sogar schon. Ein Gespräch kann hier Klärung bringen. Überhaupt ist es für Unternehmen von großem Vorteil, über die Personalentwicklungswünsche ihrer Mitarbeiter Bescheid zu wissen.

Fortbildungen im Stillen führen in der Regel auch zur Abwanderung. Der kann entgegengewirkt werden, wenn die Interessen der Arbeitnehmer mit denen des Unternehmens in Einklang gebracht werden. Gerade kleine Firmen haben keine große Personalabteilung, die Personalentwicklungspläne schreibt.

Hier übernehmen entweder Bildungsberater oder Business-Coaches die Bedarfsanalyse. Oft können regionale Bildungsträger eigene Berater stellen. Für die Berufsbilder zuständige Kammern kennen die regionale Bildungslandschaft recht genau und können helfen, geeignete Träger zu finden.

Engpassberufe werden besonders gefördert

Pflegenotstand, Erziehermangel und Systemrelevanz sind Vokabeln, die uns schon eine Weile begleiten, in der Coronakrise jedoch noch einmal eine besondere Bedeutung bekommen haben. So manche Tätigkeit, die wenig Würdigung fand, wurde endlich einmal in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Engpassberufe sind die Jobs, von denen es deutlich mehr offene Stellen als Bewerber gibt. Das Fehlen dieser Fachkräfte wirkt sich auf die Versorgung der Gesellschaft aus und beeinflusst die Inanspruchnahme von Grundrechten oder rechtlich zugesicherten Standards, wie den Kita-Platz. Die Reformierung verschiedener Berufe erleichtert bei einigen den Zugang, bei anderen schließt es aber auch viele aus, die bereit wären, hier eine Ausbildung zu absolvieren.

Die Erzieherausbilder ist seit einigen Jahren von der rein schulischen Ausbildung zur praxisintegrierten Ausbildung (PIA) umstrukturiert worden, was bedeutet, dass sich auch Interessenten ausbilden lassen können, die vorher wegen der fehlenden Ausbildungsvergütung und ggf. hohen Schulkosten, in andere Berufe ausgewichen sind.

Die Pflegeausbildung wiederum wurde dahingehend erneuert, dass Hauptschulabsolventen, die früher zumindest die ein- oder zweijährigen Ausbildungen absolviert haben, es deutlich schwerer haben, hier noch Fuß fassen zu können.

Fazit: Wer sich beruflich weiterbilden oder sogar verändern möchte, hat aktuell die besten Voraussetzungen dafür. Es gibt Bildungsangebote die in jedes Lebens- und Zeitmodell passen und die Förderbereitschaft von Bund und Ländern ist groß wie nie. Hinzu kommt, dass Globalisierung und Digitalisierung neue Strukturen und Arbeitsmodelle ermöglichen, die sich positiv auf die Work-Life-Balance auswirken.

Der Zwang die Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken hat gezeigt, dass ortsunabhängiges Arbeiten in vielen Bereichen möglich ist. Nicht jeder begrüßt die Arbeit in den eigenen vier Wänden, doch viele sehen entfallene Arbeitswege, die ja auch Lebenszeit beanspruchen, als deutliche Vorteile und können sich innerhalb der eigenen vier Wände gut selbst strukturieren und wiederum auch von der Arbeit abgrenzen.

Lernen war nie so wie wichtig wie aktuell. Allein die Anschaffung neuer Haushaltsgeräte im privaten Bereich zeigt, dass der Fortschritt uns beherrscht, wenn wir nicht lernen, ihn zu beherrschen. Mit einer passenden beruflichen Weiterbildung stehen die Chancen nach der Krise deutlich besser, auf der Karriereleiter einen Schritt nach oben zu machen oder gar ganz neue Wege einzuschlagen.

Denn wie im Qualifizierungschancengesetz geschrieben steht, werden Weiterbildungen, die in Berufsabschlüssen münden, ganz besonders gefördert.