"Druck": Warum die neue Youtube-Serie die wertvollste auf dem deutschen Markt ist

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Das öffentlich-rechtliche Fernsehen interessiert sich nicht für Jugendliche? Stimmt nicht. Die Serie "Druck" trifft den Kern der Zeit. Warum Druck vermutlich die wertvollste Serie auf dem deutschen Markt ist.

Die deutsche Serie "Druck" von Funk trifft den Kern von Jugendlichen. Alltagsprobleme wie Abitur, Belästigung und Freundschaft werden zum Thema gemacht.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen interessiert sich nicht für Jugendliche? Stimmt nicht. Die Serie "Druck" trifft den Kern der Zeit. Warum Druck auf Youtube vermutlich die wertvollste Serie auf dem deutschen Markt ist, erklärt Ruhr24-Redakteurin Anna Quasdorf.

  • Drogenkonsum und Homosexualität, aber auch Abistress und Freundschaft sind zentrale Themen.
  • Die Serie hat Millionen Klicks bei Youtube.
  • Sonntag (29. September) endete die Serie nach vier Staffeln.

Druck: Kiffer trifft auf Transgender, Feministin auf Macho

Dieser Artikel entspricht der Meinung des Autoren und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion entsprechen.

Alkohol, Beziehungen, Drogen und Schulstress. Das klingt wie eine typisch amerikanische Serie bei Netflix. Das ist es aber nicht, denn das ist "Druck". Das ist eine von Funk produzierte Serie, für mich eine der der derzeit besten Serien in Deutschland.

In Druck geht es um die Probleme von echten Jugendlichen. Kein Kapitän der Footballmannschaft verliebt sich in die schüchterne Cheerleaderin. Der schüchterne Kiffer Matteo verliebt sich in den transgender David. Die selbstbewusste Feministin Mia verliebt sich in den arroganten Neumacho Alex.

Aber wer jetzt denkt, Druck sei eine weitere dieser klassischen Serien für Jugendliche, der täuscht sich. Die Probleme der Jugendliche werden in einer realistischen Sprache dargestellt. Die eigene Schulzeit fühlt sich auf einmal wieder nah an. Druck erzählt aus dem Lebensgefühl heraus, nicht von oben herab.

Norwegischer Welterfolg diente als Vorlage

Die Serie ist die deutsche Adaption der norwegischen Sendung Skam. Ein europaweiter Erfolg, zahlreiche Länder strahlten die Serie schon aus.

"Ich glaube, dass man andockt an irgendetwas und wenn es nicht die Hauptfigur ist, dann ist es die Nebenfigur. Ich glaube, dass es doch auch ein bisschen Nostalgie und Sehnsucht ist: Hätte ich doch nur auch solche Freundinnen gehabt", erzählt Regisseurin Pola Beck.

Druck füllt eine Lücke von einer echten Serie, die im echten Leben spielt. Kein aufgespieltes Leben, wo Geld keine Rolle spielt. Feminismus, sexuelle Belästigung und Transsexualität sind wichtige Themen der Serie.

"Druck" hat Millionen Aufrufe auf Youtube

Ausgestrahlt wurden die Folgen jeden Freitag auf Youtube. Der Kanal "Druck - die Serie" hat mittlerweile 377.000 Abonnenten. Die dritte Staffel der Serie wurde innerhalb von einem Monat 50 Millionen Mal geklickt, täglich kommen rund 4000 neue Abonnenten hinzu.

Einzelne Sequenzen werden zur passenden Tageszeit veröffentlicht. Auch einen eigenen Account bei Instagram haben die Hauptdarsteller, bei WhatsApp kann man sich in die Kanäle einbetten und Diskussionen live mitverfolgen.

Was es jedoch kaum gab: Werbung. Die Sendung war auf einmal da, kaum jemand außerhalb der Zielgruppe hat davon etwas mitbekommen. Die Serie ist sogar für einen Grimme-Preis nominiert worden.

Das Ende von Druck nach vier Staffeln

Auf Probleme, die viele von uns als Jugendlicher durchmachen mussten, reagiert Druck. Mia wird betrunken auf einer Toilette sexuell belästigt, Alex leidet an Panikattacken nach dem Tod seiner Schwester.

Druck zeigt nicht nur, wie man am besten mit diesen Problemen umgeht und sich nicht unterkriegen lässt, auch in der Kommentarfunktion bei Youtube werden über sensible Themen gesprochen. Tausende User helfen sich gegenseitig.

Sonntag (29. September) endete die Serie Druck nach vier Staffeln mit einem Serienmarathon im ZDF-Neo. Ich bin gewiss kein Seriengucker, Druck habe ich allerdings innerhalb weniger Tage geschaut. Ich habe mit den Darstellern gelacht und geweint und bin vielleicht dabei noch ein Stück Erwachsener geworden.

Am Sonntag (27. Oktober) konnten User von Unitymedia kein Netflix schauen. Eine massive Störung legte das Internet lahm. Die User zeigten ihren Unmut in den Sozialen Medien.