Neues Konzept für Quarantäne

Christian Drosten ändert Strategie: Wie der Virologe eine zweite Coronawelle verhindern will

Lange war es ruhig um den Virologen Christian Drosten. Doch nun stellt er einen Plan vor, wie man eine zweite Welle des Coronavirus verhindern könnte.

  • Christian Drosten hat sich erneut zu der Ausbreitung des Coronavirus geäußert.
  • Er stellte eine Strategie vor, wie man einer zweiten Welle begegnen sollte. 
  • Eine Idee des Virologen ist, die Quarantäne auf fünf Tage zu verkürzen.
Berlin – Derzeit steigen vielerorts die Zahlen der Coronainfektionen wieder. Viele befürchten inzwischen, dass bereits eine zweite Welle im Anmarsch ist. Pünktlich dazu ist der bekannte Virologe Christian Drosten aus seiner Sommerpause zurück und hat sich in einem Gastbeitrag in der Wochenzeitung Die Zeit zur aktuellen Situation geäußert. 

Virologe:

Christian Drosten

Arbeitgeber:

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor an der Charité in Berlin

Geboren:

1972 (Alter 48 Jahre) in Lingen (Ems)

Vollständiger Name:

Christian Heinrich Maria Drosten

Forschungsschwerpunkte:

Neuauftretende Viren 

Christian Drosten: "Zweite Welle wird andere Dynamik haben"

Sollte es tatsächlich zu einer zweiten Welle mit dem Coronavirus kommen, geht der Virologe davon aus, dass diese mit einer ganz anderen Dynamik verläuft als der erste Schub im Frühjahr. Zu Beginn der Pandemie sei der Erreger vor allem von Reisenden nach Deutschland geschleppt worden. 

Inzwischen habe sich das Virus aber gleichmäßig verteilt. Neue Infektionsfälle können überall gleichzeitig auftreten und seien viel schwerer nachzuvollziehen. Würden solche Szenarien eintreten, wäre das laut Christian Drosten ein Fiasko für die Gesundheitsämter. 

Laut Christian Drosten sollte man sich auf Coronavirus-Cluster konzentrieren

Der Virologe empfiehlt daher in seinem Exklusivbeitrag in der Zeitung "Die Zeit", die Strategie, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, zu ändern. 

Beispielsweise sollten sich die Gesundheitsämter sich weniger auf die Quarantäneauflagen einzelner Personen, sondern viel mehr auf sogenannte Cluster konzentrieren. Damit meint der Viren-Forscher von der Berliner Charité Ereignisse, in deren Umfeld es gleichzeitig zu vielen Neuinfektionen kommt. Das war zuletzt bei einer Hochzeitsfeier im Kreis Kleve in NRW der Fall. 

Christian Drosten spricht in solchen Fällen auch von Superspreader-Events, bei denen einzelne mit Covid-19 erkrankte Personen viele andere anstecken. Inzwischen wisse man, dass diese Cluster eine erhebliche Rolle bei der Ausbreitung des Coronavirus ausmachen und die Pandemie antreiben. 

Christian Drosten über das Coronavirus: Fokus auf Superspreader-Events

Kommt es bei einem Superspreader-Event zu einer Corona-Infektion, müssten alle Menschen, die daran teilgenommen haben, einige Tage isoliert und in Quarantäne geschickt werden, empfiehlt der Virologe. Denn viele könnten hochinfektiös sein, ohne es zu wissen. 

Jeden einzelnen zu testen sei zu aufwändig, dafür fehle die Zeit bei den zuständigen Institutionen. Die Idee von Christian Drosten kommt nicht von ungefähr. Er bezieht sich bei seiner Strategie auf Japan: "Statt viel und ungezielt zu testen, hat Japan früh darauf gesetzt, Übertragungscluster zu unterbinden."

Laut Christian Drosten wären die Gesundheitsämter personell zu schlecht für eine zweite Welle aufgestellt. 

Dank dieser Herangehensweise, hatte Japan bereits einen ersten Lockdown verhindern können. Übernehme man in Deutschland diese Strategie, könne man eventuell eine zweite Welle und einen möglichen Lockdown im Herbst verhindern, so der Wissenschaftler (alle Infos über das Coronavirus in NRW im Live-Ticker auf RUHR24.de).

Coronavirus: Christian Drostens Strategie für den Herbst

Damit eine Reihe von Quarantäne-Auflagen für Infektionscluster nicht zu einem ungezielten Lockdown führe, hat Christian Drosten folgenden Vorschlag: Cluster-Mitglieder, die möglicherweise infiziert sein könnten, müssten nur fünf Tage isoliert werden. Das sei ausreichend.

Erst nach den fünf Tagen sollten die Betroffenen dann getestet werden – allerdings nicht auf die Infektion, sondern auf Infektiosität. Bei diesem Test kann die Viruslast bestimmt werden und damit auch, ob ein Patient noch ansteckend ist. Fachärzte sollen dann entscheiden, ob derjenige nach der sogenannten "Abklingzeit" entlassen werden kann. 

Laut Christian Drosten besteht Restrisiko für eine Corona-Infektion

Allerdings warnt der Virologe auch davor, dass weiterhin ein Restrisiko bestehen bleibe. "Alle Beteiligten müssen akzeptieren, dass man in Krisenzeiten nicht jede Infektion verhindern kann", so Christian Drosten.

Und weiter: "Wir müssen also den Gesundheitsämtern in schweren Zeiten erlauben, über das Restrisiko hinwegzusehen." Um eine zweite Welle zu verhindern, erfordere es aber nicht nur eine Änderung in der Arbeitsweise des Gesundheitsamtes, sondern auch das Mitdenken der gesamten Bevölkerung, der Arbeitgeber und der Politik.

Christian Drosten fordert wegen des Coronavirus ein Kontakt-Tagebuch

Für die Bevölkerung empfiehlt der Virologe daher ein Kontakt-Tagebuch zu führen. So könne jeder einzelne das Gesundheitsamt unterstützen, da durch das Buch besser nachzuvollziehen sei, ob der Superspreader die Sportmannschaft, die Feiernden auf der Hochzeit oder die Kollegen im Großraumbüro angesteckt habe. Für derartige Cluster könnte dann eine Quarantäne verhängt werden.

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