Jedes Jahr mehr

Zigaretten-Schock: Höhere Kosten für Raucher – vor allem ein Produkt wird teurer

Zigarettenstummel
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Rauchen wird in den nächsten Jahren um einiges teurer.

Die Tabaksteuer in Deutschland wird reformiert. Schon im Juni soll das neue Gesetz beschlossen werden. Was würde das für den Verbraucher bedeuten?

Dortmund – Rauchen gilt ohnehin schon als teures Vergnügen. In den kommenden Jahren sollen die Preise aber noch weiter steigen. Laut Vorschlag des Bundesfinanzministeriums sollen alle Tabakwaren höher besteuert werden. Die Tabaksteuer soll bis 2026 stufenweise erhöht werden. Doch etwas ist neu.

BundesbehördeBundesministerium der Finanzen
SitzBerlin
Behördenleitung Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen

Tabaksteuer in Deutschland: Zigaretten sollen jedes Jahr teurer werden

Wie das ZDF berichtet, kam es zuletzt 2015 zu einer Erhöhung der Tabaksteuer. Jetzt soll mehrere Jahre in Folge an der Steuerschraube gedreht werden. Für Verbraucher kann das im Zeitraum von 2022 bis 2026 eine Erhöhung von etwa 8 Cent mehr pro Packung Zigaretten bedeuten. Das Steuerplus liegt damit bei circa 2,5 Prozent.

Das sei viel zu wenig, meinen Reformkritiker wie Monika Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) – mindestens zehn Prozent seien stattdessen nötig. Dass soll Raucher zum Aufhören motivieren oder verhindern, dass junge Leute erst anfangen zu rauchen. Etwa jeder vierte Erwachsene greift in Deutschland noch regelmäßig zur Kippe. Und das, obwohl sie für die Umwelt und die eigene Gesundheit eine echte Belastung ist.

Bereits am Montag (17. Mai) kam es wegen der Tabaksteuererhöhung zu einer Expertenanhörung im Finanzausschuss des Bundestages. Im Juni soll das Gesetzesvorhaben zu Steuererhöhung abgeschlossen sein.

Auch E-Zigaretten: Tabaksteuer in Deutschland wird für Kunden teuer

In erster Linie betrifft die Erhöhung der Tabaksteuer die Tabak-Unternehmen, die die Produkte verkaufen, wie auch merkur.de* berichtet. Diese geben die Kosten aber für gewöhnlich an die Kunden weiter. Wie viel Verbraucher konkret jedes Jahr mehr zahlen, ist deshalb bisher noch unklar. Laut ZDF kosten Markenzigaretten aktuell etwa sieben Euro pro Packung. Eine Erhöhung könnte auf 10 Cent aufgerundet werden, um krumme Beiträge zu vermeiden.

Aber nicht nur Tabak und die klassische Zigarette soll höher besteuert werden. Auch bei E-Zigaretten und sogenannten „Heat-not-burn“-Produkten sollen deutlich höhere Steuern anfallen. Hier soll sogar eine Sondersteuer erhoben werden, um die Produkte auf gleicher Höhe zu besteuern, wie Tabakzigaretten. Laut Berechnung des Tabakkonzerns Philip Morris erhöht sich die Steuerlast so um fast das Vierfache.

E-Zigaretten sollen zukünftig höher besteuert werden.

Tabaksteuer wird auch für weitere Produkte erhöht

Bisher fiel für E-Zigaretten nur die gängige Mehrwertsteuer (Mwst.) an. Für sie soll ein eigener Steuertarif für nikotinhaltige Substanzen eingeführt werden. Nach Berechnung des Bündnisses für tabakfreien Genuss würde sich der Preis einer E-Zigarette und den zugehörigen „Heat-not-burn“-Artikeln bis 2025 auf bis zu 57 Cent mehr erhöhen. Diese Rechnung beziehe sich allerdings auf eine hohe Dosis Nikotin.

Wenn eine Portion, auch Shot genannt, weniger Nikotin enthält, fällt auch die Steuererhöhung, die an den Kunden weitergegeben wird, niedriger aus.

Für die Branche könnte die Steuererhöhung nicht alarmierender sein. Denn E-Zigaretten und die bisher noch seltenen Tabakerhitzer werden eigentlich als wirtschaftliche Zukunft der Tabakbranche gehandelt. Große Marken wollen sich umorientieren und mit dem Zubehör ein zweites Standbein aufbauen, wie auch das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. Philip Morris setzt etwa auf den Tabakerhitzer „Iqos“ und British American Tobacco auf „glo“.

Tabak-Konzerte von Steuererhöhung enttäuscht: Für Entwicklung gingen Milliarden drauf

Der Konzern Philipp Morris alleine habe schon 8,1 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Tabakerhitzer investiert. Die „Heat not burn“-Produkte sollen 90 bis 95 Prozent weniger schädliche Stoffe als klassische Zigaretten in die Luft ablassen. Um die Gesundheitsgefahr der noch neuen Produkte abschätzen zu können, fehlen aber noch Langzeitstudien.

Die drastische Erhöhung der Tabaksteuer in Deutschland würde sich nun anfühlen, wie eine Bestrafung für die Bemühungen. Der Gesetzesentwurf würde altbekannte Verbrennungsprodukte „bevorteilen“, heißt es von Philip Morris.

Video: Pläne von Union und SPD: Darum könnten Zigaretten bald teurer werden

Tabaksteuer-Erhöhung: Schwarzmarkt ist potenzielle Gefahr

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE), Jan Mücke, sieht in der Steuererhöhung für E-Zigaretten ein anderes Problem. Eine hohe Steuer wäre „eine Einladung an Schwarzhändler, in diesen Markt einzusteigen“.

Bisher spielen illegal verkaufte Produkte bei E-Zigaretten und Tabakerhitzern kaum eine Rolle. Das könnte sich durch einen starken Preisanstieg aber ändern, moniert der Branchenvertreter. *merkur.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.