Moderiese verlangt Gebühren

Zalando ändert Bestellungen: Kostenloser Versand nur noch unter einer Bedingung

Zalando führt einen Mindestbestellwert für den kostenlosen Versand ein. Der Konzern begründet den Schritt mit dem veränderten Kaufverhalten.

NRW – Wer gerne Schuhe, Mode und Kosmetik über Zalando bestellt, muss sich auf eine wichtige Neuerung einstellen. Anders als in anderen Ländern konnte man in Deutschland bisher auch kleinere Bestellungen kostenlos geliefert bekommen oder zur Retoure zurücksenden – doch Zalando plant diesbezüglich eine einschneidende Veränderung.

ZalandoBörsennotierter deutscher Online-Versandhändler
ProduktpaletteSchuhe, Mode, Kosmetik
Gründung2008
HauptsitzBerlin

Zalando: Versand von Modeware in Deutschland bisher kostenlos

Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) war die Zalando-Lieferung für Online-Shopper unabhängig von der Bestellmenge bisher immer kostenlos. Doch nun verlangt der größte Mode-Versandhandel in Europa Versandkosten für kleinere Bestellungen.

Wer nun bei Zalando Ware unter dem Mindestbestellwert von 24,90 Euro einkauft, muss zusätzlich Versandkosten in Höhe von 4,90 Euro bezahlen. Liegt der Wert des Einkaufs darüber, bleibt der Versand weiterhin kostenlos. Die Regelung gelte laut dem RND aber nicht für Zalando-Plus-Mitglieder, für sie bleibe jede Lieferung kostenlos.

Zalando ist nicht der einzige Online-Gigant Änderungen in Gang setzt. Die ganze Digital-Branche scheint im Umbruch. Ein anderer Einzelhändler hat sogar beschlossen, seine Filialen gänzlich aufzugeben und sich nur noch auf den Online-Handel zu fokussieren.

Zalando: Mindestbestellwert für kostenlosen Versand liegt bei 24,90 Euro

Retouren seien allerdings weiter innerhalb von 100 Tagen kostenlos, sofern Bestellungen vollständig zurückgehen und der Kaufbetrag unter 24,90 Euro lag. In diesem Fall werde die gezahlte Liefergebühr erstattet, erklärt das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Die Einführung eines Mindestbestellwerts von 24,90 Euro, der bei anderen Branchengrößen wie H&M in unterschiedlicher Höhe längst eingeführt wurde, hinge laut Zalando mit dem veränderten Kaufverhalten der Kunden zusammen. Immer häufiger werde laut dem RND via Smartphone online eingekauft.

Zalando: Einführung des Mindestbestellwerts wegen verändertem Kaufverhalten

Das führe dazu, dass „sie vermehrt kleinere, niedrigpreisige Einkäufe“ tätigten, „statt Artikel in ihren Warenkörben zu sammeln und dann zu einem späteren Zeitpunkt zu bestellen“, erklärt eine Zalando-Sprecherin dem RND. Der Trend zum Einkauf über das Smartphone ist tatsächlich unverkennbar.

Im Jahr 2021 hat sich das Smartphone laut dem Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche bitcom e.V. „zum beliebtesten Shopping-Gerät“ entwickelt. Mittlerweile griffen demnach 6 von 10 Personen (60 %) beim Online-Shopping zum Handy.

Zalando: Moderiese will gebündelte Einkäufe statt kleinteiliger Bestellungen

Viele kleine und dazu auch noch, wie in der Vergangenheit, kostenlose Lieferungen will Zalando allem Anschein nach aber für seine Kunden mit der Einführung des Mindestbestellwerts weniger verlockend gestalten. Stattdessen wolle man die Kundschaft dazu bringen, größere, gebündelte Einkäufe zu tätigen.

Ziel des Moderiesen sei es, die Kunden dafür zu sensibilisieren, „möglichst nicht kleinteilig zu bestellen und Kaufvorhaben bestmöglich zu bündeln“, erklärt ein Sprecher des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (BEVH) dem RND. Dadurch würden Versandverkehre reduziert (mehr Digital-News bei RUHR24).

Zalando: Verlust von knapp 52 Millionen Euro im ersten Quartal 2022

Seiner Ansicht nach sei die „überwiegende Mehrheit“ von der Einführung des Mindestbestellwerts bei Zalando ohnehin nicht betroffen. Schließlich überstiegen die meisten Warenkörbe am Ende einer Shoppingtour den Grenzwert von 24,90 Euro.

Die Einführung des Mindestbestellwerts deutet das RND als einen Versuch, der abnehmenden Kauflust und der abgerutschten Zalando-Aktie entgegenzutreten. Der Konzern habe laut dem Handelsblatt zwischen Januar und März 2022 einen bereinigten Betriebsverlust von knapp 52 Millionen Euro verzeichnen müssen.

Es handele sich sogar um den ersten Umsatzrückgang seit der Gründung des Unternehmens. In Zeiten von Corona-Lockerungen und wegfallender Maskenpflicht, in denen die Kundschaft bei schönem Wetter wieder verstärkt die Innenstädte aufsuche, bekäme der Online-Handel zudem wieder stärkere Konkurrenz.

Zalando hat eine Neuerung eingeführt, wodurch die Zahl kleinteiliger Einkäufe minimiert werden soll.

Zalando: Versandkostenfreier Mindestbestellwert in anderen Ländern längst etabliert

Die Einführung des Versandkosten-Portos bei kleineren Einkäufen ist in anderen Ländern wie Frankreich bereits gang und gäbe. Durch die Einführung des Mindestbestellwerts sei dort „sowohl die durchschnittliche Warenkorbgröße als auch der Gewinnbeitrag“ gestiegen, erklärte eine Unternehmenssprecherin gegenüber dem RND.

Dort sei also der mit dem Mindestbestellwert gewünschte Effekt eingetreten, den sich der Konzern nun auch hierzulande erhofft. Deutschland ist somit eines der 25 Länder, in denen Zalando aktiv ist und wo der Mindestbestellwert für den kostenlosen Versand eingeführt wurde.

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