Sogar Zucker nachgewiesen

Kinder-Zahnpasta bei Öko-Test: Beliebte Marken fallen durch

In seiner aktuellen Ausgabe hat Öko-Test Kinder-Zahnpasta auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis: Viele sind „sehr gut“ – andere fallen wegen Schadstoffen durch.

Frankfurt – Wie gut sind Kinder-Zahncremes für Kinder unter sechs Jahren? Dieser Frage ist das Verbrauchermagazin Öko-Test in seiner aktuellen Ausgabe nachgegangen. Viele Marken können im Test überzeugen. Einige Produkte haben aber problematische Inhaltsstoffe. Gerade in Zahncremes für die Kleinsten haben solche Substanzen nichts zu suchen (mehr Testberichte auf RUHR24.de)

Öko-TestVerbrauchermagazin
verkaufte Auflage112.783 Exemplare
ChefredakteurHans Oppermann

Öko-Test prüft Kinder-Zahnpasta – so wurde getestet

Für ihren Kinderzahncreme-Test haben die Prüfer von Öko-Test insgesamt 35 Zahncremes für Kinder oder Babys gekauft. Drei davon mit Fingerling zum einfacheren Zähneputzen durch die Eltern.

Die Produkte stammen aus Drogerien und Supermärkten. Auch zertifizierte Naturkosmetik ist darunter. Sämtliche Zahncremes wurden in Laboren auf Problemstoffe untersucht.

Kinderpasta: Zahlreiche Produkte im Öko-Test „sehr gut“

Die gute Nachricht vorab: Mehr als zwei Drittel der getesteten Zahncremes sind laut Öko-Test empfehlenswert. Insgesamt erhalten 15 (!) Produkte die Note „sehr gut“ und weitere zehn Zahncremes die Note „gut“.

Allerdings bemängeln die Tester bei sechs Produkten die Inhaltsstoffe. Für Eltern sei die Auswahl einer geeigneten Zahncreme daher nicht einfach, so die Prüfer.

Öko-Test testet Kinderzahncremes: Problemstoffe und Zucker nachgewiesen

Vier Zahncremes enthielten Polyethylenglykole (PEG), eine Substanz, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen kann. Zwei weitere Produkte weisen Natriumlaurylsulfat auf. Dieser Stoff kann die Schleimhäute reizen.

Eine andere Erkenntnis aus dem Test klingt zunächst total verrückt: Ein Produkt enthält tatsächlich Zucker – ein weiteres Maltodextrin. Jedes Kind lernt bereits, dass Kariesbakterien Zucker gerne abbauen. Zwar wird er in den Zahncremes nur als Trägerstoff eingesetzt – laut dem Verbrauchermagazin ist er aber auch in geringen Mengen als Inhaltsstoff „völlig ungeeignet“.

Öko-Test: Flüssiges Plastik in Kinderzahncremes besonders problematisch

Tatsächlich erreichen die zuckerhaltigen Zahncremes – aufgrund der geringen Menge – im Test sogar noch die Note „gut“. Die drei großen Test-Verlierer enthalten neben weiteren Problemstoffen eine andere bedenkliche Substanz: ein synthetisches Polymer namens Carbomer.

Dieses flüssige Plastik kann laut Öko-Test über das Abwasser in die Umwelt gelangen. Wie genau es sich dort verhalte, sei noch nicht erforscht, so die Prüfer.

Fluorid in Kinder-Zahncremes: ausführlicher Hinweis ist entscheidend für Eltern

Bei zweien der Testverlierer stellen die Prüfer darüber hinaus noch ein weiteres Problem fest: Auf diesen fluoridhaltigen Zahncremes fehlt der Hinweis, dass bei zusätzlicher Fluorid-Aufnahme ärztlicher Rat einzuholen ist.

Denn die gleichzeitige Verwendung von Fluoridtabletten und einer fluoridhaltigen Zahncreme kann zu Fluorose führen. Diese Krankheit äußert sich durch weiße Flecken auf den Zähnen und kann diese angreifen. Eltern sollten ihren Kleinkindern daher entweder die vom Kinderarzt verschriebenen Fluoridtabletten oder eine fluoridhaltige Zahncreme verwenden – nicht beides parallel.

Problemstoffe und fehlende Hinweise: Diese drei Produkte fallen im Test durch

Besonders erschreckend ist, dass ausgerechnet drei Klassiker im Test durchrasseln, deren Markenname für viele Eltern einen Vertrauensbonus hat:

  • Produkt: Blend-A-Med Blendi Gel Erdbeergeschmack; bedenkliche Inhaltsstoffe: PEG/PEG-Derivate; Note: „mangelhaft“
  • Produkt: Oral-B Baby Zuckerfrei Fluorid Zahncreme; bedenkliche Inhaltsstoffe: PEG/PEG-Derivate, Natriumlaurylsulfat; Note: „ungenügend“
  • Produkt: Oral-B Kids Zuckerfrei Fluorid Zahncreme Frozen II; bedenkliche Inhaltsstoffe: PEG/PEG-Derivate, Natriumlaurylsulfat; Note: „ungenügend“
  • Alle Verlierer und Gewinner im Test gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Fazit: Inhaltsstoffe und Fluoridgehalt – beim Kauf von Kinderzahnpasten gibt es einiges zu beachten

Insgesamt kommen die Tester damit zu dem Ergebnis, dass es zwar viele gute und sogar sehr gute Zahncremes für Kinder und Babys gibt, diese aber für Eltern nicht einfach erkennbar sind. Im Endeffekt käme man nicht drumherum, sich die Inhaltsstoffe vor dem Kauf genau anzusehen.

Auch die Menge des enthaltenen Fluorids sollten Eltern beim Kauf beachten. Die Empfehlungen zu Kinderzahnpasten mit Fluorid findet man bei der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin. Hier können Eltern genau nachlesen, wie diese Kinderzahnpasten am besten zu dosieren sind.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa; Öko-Test; Collage: RUHR24

Mehr zum Thema