Gasrechnung noch höher

Gasumlage kommt nicht – dafür drei weitere Umlagen ab 1. Oktober

Ab 1. Oktober müssen Gaskunden in Deutschland nicht nur die Gasumlage bezahlen, sondern noch drei weitere. Welche Mehrkosten dadurch auf Verbraucher zukommen.

Update, Donnerstag (29. September), 14.52 Uhr: Dortmund – Die Gasumlage wurde gekippt. Stattdessen soll nun die Gaspreisbremse kommen. Was das im Detail heißt, ist aktuell noch unklar. Dafür wurde eine Gaspreiskommission ins Leben gerufen, die in den kommenden Tagen Maßnahmen ausarbeiten und vorlegen soll. In einer Pressekonferenz am Donnerstag, wo Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) über das Aus der Gasumlage informiert hatten, hatten sich aber nicht zu den anderen drei Umlagen geäußert.

Aktuelle SituationEnergiekrise ausgelöst durch den den russischen Angriffskrieg in der Ukraine
Folgen für Gaskunden Höhere Kosten durch die Gasumlage, die Gasspeicher­umlage, die Bilanzierungs­umlage und die Konvertierungs­umlage
Maßnahmen der BundesregierungU.a. Senkung der Mehrwertsteuer für Gas auf 7 Prozent

Gasumlage ab 1. Oktober – doch drei weitere Umlagen kommen auf Verbraucher zu

Erstmeldung, Montag (26. September), 13.55 Uhr: Gaskunden werden nicht schlecht staunen, wenn sie in diesen Tagen einen Brief von ihrem Strom- und Gasanbieter bekommen. Denn in vielen Fällen wird auf der kommenden Abschlagszahlung nicht nur die Gasumlage als Kostenpunkt auftauchen, sondern noch drei weitere: die Gasspeicher­umlage, die Bilanzierungs­umlage und die Konvertierungs­umlage. RUHR24 erklärt, was es damit auf sich hat und wie hoch sie sind.

Auch wenn die Gasbeschaffungsumlage – die im Volksmund nur Gasumlage genannt wird – aufgrund des Uniper-Kaufs zu kippen droht, wird die Gasrechnung 2022/2023 für Verbraucher deutlich höher ausfallen.

Neben ohnehin schon steigenden Gaspreisen pro Kilowattstunde, machen ab 1. Oktober noch drei weitere Umlagen den Verbrauchern zu schaffen. Nicht alle Umlagen sind – wie die Gasumlage – gänzlich neu, doch im Gegensatz dazu, sind sie den deutschen Haushalten wohl weit weniger bekannt.

Die gute Nachricht: Während die Gasumlage in Höhe von 2,419 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf der Abrechnung deutlich spürbar sein wird, fallen die anderen drei Umlagen deutlich niedriger aus. Die Auswirkungen auf die Abschlagszahlung werden sich folglich in Grenzen halten.

Nicht nur die Gasumlage kommt – drei weitere Umlagen erhöhen die Gasrechnung

Wie auch bei der Gasumlage ist Hintergrund der Gasspeicher-, der Bilanzierungs- und der Konvertierungs­umlage die durch den Ukraine-Konflikt ausgelöste Energiekrise. Da Russland als Reaktion auf deutsche Sanktionen Gaslieferungen gedrosselt und inzwischen sogar ganz eingestellt hat, wächst in Deutschland die Sorge vor einem Gasmangel – auch weil wichtige Gasversorger wie zum Beispiel Uniper dadurch in eine finanziell extreme Schieflage geraten sind.

Um die Krise abzufedern und Gasimporteure staatlich unterstützen zu können, wurde von der Bundesregierung die Gasumlage zum 1. Oktober ins Leben gerufen. Sie macht mit 2,419 Cent den höchsten Posten an Zusatzkosten auf der Gasrechnung aus. Weiterhin wurde jedoch auch noch die Gasspeicherumlage beschlossen. Sie soll 0,059 Cent pro Kilowattstunde kosten.

Nicht nur die Gasumlage: Das bedeutet die Gasspeicherumlage in Höhe von 0,059 Cent

Hintergrund der Gasspeicherumlage ist laut Focus, dass erstmalig in Deutschland konkrete Vorgaben zum Füllstand der Gasspeicher vorliegen. Die Kosten für die Gasspeicherung sollen mittels der Umlage ebenfalls von den Verbrauchern mitgetragen werden.

Erhoben wird die Umlage von Trading Hub Europe (THE), der Marktverantwortliche in Deutschland, der berechtigt ist, Gas bei Bedarf einzukaufen und einzuspeichern. Um die Füllstandsvorgaben der Gasspeicher zu gewährleisten, muss THE Maßnahmen ergreifen. Aufgrund der Energiekrise sind diese Maßnahmen derzeit teurer – die Gasspeicherumlage soll die Mehrkosten auffangen.

Geplant ist, dass die dafür anfallenden Kosten bis zum 01.04.2025 über die Gasspeicherumlage finanziert werden sollen. Ob sie auch solange an die Verbraucher weitergegeben wird, ist bislang unklar. Alle drei Monate soll die Lage neu bewertet werden.

Focus hat exemplarisch ausgerechnet, dass ein Haushalt bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden aufgrund der Gasspeicherumlage mit Mehrkosten von 11,80 Euro rechnen muss. Allerdings bezieht sich die Beispielrechnung auf einen 4-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus. 2-Personen-Haushalte oder Alleinlebende in einer Wohnung verbrauchen weniger Energie. Laut dem Gasversorger Gasag liegt der durchschnittliche Gasverbrauch im Haushalt bei 140 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche.

Gas- und Gasspeicherumlage sind neu – aber was bedeutet die Bilanzierungsumlage?

Die dritte Umlage, die ab 1. Oktober auf Verbraucher zukommt, ist die Bilanzierungsumlage. Sie soll voraussichtlich 0,57 Cent pro Kilowattstunde betragen. Auch sie soll dazu dienen, die Kosten, die dem Gasnetzbetreiber THE entstehen, auszugleichen. Die Umlage wurde bereits 2021 beschlossen und betrug bislang jedoch 0 Cent pro KWh – die Verbraucher haben die Umlage somit noch nicht zu spüren bekommen.

Nicht nur die Gasumlage treibt die Rechnung in die Höhe - noch drei weitere Umlagen kommen.

„Wenn mehr Gas verbraucht wird, als eingeplant war, muss THE den zusätzlichen Bedarf kurzfristig beschaffen“, erklärt Thomas Pietsch, Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg gegenüber T-Online. Diese Zusatzeinkäufe sind derzeit aufgrund der Energiekrise teurer als sonst.

Laut WDR kommen auf einen Haushalt mit ebenfalls einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh aufgrund der Bilanzierungsumlage Mehrkosten in Höhe von etwa 115 Euro zu. Die Bilanzierungsumlage wird alle 12 Monate neu berechnet – sie wird den Verbrauchern im Gegensatz zur Gasbeschaffungs- und Gasspeicherumlage folglich noch eine Weile erhalten bleiben (mehr Service-News bei RUHR24 lesen).

Gasrechnung enthält Konvertierungsumlage in Höhe von 0,038 Cent pro kWh – was ist das?

Auch die vierte Umlage, die Konvertierungsumlage, ist keine neu beschlossene Umlage. Aber ebenso wie die Bilanzierungsumlage bedeutete sie bislang keine Mehrkosten für die Verbraucher. Im Zuge der aktuellen Situation wurde sie allerdings ebenfalls neu berechnet und soll nun in Höhe von 0,038 Cent pro Kilowattstunde an die Bürger und Bürgerinnen weitergegeben werden.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) erklärt, wird die Konvertierungslage erhoben, um Gas chemisch umzuwandeln. In Deutschland gibt es L- und H-Gas. Ein Gasnetz kann stets nur eine Sorte Gas transportieren. Hat eine Region nun jedoch nur eine Gassorte eingespeichert und die Vorräte neigen sich dem Ende zu, muss das mit der anderen Sorte ausgeglichen werden. Zuvor muss sie allerdings in einem chemisch, komplexen Prozess umgewandelt werden, so Pietsch.

Gasrechnung wird saftig teuer – Mehrkosten über 700 Euro drohen pro Gaskunde

Die Konvertierungsumlage macht mit 0,038 Cent pro kWh den niedrigsten Posten auf der Abschlagszahlung aus. Dennoch kann die Umlage bei dem exemplarischen Verbrauch von 20.000 kWh Mehrkosten von rund 7 Euro im Jahr bedeuten.

Alle vier Umlagen zusammen ergeben für Gaskunden somit zusätzliche Kosten in Höhe von 3,086 Cent pro Kilowattstunde. Bei 20.000 kWh können das für einen deutschen Haushalt im Durchschnitt bis zu 760 Euro pro Jahr bedeuten. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer – die Steuer auf Gasverbrauch wurde allerdings von bisher 19 auf 7 Prozent gesenkt, wie Olaf Scholz Ende August 2022 verkündete.

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