Reform der Bundesregierung

Wohngeld-Erhöhung kommt 2023: Deutlich mehr Menschen haben Anspruch

Stark gestiegene Energiekosten machen vielen Menschen aktuell zu schaffen. Das neue Wohngeld-Plus-Gesetz soll jetzt mehr Bürger bei Wohn- und Heizkosten entlasten.

Deutschland – Aus seiner Corona-Quarantäne heraus twitterte Bundeskanzler Olaf Scholz am Mittwoch (28. September), dass das Kabinett die Wohngeldreform beschlossen habe. Mit der Neuregelung sollen deutlich mehr Haushalte einen Anspruch auf den Zuschuss erhalten. Zugleich soll auch die Höhe der monatlichen Zahlungen steigen.

Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB)Oberste Bundesbehörde
BehördenleitungKlara Geywitz (SPD)
SitzBerlin

Wohngeldreform 2022 – rund 2 Millionen Haushalte profitieren

Das neue Wohngeld ist Teil des dritten Entlastungspaketes vom 4. September. Die Änderung soll ab dem 1. Januar 2023 gelten. Damit werden 1,4 Millionen Haushalte erstmalig einen Wohngeldanspruch bekommen.

Bislang sind nach Angaben der Bundesregierung lediglich 600.000 Haushalte berechtigt. Insgesamt würden ab Januar also rund 2 Millionen Haushalte vom Wohngeld profitieren. Bundestag und Bundesrat müssen den Plänen allerdings noch zustimmen.

Mehr Wohngeld: Höhe der monatlichen Leistungen steigt um das Doppelte

Wie die Bundesregierung erklärt, soll sich mit der Reform auch der monatliche Wohngeldbetrag ab 2023 verdoppeln. Durchschnittlich wird er künftig um 190 Euro steigen und dann bei 370 Euro liegen – statt der bisherigen 180 Euro.

Darüber hinaus soll es eine dauerhafte Heizkosten- sowie eine Klimakomponente geben. Beide sind als Pauschalen konzipiert.

Mehr Wohngeld – diese Haushalte haben Anspruch

Beim Wohngeld handelt es sich um einen staatlichen Zuschuss für Haushalte mit geringen Einkommen, die ihre Wohnkosten nur schwer bewältigen können. Wichtig zu wissen: Anspruch haben dabei nicht nur Menschen, die zur Miete wohnen.

Auch wer ein Haus oder ein Eigenheim besitzt, kann berechtigt sein. Ausgenommen sind hingegen grundsätzlich Empfänger von Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Bafög, bei den Unterkunftskosten bereits berücksichtigt sind (alle Service-News bei RUHR24).

Wohngeldreform – ab Januar sind deutlich mehr Menschen berechtigt

Laut dem Bundesbauministerium werden die Einkommensgrenzen des Wohngeldes durch die Reform deutlich angehoben. Ab Januar sollen damit auch viele Haushalte berechtigt sein, deren Einkommen bislang zu hoch war. Laut Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) sollen beispielsweise auch Bezieher von Mindestlohn Wohngeld erhalten.

Ob man anspruchsberechtigt ist oder nicht, lässt sich allerdings nicht einfach vom Einkommen ableiten. Vielmehr sind die folgenden Faktoren ausschlaggebend:

  • die Anzahl der Personen, die in einem Haushalt leben
  • die Höhe der Einkommen
  • die Höhe der Miete bzw. im Falle von Eigentum Höhe der Belastungen (z. B. Zinsen, Tilgungen)

Wohngeld beantragen: Viele wissen gar nicht, dass sie Anspruch auf Wohngeld haben

Das Bundesbauministerium empfiehlt Familien und Rentnern, künftig neu zu prüfen, ob sie anspruchsberechtigt sind. Denn viele Haushalte wüssten gar nicht, dass sie Wohngeld beantragen können. Als Tool stellt das Ministerium dazu einen Wohngeldrechner zur Verfügung.

Mehr Wohngeld für mehr Menschen: Das Kabinett beschließt die Wohngeldreform. (Symbolfoto)

Für den Antrag selbst sind allerdings die Kommunen – bzw. das jeweilige Wohngeldamt – zuständig. In NRW können Anträge auch online über den Wohngeldrechner NRW gestellt werden. Dabei zu beachten: Aktuell (Donnerstag, 29. September) sind beide der genannten Rechner noch auf dem Rechtsstand von Januar 2022.

Ein Wohngeldrechner, der die neue Reform berücksichtigt, steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Das „Wohngeld Plus“ kann laut dem Ministerium erst ab dem 1. Januar 2023 beantragt werden.

Staatlicher Zuschuss: Wohngeldberechtigte erhalten 2022 Überbrückungsgeld

Haushalte, die jetzt bereits wohngeldberechtigt sind und zwischen September 2022 und Dezember 2022 mindestens einen Monat Wohngeld bezogen haben, erhalten als Überbrückung aber einen Heizkostenzuschuss: Alleinstehende erhalten einmalig 415 Euro und Paare 540 Euro. Für jeden weiteren Mitbewohner werden weitere 100 Euro ausgezahlt.

Auch Studierende, die Bafög beziehen, sowie Azubis profitieren von dem Heizkostenzuschlag: Sie erhalten einmalig jeweils 345 Euro. Der Betrag wird automatisch ausgezahlt. Ein Antrag muss nicht gestellt werden.

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