Gibt es 2020 weiße Weihnachten?

Winter-Wetter 2020 in Deutschland: Erste Prognose macht Experten aus NRW sauer

Kaum färben sich die Blätter im Herbst bunt, gibt es erste Fragen zum Winter in Deutschland. Ein Wetter-Experte ist entsetzt über erste Prognosen.

Nordrhein-Westfalen – Die beinahe hochsommerlichen Temperaturen mitten im September weckten eher Strand-Feeling statt herbstliche Kuschellaune. An den kommenden Winter will man da doch gar nicht denken. Oder etwa doch?

Wetterkanal:Kachelmann GmbH
Geschäftsführer:Jörg Kachelmann
Sitz:Sattel in der Schweiz

Winter-Wetter 2020: Gibt es weiße Weihnachten?

In weniger als 100 Tagen ist schon wieder Weihnachten. In den Supermärkten liegen bereits erste Lebkuchen in den Regalen. Kein Wunder also, dass man da anfängt zu spekulieren, ob wir uns 2020 auf weiße Weihnachten freuen dürfen. 

Und was sagen die Wetter-Experten dazu? Einige Meteorologen wagen schon eine erste Prognose für den Winter und machen Angaben für den vorherrschenden Wettertrend in der kalten Jahreszeit. 

Experte über Winter 2020: Wetter-Ereignis entscheidend

Wetter-Profi Fabian Ruhnau aus Bochum hält von den frühzeitigen Wettervorhersagen für den Winter 2020/21 relativ wenig und erklärt, das nicht nur ein einzelnes Wetter-Phänomen entscheidend für das Wetter im Winter ist. Zudem könne das Wetter auch immer relativ kurzfristig komplett umschlagen. 

Der Meteorologe aus dem Ruhrgebiet, der für Kachelmannwetter tätig ist, ist sogar regelrecht verärgert über die Prognosen seiner Kollegen und findet harte Worte: "Glauben Sie niemals an Jahreszeitenvorhersagen – es kann niemand das Wetter für mehrere Monate voraussagen."

Winter 2020: Wetterlage bringt kalte oder warme Luft

Er erklärt stattdessen welches Ereignis das Wetter im Winter beeinflusst und warum das trotz fortschrittlichen Computermodellen oftmals nur sehr kurzfristig vorherzusagend ist. 

"Das Wetter im mitteleuropäischen Winter, ist, wie in den übrigen Jahreszeiten auch, von der Großwetterlage abhängig. Hoch- und Tiefdruckgebiete bestimmen mit ihrer Lage das Wetter", so Fabian Ruhnau

Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) beschreibt eine solche Großwetterlage den Zustand der Atmosphäre über mehrere Tage in einer bestimmten Region. So kann ein Hoch im Sommer eine Schönwetterperiode auslösen oder ein Tief im Herbst für Dauerregen sorgen. Dennoch kann sich das Wetter während einer Großwetterlage auch mal ändern, der grundlegende Charakter des Wetters bleibt aber erhalten.

Winter-Wetter 2020 in Deutschland nicht vorhersehbar

Welche Großwetterlage das Wetter in Deutschland in diesem Winter bestimmt, ist laut dem Wetter-Experten zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zu sagen. 

Denn Großwetterlagen können oft mehrere Wochen anhalten und sich kaum verändern. "Irgendwann kommt aber immer der Zeitpunkt, wo sich die Atmosphäre sozusagen komplett umkrempelt und die Lage von Hochs und Tiefs sich entscheidend ändert", so Fabian Ruhnau. 

Wann dieser Wetter-Umschwung kommt sei trotz moderner Technik sehr unsicher und oftmals erst kurzfristig zu sehen. Der Bochumer Wetter-Profi erinnert sich beispielsweise an den Winter 2010. Im November sei es noch mild und regnerisch gewesen, die Wetterlage deutete eher darauf hin, dass Weihnachten wortwörtlich ins Wasser fallen würde. 

Ob es 2020 weiße Weihnachten gibt, kann noch nicht gesagt werden.

Ein plötzlicher Umschwung hatte dann aber im Dezember für Schneemassen gesorgt. Selbst vier Tage vor dem Wintereinbruch, sei dieser noch nicht vorhersehbar gewesen, berichtet der Meteorologe aus dem Ruhrgebiet

Im Winter 2020 sind verschiedene Wetterlagen möglich

Das heißt, noch müssen wir uns etwas gedulden und abwarten, welche Großwetter-Lage im Winter 2020 das Wetter bestimmt. Fabian Ruhnau stellt aber vier Möglichkeiten vor, die eintreffen könnten – nicht alle sorgen für Schnee und weiße Weihnachten:

  • Westlage: Milde Luft weht vom Atlantik nach Mitteleuropa. Die Zeichen stehen dann eher auf Regen statt auf Schnee. Üblich ist dann ein Wechsel aus kühlen Phasen mit nasskaltem Wetter und milden Phasen mit Regen.
  • Südwestlage: Sehr milde Luft könnte für ungewöhnliche milde Temperaturen im Winter sorgen. Kommt es bei dieser Großwetterlage zu Niederschlägen, dann fallen diese meist nur in Hochlagen in Form von Regen.
  • Die Nordlage zeigt sich typischerweise schneereich in den Alpen, aber auch im Tiefland kann es zu Schnee und Glätte kommen. Bei nordwestlichem Wind gelangt milde Nordseeluft besonders in den Nordwesten Deutschlands, bei nordöstlichem Wind kann die Luft tendenziell trockener und kälter sein.
  • Die Ost- oder Nordostlage ist laut dem Wetter-Experten die kälteste Großwetterlage in Mitteleuropa – je nach dem aus welcher Richtung die Luft zu uns strömt, kann es aber möglich sein, dass sie trotzdem keinen Schnee bringt. Denn ist die Luft zu kalt, ist sie auch zu trocken um Schneekristalle zu bilden. Es kann also "zu kalt" für Schnee sein. Die Nächte sind dann sternenklar, tagsüber ist es eisig kalt und es scheint die Sonne – immerhin.

Laut dem Wetter-Experten ist es noch völlig unklar, welche der Wetterlagen den kommenden Winter dominieren wird. Ob es 2020 nun weiße Weihnachten gibt oder nicht, hänge von vielen Faktoren ab und ist zum anderen oftmals schlichtweg Zufall. "Wir werden es im kommenden April wissen", so Fabian Ruhnau. 

Rubriklistenbild: © Martin Gerten/dpa, EUMETSAT/DWD, Collage: RUHR24