Bald nicht mehr Marktführer?

Whatsapp vor dem Aus? Neues Digital-Gesetz macht es dem Messenger schwer

Ein neues Gesetz der EU könnte für Whatsapp verheerend sein. Wird der Messenger bald verboten?

Dortmund – Besonders im Internet werden die großen Unternehmen immer größer, während kleinere Konzerne oft in Vergessenheit geraten. So gibt es zum Messenger Whatsapp eigentlich viele Alternativen, wie Telegram oder Threema, die App von Meta (Facebook) scheint aber ein Monopol zu haben. Neue Digital-Gesetze für die EU sollen das bald ändern.

MessengerWhatsapp
Erscheinungsjahr2009
EntwicklungWhatsApp Inc. / Meta Platforms

Whatsapp bald in Deutschland verboten? Neues Gesetz gilt

Die Gesetze und Regeln in der EU sind der digitalen Welt, also dem Internet, teilweise nicht mehr gewachsen – so zumindest der Eindruck, als die EU-Kommission bereits Dezember 2020 ein großes Digital-Gesetzpaket vorgeschlagen hat. Ende März wurde ein solches Gesetz über digitale Märkte schließlich von EU-Institutionen festgelegt.

Zukünftig sollen ein Gesetz über digitale Märkte (DMA) und eins über digitale Dienste (DSA) für mehr Sicherheit im Netz sorgen. Während der DMA die Marktmacht von Digital-Riesen wie Google, Facebook (Meta) und Amazon beschränken soll, widmet sich der DSA eher gesellschaftlichen Fragen wie den Umgang mit illegalen Inhalten im Internet. Letzterer wird derzeit noch genauer zwischen den EU-Institutionen verhandelt, wie unter anderem t3n berichtet.

Neues EU-Gesetz für Facebook, Whatsapp und Co.: Für Nutzer wird es einfacher

Grundsätzlich müssen Tech-Riesen wie Meta oder Google sich zukünftig aber an bestimmte Verbote und Vorgaben halten. Die Unternehmen sollen ihre Machtposition nicht zu sehr ausweiten dürfen. Für Nutzer bedeutet das, dass zukünftig vorinstallierte Apps auf Endgeräten einfacher gelöscht und Standardeinstellungen schneller geändert werden können.

Außerdem soll an mehreren Stellen eine eindeutige Nutzereinwilligung eingeführt werden. Willigt ein Nutzer nicht ein, sollen bestimmte Dienste trotzdem benutzbar bleiben.„Das schafft echte Alternativen zwischen ‚mit allen Daten bezahlen‘ oder keine Dienste nutzen zu können“, so der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab (CDU). Er hat den DMA für das Parlament mitverhandelt.

Der Kinder- und Jugendschutz ist im DMA bisher allerdings noch nicht verschärft. Ein pauschales Verbot von personalisierter Werbung für diese Zielgruppe gibt es derzeit nicht. Im DSA sei genau das laut t3n aber geplant (mehr News über Digitales bei RUHR24 lesen).

Mehr Konkurrenz für Whatsapp? EU-Gesetz drängt Messenger in die Ecke

Besonders interessant an den neuen Digital-Gesetzen: Als Marktführer wird auch der Messenger Whatsapp strenger behandelt. Für Nutzer könnte das aber viele Vorteile haben. Denn die App muss sich zukünftig auch für andere, kleinere Dienste öffnen. Theoretisch könnten Nutzer von Messengern wie Signal oder Threema dann ihren Freunden, die ausschließlich Whatsapp nutzen, auch Nachrichten und Fotos schicken.

Allerdings entscheiden die kleineren Unternehmen selbst, ob sie diese Verknüpfung überhaupt wünschen. Grundsätzlich wäre es aber nicht mehr nötig, dass Nutzer sich ebenfalls Whatsapp installieren, um mit allen Freunden zu kommunizieren.

Whatsapp könnte wegen eines neuen Gesetzes Probleme kriegen.

EIn großer Nachteil: Für Gruppenchats soll diese Funktion vorerst nicht zur Verfügung stehen. Um angemessene Sicherheitsstandards zu gewährleisten, sei das zukünftig aber sehr wohl geplant, so Schwab. In Gruppenchats von Whatsapp gibt es dafür andere neue Funktionen. Aktuell wird aber auch vor einer Milka-Betrugsmasche auf Whatsapp gewarnt, wie Heidelberg24.de* berichtet.

Mehr Whatsapp-Funktionen für Nutzer: Neues EU-Gesetz wohl erst 2024 in Kraft

Doch wann genau tritt der DMA in Kraft? Die Einigung muss erst noch durch den Rat der EU-Staaten und dem Europaparlament bestätigt werden – dieser Schritt gilt allerdings als reine Formalie. Anschließend müssen die neuen Digital-Gesetze im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden und treten ab dann 20 Tage später in Kraft. Das könnte Anfang 2023 passieren. Danach gilt noch eine Übergangsfrist von sechs Monaten.

Anschließend haben die Tech-Riesen noch mal sechs Monate Zeit, die DMA-Vorgaben auch umsetzen – dann könnte es also schon 2024 sein. Allerdings haben die Konzerne auch Bedenken. So äußerte Apple etwa die Sorge, dass manche Vorschriften der DMA unnötige Datenschutz- und Sicherheitslücken für Nutzer erschaffen könnten. Ganz in trockenen Tüchern scheinen die neuen Regelungen also noch nicht. *RUHR24 ist wie Heidelberg24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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