Standort der Firma wird zum Problem

WhatsApp-Konkurrent „Signal“: Ist der Messenger die bessere Alternative?

Der Hype um den WhatsApp-Konkurrenten Signal ist groß. Aber was verspricht der Messengerdienst eigentlich und wo hakt es noch? Hier alle Infos.

Dortmund – Da hat sich WhatsApp wohl ein Eigentor geschossen. Mit der Nachricht, dass die Datenschutzrichtlinien beim Facebook-Tochterunternehmen geändert werden, hat der Messengerdienst seine Kunden nicht nur verärgert, sondern regelrecht in die Flucht geschlagen. Das freut vor allem jene, die einen ähnlichen Dienst anbieten – nur eben zu besseren Datenschutz-Konditionen. Apps wie Telegram und Signal sind in diesem Daten-Skandal die großen Gewinner.

MessengerSignal
EntwicklerSignal Foundation
BetriebssystemAndroid, iOS, Windows, macOS, Linux (64-Bit)

WhatsApp vergrault Millionen Nutzer: Telegram und Signal beliebter denn je

Damit hat der Mega-Konzern wohl nicht gerechnet: Seitdem WhatsApp die anstehenden Änderungen im Datenschutz bekannt gegeben hat, wandern Millionen Nutzer ab – auch im europäischen Raum. Wobei die Änderungen hier aufgrund der DSGVO gar nicht greifen werden. Doch entweder ist das vielen Nutzern nicht klar oder es ist ihnen schlicht egal und sie sind dennoch erzürnt über die Praktiken des Messengerdienstes. Immerhin, Alternativen zu WhatsApp sind schnell gefunden.

Besonders Telegram profitierte von den neuen Richtlinien bei WhatsApp. Der Messenger gilt als sichere Alternative und die Beliebtheit steigt. Allerdings ist Telegram nicht unbedingt die bessere Wahl – und soll laut Berichten nicht sicherer sein als der Konkurrent WhatsApp. Nicht einmal der genaue Standort des Unternehmens soll bekannt sein. Kein Problem, Telegram ist nicht die einzige WhatsApp-Alternative: Signal ist aktuell gefragter denn je – und soll Datenschutz wirklich leben.

WhatsApp-Alternative: Signal von Snowden, Musk und der Europäischen Union gelobt

Nicht nur Whistleblower Edward Snowden und Tesla-Chef Elon Musk empfehlen die WhatsApp-Alternative, sogar die Europäische Union rät ihren Mitarbeitern zum Messengerdienst Signal. Nachdem WhatsApp die anstehenden Änderungen angekündigt hatte, waren es wohl auch die Tweets von Snowden und Musk, die die zahlreichen Abgänge verursachten. Musk schrieb kurz und knapp „Use Signal“ (zu Deutsch: Nutzt Signal). Snowden schreibt: „I use it everyday and I‘m not dead yet“ (zu Deutsch: Ich nutze es jeden Tag und bin noch nicht tot).

Was also kann der Messengerdienst, dass er so gewaltigen Rückenwind bekommt? In der Anwendung selbst unterscheidet sich Signal kaum zum verschrienen Konkurrenten WhatsApp. Text- sowie Sprachnachrichten, Bilder und Dateien können auf gewohnte Weise versendet werden, auch Video-Anrufe sind möglich. Das Besondere an der App: Der Quellcode der Anwendung ist öffentlich zugänglich. Das bedeutet, dass jeder die Möglichkeit hat, jederzeit zu überprüfen was hinter den Kulissen passiert.

Experten erklären den Messenger Signal für sicher

Dass die App sicher ist, haben sogar Wissenschaftler bestätigt. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, haben Experten der Ruhr-Universität Bochum sowie eine Forschergruppe der University of Oxford, der Queensland University of Technology und der kanadischen McMaster University die App für sicher befunden.

Zudem sind die Nachrichten – natürlich – Ende-zu-Ende verschlüsselt, aber das kann WhatsApp auch. Ein Unterschied allerdings: Die Nachrichten, Daten, Fotos werden nicht auf Servern gespeichert, sondern lokal auf dem Smartphone (mehr News rund um Digitales bei RUHR24.de).

Signal ist kostenlos und will keine Daten verkaufen - Musk ist großer Unterstützer

Der Messengerdienst Signal ist kostenlos und nicht darauf aus, fette Gewinne einzufahren. Die Entwickler verkaufen weder Daten, um Geld zu machen, noch wird in der App Werbung geschaltet. Um sich zu finanzieren, setzt Signal auf Spenden.

Brian Acton ist Mitbegründer von Signal – und war auch Mitbegründer von WhatsApp. 2014 verkaufte er den grünen Messengerdienst für 22 Milliarden US-Dollar an Facebook. Einen Teil des Vermögens investierte er vier Jahre später in die Signal-Foundation und konzentrierte sich vor allem auf den Datenschutz. Er versprach, niemals Nutzerdaten zu verkaufen oder In-App-Werbung anzuzeigen.

Dieser Hinweis von WhatsApp löste wohl den Sturm auf den Messengerdienst Signal aus.

Die App wird durch Spenden finanziert. Gegenüber TechCrunch sagte der Entwickler Acton: „Die Idee ist, dass wir uns diese Spenden verdienen wollen.“ Um diese Spenden zu generieren, sei es wichtig, ein innovatives und reizvolles Produkt zu entwickeln. Zu den finanziellen Unterstützern gehört Elon Musk, bereits in der Vergangenheit hat er das Unternehmen mit finanziellen Mitteln unterstützt und kündigte an, das auch in Zukunft tun zu wollen.

Signal wird WhatsApp wohl nicht überholen – wächst aber rasant

Ob die finanzielle Spritze von Musk allerdings dazu verhilft, dass Signal sich an die Spitze der Messengerdienste katapultiert, ist fraglich, wie Inside-Digital berichtet. Immerhin kann WhatsApp bereits fünf Milliarden Downloads im Google Playstore verzeichnen. Signal hingegen „nur“ 50 Millionen.

Allerdings ist die App in sehr kurzer Zeit so rasant gewachsen. Kurz nachdem WhatsApp die Änderungen angekündigt hatte und Elon Musk für den Messenger Werbung gemacht hat, war der Ansturm groß. So groß, dass der Messengerdienst kaum hinterherkam und es zwischenzeitlich zu technischen Problemen kam und Server ausgefallen sind.

WhatsApp-Konkurrent Signal kämpfte mit Serverausfällen nach Mega-Ansturm

Nachdem es zunächst Schwierigkeiten mit den per SMS versendeten Verifizierungscodes gegeben hatte, kam es im Messenger zu Fehlermeldungen – das sei laut Heise eine Nebenwirkung der Serverausfälle aufgrund des massiven Ansturms. Demnach könnten manche Nutzer derzeit im Messenger folgendes zu lesen bekommen: „Ungültig verschlüsselte Nachricht.“

Hört sich nicht gut an, allerdings versichert Signal laut Heise, dass die Nachrichten weiterhin sicher seien, Nutzer könnten aber eventuell eine Nachricht nicht bekommen haben. Ein Update soll die Lösung bringen. Wer die Fehlermeldung in Android angezeigt bekommt, kann oben rechts im Menü auf „Sichere Sitzung zurücksetzen“ tippen. iOS-Nutzer tippen unter „Empfangene Nachricht war nicht synchron“ auf „Sitzung zurücksetzen“.

Ein weiterer Nachteil zu der – inzwischen behobenen – Instabilität: Wer sich bei Signal anmelden will, muss seine Telefonnummer angeben und ist damit identifizierbar. Signal ist ein US-Unternehmen mit Sitz im Silicon Valley und unterliegt damit laut Giga dem CLOUD Act und muss US-Behörden somit Zugriff auf Daten gewähren. Das muss nicht sein, andere Messengerdienste verzichten auf die Telefonnummer.

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