Datenweitergabe an Facebook?

Neue AGBs bei WhatsApp: Verwirrung bei den Nutzern - Abgang zur Konkurrenz?

Messenger Apps auf einem Smartphone
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WhatsApp verwirrt seine Nutzer mit der Änderung der Datenschutzrichtlinien.

WhatsApp ändert die Richtlinien. Das führte bei vielen Nutzern zu Verwirrung – sie glaubten, dass mehr Daten geteilt werden und wechselten zur Konkurrenz.

Dortmund – Der Messengerdienst WhatsApp ändert seine Regeln. Das kommt immer mal wieder vor und ist eigentlich nichts Besonderes. Doch in diesem Fall gibt es gerade in Deutschland reichlich Verwirrung um die neuen Datenschutzrichtlinien, sodass der Ansturm auf einen Konkurrenten diesen kurzzeitig in die Knie zwang.

AnwendungWhatsApp
Veröffentlichungsdatum3. Mai 2009
EigentümerFacebook Inc.

WhatsApp-Update: Änderung von Datenschutzrichtlinien – das steht drin

Die neue Anpassung bei WhatsApp soll zum einen eine neue Funktion einführen, die Nutzer in einem eigenen Chat über zukünftige Neuerungen informieren soll. Zum anderen werden aber auch die Datenschutzrichtlinien angepasst – und die müssen akzeptiert werden, denn sonst heißt es: bye, bye WhatsApp. Wer nicht akzeptiert, kann den Messengerdienst ab dem 8. Februar nicht mehr nutzen.

Einige Nutzer werden das Pop-up-Fenster im Messengerdienst WhatsApp wohl bereits entdeckt haben. Darin heißt es: „WhatsApp aktualisiert seine Nutzungsbedingungen und seine Datenschutzrichtlinie. Wesentliche Updates sind unter anderem mehr Informationen zu Folgendem:

  • WhatsApp Service und wie wir deine Daten verarbeiten.
  • Wie Unternehmen mit von Facebook gehosteten Services ihre WhatsApp Chats speichern und verwalten können.“

WhatsApp: Pop-up-Fenster im Messenger weist auf Änderungen hin

Bei iPhone-Nutzern gibt es nur den „Zustimmen-Button“ oder oben rechts die Möglichkeit, das Fenster zu schließen. Android-User haben die Möglichkeit zuzustimmen oder die Entscheidung auf später zu vertagen. Doch was soll uns das sagen?

WhatsApp ändert die Datenschutzrichtlinien – das führte zu Verwirrung.

Näheres zu den Anpassungen gibt es auf der Homepage von WhatsApp nachzulesen. Demnach geht es beim ersten Punkt um die Rechtsgrundlage der Datenverarbeitung und der zweite Punkt richtet sich an Unternehmen, die mittels WhatsApp in Kontakt mit ihren Kunden treten. In Medienberichten allerdings klingt das alles etwas dramatischer (mehr News rund um Digitales bei RUHR24.de).

WhatsApp-Datenschutz-Update: von dramatisch gefährlich bis harmlos

Teilweise ist davon zu lesen, dass Daten automatisch an Facebook weitergeleitet werden, etwa um Werbung auf der Plattform zu optimieren. Doch während die Frankfurter Allgemeine Zeitung davon berichtet, dass Nutzer einwilligen müssten, ihre Daten ab sofort mit anderen Facebook-Angeboten zu teilen und Marc Zuckerberg es sich zum Ziel erklärt hätte, die Plattformen seines Konzerns stärker zu integrieren, räumt der Spiegel mit der völligen Datenschutz-Verwirrung auf.

Tatsächlich gibt es in den überarbeiteten Datenschutzrichtlinien von WhatsApp den Abschnitt „So arbeitet WhatsApp mit anderen Facebook-Unternehmen zusammen“. Darin wird erklärt, dass WhatsApp und andere Facebook-Dienste Informationen miteinander austauschen, so soll die Sicherheit und Integrität der Produkte gefördert werden. Etwa um Spam und Missbrauch zu bekämpfen.

WhatsApp gibt Daten an Facebook weiter – das darf allerdings nicht genutzt werden

Weiter heißt es: „WhatsApp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen können, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten.“ Doch dieser Abschnitt hat eine klare Einschränkung.

„Keine der Informationen, die WhatsApp auf dieser Grundlage weitergibt, dürfen für die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen verwendet werden.“ Wie Spiegel erklärt, erhält Facebook zwar durchaus Daten von WhatsApp (wie Telefonnummern und Gerätekennungen), doch dürfen diese Informationen nicht zur Verbesserung des Anzeigesystems genutzt werden.

Facebook darf Daten von WhatsApp nicht nutzen, um Produkte zu verbessern – zumindest in Europa

Gegenüber dem Spiegel teilt das Unternehmen mit, dass sich keine Änderungen an den Praktiken der Datenweitergabe von WhatsApp in der europäischen Region (einschließlich Großbritannien) ergeben. Der WhatsApp-Sprecher betont: „Es ist weiterhin der Fall, dass WhatsApp keine WhatsApp-Nutzerdaten aus der europäischen Region mit Facebook teilt, damit Facebook diese Daten zur Verbesserung seiner Produkte oder von Anzeigen nutzen kann.“

Was die Datenweitergabe angeht, bleibt in Europa also im Kern alles beim Alten. Wie kam es also zu der Verwirrung? Laut Spiegel lässt sich das wohl darauf zurückführen: der Messenger WhatsApp, der aktuell auch eine neue Funktion eingeführt hat, veröffentlicht aus seiner Homepage auch eine aktualisierte Datenschutzrichtlinie für Nutzer außerhalb der europäischen Region. Da dieser Abschnitt auch in deutscher Sprache dargestellt ist, sind einige Nutzer wohl davon ausgegangen, es gelte auch in Deutschland. Das ist nicht der Fall.

Video: WhatsApp bald auf älteren Handys nicht mehr verfügbar?

Nach Aufruf von Elon Musk: Unzählige User wechseln zu WhatsApp-Konkurrenten

Die neuen Regeln, die dort erläutert werden, gehen wesentlich weiter, als die die für den europäischen Raum gelten sollen. Darin heißt es zum Beispiel: „Wir können mithilfe der von Ihnen erhaltenen Informationen und Sie können mithilfe der Informationen, die wir mit Ihnen teilen, unsere Dienste bzw. Ihre Angebote, einschließlich der Produkte von Facebook-Unternehmen, betreiben, bereitstellen, verbessern, verstehen, individualisieren, unterstützen und vermarkten.“

Dieser Abschnitt wird es wohl auch gewesen sein, der tausende WhatsApp-Nutzer dazu veranlasst hat, sich von dem Messengerdienst abzuwenden und sich der Konkurrenz hinzugeben. Darunter auch der Tesla-Chef Elon Musk. Nach Bekanntgabe der neuen Richtlinien twitterte er kurz und kapp: „Use Signal“. Damit ruft er seine Follower dazu auf, den Messengerdienst Signal zu nutzen

Dem Tweet mit 200.000 Gefällt-mir-Angaben folgten wohl so einige Nutzer, denn kurz danach zwang der große Ansturm auf die WhatsApp-Alternative Signal diese in die Knie. Eine Neuanmeldung beim Messengerdienst Signal war für einige Zeit nicht mehr möglich. Der Fehler konnte laut Heise inzwischen wieder behoben werden. Wie viele Nutzer aus dem europäischen Raum den Messengerdienst aufgrund der Änderung gewechselt haben, ist bisher nicht bekannt.

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