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Wespen-Sterben 2021: Experte warnt vor bösen Folgen für den Menschen

In diesem Sommer blieb die Wespen-Plage aus. Die Gründe dafür sind vielfältig, die Entwicklung besorgniserregend und die Folgen böse – auch für den Menschen.

Dortmund – Wer im Sommer draußen frühstückt, grillt oder Cocktails schlürft, kann sich in der Regel auch auf einige ungebetene Gäste einstellen. Wenn das Gesumme losgeht, ist klar: Die Wespen sind da. 2021 allerdings blieb in weiten Teilen die befürchtete Plage aus – ein Grund zur Freude ist das allerdings nicht.

InsektWespe
Wissenschaftlicher NameVespinae
FamilieFaltenwespen (Vespidae)
OrdnungHautflügler (Hymenoptera)

Wespen im Sommer 2021: Dramatischer Rückgang – Experte erklärt Gründe

Wenn im Haus die Fliegen ärgern, heißt es im Sommer die Flucht nach draußen antreten. Doch da lauern die Wespen. Dieses Jahr allerdings weniger als sonst. Im Rahmen der NABU-Insektensommer-Zählung vom 4. bis 13. Juni 2021 lag die Anzahl der Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe jedenfalls nur bei 40 Prozent des Vorjahres.

Die Gründe dafür können vielfältig sein. Florian Lauer, WWF-Experte für Wespenschutz, erläutert gegenüber der Bild zwei Optionen: Der kalte und lange Winter könne dazu geführt haben, „dass mehr Wespenköniginnen als in den Vorjahren erfroren sind.“

Wespen im Sommer 2021: Winter und durchwachsener Frühling sorgen für großes Insekten-Sterben

Doch der harte Winter ist nicht der einzige Grund. Denn auch der durchwachsene Frühling 2021 ärgerte die Insekten: „Anschließend hatten wir einen recht kalten und feuchten Frühling, dies fördert die Schimmelbildung und kann bei den Königinnen und den frischen Nestern zu einer Verpilzung führen“, erklärt der Experte.

Die Ober-Wespe ist für die Gründung des ganzen Staates zuständig. Legt und befruchtet die Eier, bestimmt das Geschlecht ihrer Kinder durch Botenstoffe, die sie absondert, und legt auch ihre Nachfolgerinnen fest.

Wespen-Sterben im Sommer 2021: Experte warnt vor bösen Folgen – auch für den Menschen

„Mit jeder Königin, die im Winter oder Frühjahr gestorben ist, entfällt im Spätsommer und Herbst ein ganzer Staat der oftmals mehreren 1000 Individuen bei der Gemeinen und der Deutschen Wespe“, so der Experte. Wissenschaftliche Daten gebe es dazu allerdings noch keine. Weitere Gründe sind möglich.

Was im ersten Moment nach einer guten Nachricht klingt – immerhin steht einem gemütlichen Frühstück im Garten nichts mehr im Weg –, ist allerdings bedrohlicher als man meinen möchte. Der Experte erklärt die Auswirkungen, wenn es zu wenig Wespen gibt.

Wespen-Sterben im Sommer 2021: Insekten haben Aufgaben – jetzt droht übles Nachspiel

Florian Lauer zieht den Vergleich zu einem Spinnennetz. Dabei haben die unterschiedlichen Arten in der Natur eigene Aufgaben und seien über sogenannte Interaktionen miteinander verbunden.

Der Rückgang von Wespen im Sommer 2021 kann üble Folgen mit sich tragen – auch für den Menschen.

„Ist eine Art geschwächt oder fehlt diese sogar ganz, ist das Netz geschwächt. Fehlen zu viele kann es sogar zusammenbrechen. Dies hat dann auch negative Auswirkungen auf den Menschen“, warnt der Experte.

Wespen-Sterben im Sommer 2021: Lebensgrundlage für Menschen bedroht

Wespen etwa dienen in der Natur als Schädlingsbekämpfer. Sie fressen Blattläuse, Mücken, Wanzen und weitere Schädlinge. Sind aber auch selbst Nahrung für größere Tiere wie Vögel.

Ein beträchtlicher Rückgang der Insekten kann also üble Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Zwar können Wespen einen Ausfall bis zu einem gewissen Stand verkraften. Spielen aber externe Faktoren übler mit, wird es kritisch. „Nur kommen auch Wespen und andere Insekten durch den Verlust von Lebensräumen, Insektiziden und vielen anderen Faktoren an ihre Grenzen.“

Der Experte warnt dringend: „Wir müssen beginnen, die Insekten umfassender zu schützen, sonst droht das ganze Spinnennetz zu zerreißen und mit diesem auch unsere Lebensgrundlage.“ Ein Jubelschrei ist offenbar nicht angebracht, wenn man auf den Rückgang der schwarz-gelben Insekten blickt. Wer dennoch seine Ruhe haben möchte, kann die Wespen sanft mit Hausmitteln abschrecken.

Rubriklistenbild: © Christof Stache/AFP; Collage: RUHR24