„Irreführend“

Aldi kassiert nach Eier-Werbung Klatsche – und ändert Kampagne

Aldi Nord geht einen drastischen Schritt und nimmt eine irreführende Werbekampagne zum Kükentöten aus dem Programm.

Dortmund - Aldi sorgte in der Vergangenheit mit seiner Eier-Werbung für heftige Diskussionen. „Wir schaffen das Kükentöten ab“ lautete der Slogan im Jahr 2020. Doch dieser soll laut der Verbraucherorganisation Foodwatch irreführend sein. Nun musste sich der Konzern vor Gericht verantworten.

UnternehmenAldi
HauptsitzEssen
Gründung1961

Klatsche von Verbraucherorganisation Foodwatch: Aldi kassiert Klage für Eier-Werbung

Jährlich werden in Deutschland insgesamt 45 Millionen männliche Küken der Lagerhennen-Linie vergast. Der Grund: Die Aufzucht soll sich schlicht und einfach nicht lohnen. Hähne legen keine Eier, und setzen kaum Fleisch an - sie sind also auch zum Schlachten unbrauchbar. Aus einem skurrilen Grund war das Schreddern der Tiere erlaubt. Aldi wollte sich 2020 mit einer zunächst harmlosen Eier-Werbung ganz klar von dieser Tierquälerei distanzieren. Doch das ging mächtig in die Hose.

Stattdessen hat sich der Supermarkt-RIese eine Klage der Verbraucherorganisation Foodwatch eingefangen. Diese meinte damals: „Aldi beendet das Kükentöten bis 2022 vielleicht etwas“ sei der korrekte Slogan für das Unternehmen gewesen.

Die Organisation stellte fest, dass sich die Werbung nur auf die Schaleneier im Karton bezieht. Eier in Kuchen, Nudeln und Fertiggerichten seien da nicht mit einbezogen. Die Werbekampagne sei somit irreführend. Nun hat Aldi offiziell auf die Anschuldigungen reagiert.

Nach Foodwatch Klage: Aldi Nord äußert sich zur Kritik an Eier-Werbung und überrascht

Vor dem Landesgericht Essen äußerte sich Aldi Nord zu den Vorwürfen von der Verbraucherorganisation Foodwatch. In Zukunft würde der Konzern auf den Slogan verzichten. Er wolle nicht weiterhin damit werben, als erster Lebensmittelhändler das Töten männlicher Küken beendet zu haben, ohne deutlich zu machen, dass es sich hierbei lediglich um den Verkauf von Schaleneier handelt.

Zudem möchte der Discounter betonen, dass er nur der erste große Lebensmittelhändler ist, der sich mit diesem Thema befasst. Bio-Läden waren diesen Schritt schon lange vor der umstrittenen Eier-Werbung gegangen, um der Tierquälerei entgegenzuwirken. Aldi Nord hat die Werbung mittlerweile angepasst. Foodwatch verzichtet deshalb auf eine Strafzahlung.

Foodwatch gegen Kükentöten: Organisation rechnet nicht nur mit Aldi Nord ab

In der Vergangenheit hat Foodwatch nicht nur Aldi Nord aufgrund der Werbekampagne abgemahnt. Auch mit dem direkten Konkurrenten Lidl hat die Organisation in der Vergangenheit abgerechnet. Dieser Konzern warb in Prospekten ebenfalls leichtfertig damit, dass er mit dem Kükentöten Schluss mache.

Der Verlauf sah ähnlich aus, und die Werbung von Lidl wurde ebenfalls aus dem Programm genommen. Andere Unternehmen brauchen sich in Zukunft allerdings keine Gedanken mehr zu diesem Thema machen, denn in Deutschland gibt es dazu ein neues Gesetz. Doch was bedeutet das für Supermärkte und Discounter?

Viele männliche Küken mussten ihr Leben geben.

Eier-Werbung: Kükentöten in Deutschland nicht mehr erlaubt

Seit Anfang des Jahres ist das Kükentöten verboten. Bestimmte Eier dürfen in Deutschland daher nicht mehr verkauft werden. Sowohl Aldi als auch andere Konzerne setzen nun auf die sogenannte Geschlechtsbestimmung im Brutei. Dadurch sollen die männlichen Eier aussortiert werden, bevor das Küken schlüpft. Eine weitere Option sieht vor, die Hähne zur Mast aufziehen zu lassen. Zu einer weiteren Gerichtsschlacht zum Thema Kükentöten in der Werbung sollte es zwischen Foodwatch und den Supermärkten erstmal nicht kommen.

Rubriklistenbild: © Christian Keiter/RUHR24

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