Energiekrise

Nächste Branche hat düstere Prognose: Getränk wird deutlich teurer

Die Energiekrise sorgt vielerorts für Preiserhöhungen. Nun hat es auch deutsche Winzer getroffen. Darauf müssen sich Weinfans einstellen.

NRW – Weinfans müssen jetzt ganz stark sein! Denn nachdem bereits angekündigt wurde, dass Bier deutlich teurer werden soll, werden Winzer nun auch die Preise für ihren Wein saftig erhöhen müssen. Doch wie RUHR24 weiß, gibt es im laufenden Krisenjahr auch gute Nachrichten.

Deutscher WeinbauernverbandBerufsorganisation der deutschen Winzer
SitzBonn
Gründung 30. September 1874 (Vorgängerorganisation Deutscher Weinbauernverein)

In Deutschland gibt es über 100 Rebsorten und viele größere Weinanbaugebiete

Ob im Restaurant, bei einem gemütlichen Abend zu Hause oder auf einer Verkostung – Weinliebhaber kommen angesichts der über 100 Rebsorten in Deutschland, die laut dem Deutschen Weininstitut auf insgesamt 103.421 Hektar angebaut werden, voll auf ihre Kosten (mehr Service-News zu RUHR24).

Die Zeiten sind für deutsche Winzer allerdings nicht leicht. In den vier größten Weinanbaugebieten Rheinhessen (ca. 26.500 ha), der Pfalz (ca. 23.000 ha), Baden (ca. 15.800 ha) und Württemberg (11.400 ha) waren die Erträge im vergangenen Jahr alles andere als zufriedenstellend.

Frühlingsfrost, Pilzbefall und Insekten machten Winzern im vergangenen Jahr das Leben schwer

Denn wie Chip berichtet, seien die Erträge im vergangenen Jahr landesweit auf 1,77 Millionen Hektoliter Weinmost zusammengeschrumpft. Das habe vor allem an massivem Pilzbefall, Spätfrösten im Frühjahr und auch an der bei Landwirten und Weinbauern so verhassten Kirschessigfliege gelegen.

Allein in Baden musste ein Rückgang des Traubenmosts um 17 Prozent verzeichnet werden. Hier geht es nun aufwärts, denn die vergangene Hitzewelle hätten vor allem die badischen Reblagen nicht so sehr belastet, wie vereinzelt befürchtet worden war – anders als beispielsweise in Württemberg.

Hitzewelle trifft Weinanbaugebiete unterschiedlich hart – in Baden geht es aufwärts

Wie der Badische Weinbauernverband erklärt, könne man in der Region mit ungefähr 100 bis 120 Millionen Liter Ertrag in diesem Jahr rechnen, Pilzkrankheiten an den Reben seien wegen des trockenen Wetters kaum ein Problem gewesen. Im von Hitze geplagten Württemberg erwarte man trotz der Trockenheit einen Ertrag von rund 100 bis 110 Millionen Litern, erklärt Hermann Morast, Geschäftsführer des Weinbauernverbands.

Die Weinlese der ersten Rebsorten hat vielerorts bereits begonnen, so zum Beispiel in Rheinhessen und in der Pfalz. Insgesamt rechne der deutsche Weinbauernverband, dass man in dieser Weinernte die Traubenmenge eines durchschnittlichen Jahrgangs einbringen könne, berichtet Chip. Mit Blick auf die kommenden Weinerträge können Weinfans also aufatmen – wenn da nicht die aktuelle Energiekrise wäre.

Energiekrise trifft deutsche Winzer – Kosten steigen um rund 30 Prozent

Denn diese sorge dafür, dass die Winzer „mehr Geld für Energie, Düngemittel und Glasflaschen ausgeben müssen“, berichtet Chip. Das sorge vor allem in Württemberg, laut baden.fm aber auch in Baden dafür, dass der Wein zukünftig deutlich teurer werden könne.

Konkrete Prognosen gibt es wegen der Konkurrenz untereinander dazu bisher aber noch nicht. Laut dem Bayerischen Rundfunk werde hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass Frankenwein bald schon ganze 15 Prozent teurer werden könnte.

Winzer müssten laut dem Verband Deutsche Prädikatsweingüter mit höheren Kosten von rund 30 Prozent kalkulieren, berichtet der BR. Für Materialien wie Kartons, Etiketten, Aluminiumverschlüsse und Glasflaschen „müssen die Winzer zwischen 20 und 40 Prozent mehr bezahlen“, der Mindestlohn für Erntehelfer steige zudem ab Oktober „um 25 Prozent auf dann zwölf Euro pro Stunde.“

Weinliebhaber werden angesichts der Energiekrise und höherer Materialkosten wohl tiefer in die Tasche greifen müssen.

Materialpreise für Weinflaschen und Etiketten explodieren – Erntehelfer bekommen mehr Geld

Dass Weinliebhaber zukünftig tiefer in die Tasche greifen müssen, könnte nicht nur mit den gestiegenen Energie- und Materialkosten zusammenhängen. Denn auch die Bewässerung der Rebstöcke könne im Angesicht der extremen Trockenheit in diesem Jahr auch zukünftig zum Problem werden. Zuletzt hatte die Wasserknappheit in Dürrezeiten die Bundesregierung dazu veranlasst, die Bürger zu Wassersparmaßnahmen zu animieren.

In Baden müsse man wohl zukünftig Grundwasser hoch in die Rebberge zu pumpen, schätzt Holger Klein, Verbandsgeschäftsführer des Badischen Weinbauernverbands gegenüber baden.fm. Dass die verschiedenen Rebsorten auch zukünftig, so wie Baden, die Hitze vergleichsweise gut wegstecken, ist schließlich alles andere als sicher. Wer dennoch gerne Wein für einen kleinen Preis trinkt, kann sich guten Gewissens auch beim Discounter umsehen, berichtet Heidelberg24.

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