Kommentar

Weihnachtsbäume sind eine Umweltsünde - hört jetzt endlich auf, sie zu kaufen

Das Schmücken des Weihnachtsbaums gehört zur Adventszeit dazu. (Symbolbild)
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Der klassische Weihnachtsbaum ist alles anderes als nachhaltig.

Ob Öko oder klassisch: Umweltfreundlich ist der Weihnachtsbaum nicht. Was ist die Alternative? Ein Kommentar.

Deutschland - Im Kampf gegen den Klimawandel kann es nicht genug Bäume geben, die CO2 binden. Dennoch werden jährlich Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Das sollte aufhören, findet RUHR24.de-Autorin Lena Zschirpe. Verzicht ist nicht notwendig, ein Umdenken aber schon.

ArtWeihnachtsbaum
Verkaufte Einheiten pro Jahr in Deutschlandzwischen 23 und 26 Millionen
Problemauf mehreren Ebenen nicht nachhaltig

Der Weihnachtsbaum ist problematisch: Darum sollte man ihn nicht mehr kaufen

Um genau zu sein: Es sind alleine in Deutschland zwischen 23 und 26 Millionen Weihnachtsbäume pro Jahr, wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mitteilt. Mehr als 80 % der Haushalte mit mehr als drei Personen stellen einen Weihnachtsbaum auf. Immer mehr Innenstädte werden mit den grünen Tannen geschmückt. Da steht Dortmund mit seinem Weihnachtsbaum, der in diesem Jahr wieder abgebaut wurde, nicht alleine da.

Das Problem: Der immergrüne Baum ist ein Umweltsünder. Gleich in mehreren Bereichen. Das fängt beim Anbau an. Der beliebteste Baum, die Nordmanntanne, ist in Deutschland nämlich nicht heimisch. Ihre Samen werden überwiegend aus Georgien importiert. Um sie zu gewinnen, riskieren sogenannte Baumkletterer jedes Jahr aufs Neue ihr Leben, wie Spiegel schon 2010 berichtete. Denn die Zapfen wachsen nur an den Wipfeln der Bäume. Und die können bis zu 60 Meter hoch liegen.

Trend Öko-Baum: Diese Weihnachtsbäume kommen ohne Pestizide aus

Sind die Samen in Deutschland angekommen, wachsen die Weihnachtsbäume auf eigenen Plantagen. Und zwar unter intensivem Einsatz von Insektiziden, Herbiziden und Mineraldünger. Wie das Bundesamt für Umwelt erklärt, schadet das nicht nur Böden, Gewässern und Ökosystemen. Auch für die menschliche Gesundheit kann das gefährlich werden. Immerhin steht der chemisch behandelte Baum mehrere Tage bis Wochen mitten in der Wohnung.

Der Trend geht deswegen zum Öko-Baum, dieser ist am Bio-Siegel zu erkennen. Zu den vertrauenswürdigen Siegeln zählen Bio, Bioland, Naturland, Demeter oder das FSC-Siegel. Der Bio-Weihnachtsbaum wird ohne Pestizide angebaut. Stattdessen wird er mechanisch oder mithilfe von Schafbeweidung frei von Insekten gehalten. Der Kot der Tiere ist ein extra Dünger. Klingt nicht übel, oder?

Der Weihnachtsbaum bedroht einheimische Tiere und Baumarten

Aber ist das nachhaltiger? Ob Öko-Baum oder herkömmlicher Weihnachtsbaum: Bei beiden Varianten bleibt das Problem der Plantage. Denn diese bedeuten, dass der Lebensraum von heimischen Tieren verkleinert wird. Der Nabu warnt außerdem davor, dass die fremden Nadelhölzer die heimischen Bäume verdrängen. Denn streng genommen ist die Nordmanntanne immer noch ein exotischer Baum.

Zwar belegt eine Studie von der Standfort University aus dem vergangenen Jahr, dass junge Bäume mehr CO2 binden als alte. Bei einer künstlich angelegten Nordmanntannen-Plantage dürfte sich dieses Plus aber schnell wieder ins Minus verwandeln. Denn über die Transportwege ist noch nicht gesprochen worden.

Außerdem ist auch Tierhaltung im großen Stil ein echter Klima-Killer. Wozu Fleischkonsum reduzieren, wenn die Tiere dann für das Geschäft mit dem Weihnachtsbaum im Überfluss gezüchtet werden?

Kein Verzicht: Diese Alternativen zum Weihnachtsbaum gibt es

Auf Weihnachtsschmuck und leuchtende Kinderaugen muss trotzdem niemand verzichten. In Sachen Weihnachtsbaum ist aber ein Umdenken gefragt. Und für die Zukunft der Kinder wäre es ohnehin besser, man würde den Baum aus Klimaschutzgründen einfach im Wald lassen.

Eine Alternative könnte ein selbstgebautes Gestell aus Holz und Kaninchendraht sein. In diesem lassen sich die Kugeln ebenfalls perfekt positionieren. Ein Vorteil: Der selbstgebaute „Baum“ kann jedes Jahr benutzt werden und ist nicht nur nachhaltig, sondern auch preiswert. Auch eine Art Mobile in Tannenform aus Ästen ist eine kostengünstige Alternative.

Video: Darauf ist beim Weihnachtsbaum-Kauf zu achten

Übrigens: Auch der langlebige Weihnachtsbaum aus Plastik ist nicht nachhaltiger als ein frisch abgeholzter Baum. Laut Quarks & Co muss eine künstliche Tanne etwa 17 bis 20 Jahre genutzt werden, damit sie weniger CO2 verbraucht hat als ein klassischer Weihnachtsbaum. Wer bereits einen hat, sollte ihn aber weiterhin nutzen. Übrigens sind auch Teelichter nicht gerade nachhaltig.

Weihnachtsbaum im Topf: Nabu empfiehlt einhemische Obstbäume

Und dann gibt es noch den Weihnachtsbaum im Topf, der seit einigen Jahren angeboten wird. Teilweise wird dieser vermietet und nach der Nutzung eingepflanzt. Allerdings eignen sich hier vor allem Fichten, wegen ihrer Flachwurzel. Die Nordmanntanne ist ein Pfahlwurzler und würde in einem Topf nicht lange ausharren.

Weihnachtsbäume im Topf können nach dem Fest in den Garten gesetzt werden. Teilweise werden sie auch verliehen und anderswo gepflanzt.

Der Nabu empfiehlt sogar, heimische Obstbäume im Topf als Weihnachtsbaum zu nutzen und sie anschließend selbst einzupflanzen. Wer diesen Vorschlag zu abgefahren findet, kann sich ja vielleicht mal folgende Frage stellen: Wie normal und zeitgemäß ist es überhaupt noch, sich einen echten, schon abgeholzten Baum ins Wohnzimmer zu stellen? Also hört doch bitte endlich auf, sie in dieser Form zu kaufen!

Dieser Kommentar entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.