„Naturbaumsiegel“

Billigen Weihnachtsbaum bei Aldi und Penny kaufen – mit üblem Beigeschmack

Beim Weihnachtsbaum-Kauf rückt Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus. Discounter wie Penny und Aldi versprechen genau das zum kleinen Preis.

Dortmund – Der Weihnachtsbaum sorgt für festliche Stimmung, leuchtende Kinderaugen und, wenn man es mag, für einen angenehmen Duft in der Wohnung. Doch für Mensch und Natur kann der immergrüne Baum teilweise zur Belastung werden. Wer den Baum mit dem Auto falsch transportiert, kann übrigens mit einer Strafe rechnen. Discounter wie Penny und Aldi versprechen Tannen für wenig Geld, die auch noch nachhaltig sind. Aber kann das stimmen?

Nachhaltiger Weihnachtsbaum bei Penny und Co.: Kunden sollten auf das Siegel achten

Schon ab 12,99 Euro sind die Weihnachtsbäume in einigen Penny-Filialen seit dem 5. Dezember erhältlich. Wer die App des Discounters nicht nutzt, zahlt zwei Euro mehr, ist mit einem Weihnachtsbaum für 14,99 Euro aber immer noch günstig ausgestattet.

Das sogenannte „Naturbaumsiegel“ soll belegen, dass die Bäume „nachhaltig produziert“ wurden, wie die Rewe Group in einer Pressemitteilung erklärt. Aber welche Kriterien erfüllt das Logo? Kunden werden mit Siegeln nämlich häufig hinters Licht geführt, gerade bei Naturkosmetik.

Die Rewe Group, zu der Penny gehört, verspricht mit dem Siegel Umweltschutz, Ressourcenschonung, Artenvielfalt und Rückverfolgung bis zum Saatgut. Letzteres ist besonders brisant, weil es sich bei den Penny-Bäumen um Nordmanntannen handelt. Deren Saatgut wird in den allermeisten Fällen aus Georgien importiert. Dort riskieren Menschen jedes Jahr ihr Leben, um an die begehrte Saat zu kommen, wie die Süddeutsche Zeitung bereits 2018 berichtete. Mit einfacher Kleidung klettern die Menschen auf die bis zu 30 oder 60 Meter hohen Bäume, um die Samen zu ernten, die ganz oben in der Nordmanntanne sitzen.

Naturbaumsiegel: Ist der Weihnachtsbaum von Penny wirklich nachhaltig?

Auf den ersten Blick kann das Naturbaumsiegel einen guten Eindruck auf Verbraucher machen, die beim Weihnachtsbaum auf Nachhaltigkeit achten. Auch Aldi Nord und Süd bieten 2022 wieder Weihnachtsbäume aus „kontrollierter, zertifizierte Forstwirtschaft an“, wie es auf der Webseite heißt. Ein genauer Preis für die Tannen ist dort nicht einsehbar.

Weiter geben die Discounter an: „Für jede Nordmanntanne, die du bei uns als „Klima-Nordmann“ erwirbst, wird ein Quadratmeter Mischwald in Deutschland angepflanzt, der mindestens 100 Jahre lang nicht gefällt wird.“

Die Weihnachtsbäume von Penny und Aldi haben aber noch eine weitere Gemeinsamkeit: Beide sind nicht mit einem offiziellen Bio-Siegel, etwa von Bioland, Naturland oder dem Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung ausgezeichnet.

Beim Weihnachtsbaum-Kauf sollte man auf einiges achten.

Penny und Aldi: Können Weihnachtsbäume ohne Bio-Siegel nachhaltig sein?

Laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) wäre aber genau das wichtig, damit Weihnachtsbäume wirklich nachhaltig sind. So behauptet Rewe zwar, dass die Nordmanntanne „heimisch“ sei, Nabu betont jedoch abermals, dass die Saaten weit importiert werden müssen. Weil die Bäume auf westeuropäischen Plantagen nur acht bis zehn Jahre wachsen, bilden diese auch kein eigenes Saatgut.

Pestizide an Weihnachtsbäumen sprechen ebenso nicht unbedingt für Nachhaltigkeit und schaden potenziell Pflanzen, Tieren, Gewässern und Böden. Laut Nabu und Bund (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) werden aber genau die auf Nordmanntannen-Plantagen eingesetzt: Insektizide gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbizide gegen anderes Gewächs.

Der Weihnachtsbaum in Zahlen

Rund 25 Millionen Weihnachtsbäume ziehen jährlich in deutsche Wohnzimmer ein – knapp 80 Prozent davon sind Nordmanntannen.

Die größten Anbauflächen für die beliebte und als regelmäßig „buschig“ geltende Sorte in Deutschland liegen laut NDR in NRW, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Die sogenannten Monokulturen nehmen laut Bund etwa 50.000 Hektar ein.

Auch Dänemark gilt in Europa als großer Exporteur. Rund 3 Millionen Bäume werden jedes Jahr nach Deutschland exportiert.

Nachhaltigkeit bei Aldi und Penny? Weihnachtsbaum-Kauf soll ausgleichen

Ob Aldi und Penny auf Pestizide verzichten, wird aus den Mitteilungen der Unternehmen nicht klar. Die Discounter scheinen beim Anbau der Weihnachtsbäume auf Regionalität und Ausgleich zu setzen.

So will Penny für jede Nordmanntanne eine neue pflanzen – ob diese ebenfalls nach acht Jahren wieder gefällt und verkauft werden soll, bleibt aber offen. Laut Naturbaumsiegel sollen außerdem Blühflächen gegen Insektensterben zum Ausgleich gesät werden. Genaue Angaben über deren Größe oder die Pflege in trockenen Hitzesommern gibt es aber nicht.

Nachhaltiger Weihnachtsbaum: Das sind die Empfehlungen von Nabu und Bund

Aldi verspricht hingegen, seit Herbst 2022 Mischwälder zu pflanzen. Insgesamt soll eine Fläche von insgesamt 140.000 Quadratmetern allein durch Aldis Maßnahme entstehen.

Nabu und Bund haben noch andere Empfehlungen für einen nachhaltigen Weihnachtsbaum. So wünscht sich der Naturschutzbund, auf Pestizide möglichst ganz zu verzichten und auf Plantagen-Modelle zu setzen, bei denen beispielsweise Schafe ungewünschtes Gewächs beseitigen. Beide empfehlen Verbrauchern aber, beim Kauf von Weihnachtsbäumen auf zertifizierte Öko-Siegel, heimische Sorten und kurze Transportwege zu achten.

Übrigens: Ein Weihnachtsbaum aus Plastik kann sich finanziell zwar schnell lohnen, aus Umwelt-Sicht ist diese Variante aber kaum besser. Auch bei mehrjährigem Gebrauch ist ihre Umweltbilanz nur unwesentlich besser als bei konventionellen Weihnachtsbäumen, so Bund.

Rubriklistenbild: © Rene Traut/APress/Imago; Collage: RUHR24

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