Feiertage während der Pandemie

Trotz Corona Weihnachten feiern: Virologe Drosten hat einfachen Tipp

Weihnachten feiern trotz der Corona-Krise? Virologe Christian Drosten empfiehlt eine Art „Vorquarantäne“, um das Risiko einer Infektion zu senken.

Dortmund - Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten für den Monat November einen deutschlandweiten „Lockdown light“ angeordnet haben, soll primär das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch bewahren. Der „Wellenbrecher“ dient aber nicht allein diesem Ziel.

VirologeChristian Drosten
Geboren12. Juni 1972 (Alter 48 Jahre), Lingen (Ems)
ArbeitgeberCharité in Berlin
AmtInstitutsdirektor Virologie

Weihnachten trotz Coronavirus: „Lockdown light“: Das rät Virologe Christian Drosten

Indem die Fallzahlen bereits jetzt auf ein möglichst kontrollierbares Niveau gedrückt werden, soll Weihnachten - zumindest einigermaßen - gerettet werden. „Wir werden politisch alles tun, damit es auf den November beschränkt bleibt“, sagte Angela Merkel wenige Tage nach Bekanntgabe der verschärften Corona-Maßnahmen im Bundestag.

Das Interesse daran ist nur allzu verständlich. Ein Ausfall des Weihnachtsgeschäfts wäre für etliche Branchen ein wirtschaftlicher Nackenschlag. Der Anteil der umsatzstarken Weihnachtszeit am Jahresumsatz ist mitunter enorm.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft, dass sich die strengeren Corona-Maßnahmen auf den November beschränken.

Fast noch wichtiger erscheinen niedrige Coronavirus-Fallzahlen zur Weihnachtszeit mit Blick auf die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie (die Entwicklungen im NRW-Ticker). Weihnachten ist hierzulande das wohl wichtigste Familienfest. Gefeiert wird überwiegend im privaten Raum. Also genau dort, wo sich nach mehrheitlicher Überzeugung der Virologen die meisten Infektionen verorten lassen.

Coronavirus-Experte Drosten rät: Vorquarantäne als Maßnahme für Weihnachten

Noch dazu kommen an Weihnachten viele Familien aus verschiedensten innerdeutschen Regionen, teils sogar dem Ausland, zusammen. Die Sorge, dass Weihnachten zu einem enormen Pandemietreiber wird, ist berechtigt. Feiern „in üppigem Stil“ würden nicht möglich sein, betonte Angela Merkel bereits. Verbieten wird man das Feiern der Geburt Christi dennoch nicht.

„Es wird ein Weihnachten unter Corona-Bedingungen sein, aber es soll kein Weihnachten in Einsamkeit sein“, hofft die Bundeskanzlerin auf einen möglichst erträglichen Mittelweg. Um den zu erreichen, könnte das Konzept der Vorquarantäne erneut in den Blickpunkt rücken, welches Virologe Christian Drosten (48) bereits in einem Interview mit der Zeit Anfang Oktober als möglicherweise effektive Schutzmaßnahme in Erwägung zog.

Corona: Vorquarantäne keine „totale Sicherheit“ für Weihnachten

Wer Weihnachten mit der Familie feiern möchte, soll „einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden“. Man könne dann mit dem Wissen zu den Verwandten fahren, sich in dieser Woche wahrscheinlich nicht infiziert zu haben (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

„Wenn überhaupt, dann hat man sich vielleicht eher in der Woche zuvor angesteckt, und dass in diesem Fall alle aus der Familie symptomfrei bleiben, ist eher unwahrscheinlich“, so der Virologe. Letztlich liege es aber in der Hand der Menschen, die Risiken ein Stück weit selbst abzuwägen. Denn: „Es gibt keine totale Sicherheit, es bleiben immer Restrisiken.“

Drosten empfiehlt Vorquarantäne: Mögliches Konzept für Weihnachten hat Schwachstelle

Das Konzept der Vorquarantäne ist grundsätzlich nicht neu. Vor dem Re-Start der Fußball-Bundesliga im Mai verbrachten die Mannschaften die Tage vor dem ersten Spiel gemäß dem DFL-Hygienekonzept völlig abgeschirmt im Hotel. Allerdings hat das Konzept für viele Menschen eine entscheidende Schwachstelle: die Umsetzbarkeit.

Nur die wenigsten können sich eine ganze Woche nahezu komplett isolieren. Das setzt Ferien, Urlaub oder einen Job im Homeoffice voraus. Um das Dilemma weiß auch Christian Drosten. „Natürlich muss jeder im Einzelfall überlegen, wie das im Alltag umsetzbar ist.“

Derweil ist sich der Virologe sicher, dass auch Ostern, das Hauptfest des kirchlichen Jahres, noch im Zeichen der Covid-19-Pandemie stehen wird. Die Pandemie wird bis dahin nicht beendet sein, so der Virologe Anfang November gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Für ein bisschen Hoffnung sorgte der 48-Jährige dennoch. „Aber spätestens im Sommer wird sich unser Leben deutlich zum Positiven verändern können - wenn wir jetzt die akut steigenden Ansteckungszahlen in den Griff bekommen.“

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch, Christophe Gateau/dpa; Collage: RUHR24

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