Vorsicht vor Keimen

Wasserfilter in der Kritik: Experten warnen vor "falscher Sicherheit"

Statt abgefülltes Wasser in Flaschen zu kaufen, greifen viele auf Leitungswasser zurück. Manche nutzen zudem Wasserfilter - ist das sinnvoll?

  • Das Wasser aus der Leitung ist in Deutschland von sehr guter Qualität.
  • Dennoch greifen viele zu in Flaschen abgefülltem Wasser oder filtern das Wasser zusätzlich.
  • Doch wie sinnvoll sind die Helfer für zu Hause überhaupt? Und wie schädlich die möglichen Schadstoffe im Wasser?

NRW - Jeder zwölfte Deutsche denkt, dass man das Wasser aus Leitung nicht bedenkenlos trinken kann. Jeder sechste ist außerdem von der Qualität des Wassers schlichtweg nicht überzeugt. Wie RUHR24.de* berichtet, sind die häufigsten Bedenken der Verbraucher: Nitrat im Grundwasser, Blei in den Trinkwasserrohren, Rückstände von Hormonen oder Pestiziden.

Chemische Verbindung

Wasser

Formel

H²O

Siedepunkt

100 °C

Schmelzpunkt

0 °C

Wasser aus der Leitung von guter Qualität: Ist filtern wirklich sinnvoll?

Der Grund, weshalb das Wasser aus der Leitung so hochwertig ist: In Deutschland gibt es eine Trinkwasserverordnung die regelt, dass die Wasserwerke mögliche Schadstoffe aus dem Wasser filtern müssen. Außerdem werden strenge Kontrollen durchgeführt, bevor das Wasser durch die Leitungen fließt und letztlich zu Hause aus dem Hahn kommt.

Trinkwasser gehört somit zu den am besten und strengsten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland, wie Utopia berichtet. Zwar befinden sich im Wasser Rückstände von Medikamenten, diese sind laut der Verbraucherzentrale NRW aber so gering, dass keine akute Gesundheitsgefahr besteht. Auch überhöhte Nitratwerte sind eher selten.

Lieber Filtern? Diese Gefahren kann Wasser aus der Leitung bergen

Theoretisch garantiert die Trinkwasserverordnung also einwandfreies Wasser in Deutschland, auch das Wasser in Dortmund hat eine gute Qualität* - allerdings nur bis zum Hausanschluss. Denn einige kritische Stoffe wie Blei oder Kupfer können auch erst später, über alte Rohrleitungen im Haus in das Wasser gelangen. Bleirohre sind zwar eher selten, aber in Altbauen, die vor 1973 errichtet wurden, teilweise noch vorhanden.

Ist es also besser, das Wasser vorsorglich zu filtern, um auch diesen möglichen Gefahren aus dem Weg zu gehen? Jedenfalls werben viele Hersteller von Wasserfiltern damit, dass ihre Produkte das Trinkwasser von Schadstoffen, Kalk und Bakterien befreien. Besonders angesagt sind zurzeit Filter mit Aktivkohle.

Wer sein Wasser filtern möchte, sollte dabei auch stets den Filter selbst im Auge behalten. Das Leitungswasser wird allerdings bereits streng kontrolliert.

Wasser filtern: Produkte sind oft ein Nährboden für verheerende Keime

Sie sind sowohl als Einbaufilter unter der Spüle, als auch in Kannen und anderen Gefäßen erhältlich. Letztere sind gleichzeitig die bekanntesten Wasserfilter. Sie können einige Stoffe wie Pflanzenbehandlungsmittel oder Medikamente aus dem Leitungswasser filtern. Andere Stoffe wie Blei, Nitrat oder Kalk bleiben jedoch im Wasser. Und es gibt noch andere Kritikpunkte, die die Redakteure von Utopia auflisten

Die enthaltene Aktivkohle ist nämlich ein guter Nährboden für Mikroorganismen. Wenn der Filter gerade nicht in Benutzung ist oder das Wasser länger im Behälter steht, können sich Keime darin vermehren. Bei Tests wurden im gefilterten Wasser schon Keimzahlen gemessen, welche die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung "um mehr als das Hundertfache überschritten", wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit berichtet.

Diese Varianten gibt es, um das Wasser im eigenen Haushalt zu filtern

Außerdem kommt erschwerend hinzu, dass Verbraucher bei sogenannten Tischfiltern in Kannen kaum überprüfen können, ob der Filter bereits aufgebraucht ist. Wenn der Filter jedoch erschöpft ist, kann es schlimmstenfalls zu einem Bruch kommen. Die gesammelten Stoffe werden dann konzentriert wieder ins Wasser abgegeben (mehr Service-Artikel auf RUHR24.de*).

Eine weitere Möglichkeit, um Wasser zu filtern ist der Ionenaustauscher. Hier werden Ionen gleicher Ladung ausgetauscht und beispielsweise Kalk im harten Wasser wird durch Natrium-Ionen ersetzt. Auch Blei und Nitrat können mit dieser Variante herausgefiltert, beziehungsweise ersetzt werden. Ionenaustauscher können zentral angebracht werden und so das Wasser eines ganzen Hauses enthärten. Es gibt sie aber auch als Tischfilter.

Verbraucherzentrale warnt davor, Wasser zu filtern

Doch Vorsicht: Ähnlich wie beim beliebten Aktivkohlefilter ist auch hier die Verkeimungsgefahr hoch. Auch hier können Verbraucher meist nicht ablesen, wann ein Austausch des Filters wirklich sinnvoll ist. Der Ionenaustauscher kann die gefilterten Schadstoffe ebenfalls wieder konzentriert ins Wasser zurückgeben.

Die Verbraucherzentralen warnen: "Ein Filter wiegt in falscher Sicherheit. Die Gefahr, unbemerkt eine geballte Ladung der Stoffe aufzunehmen, ist groß, wenn der Filter voll ist. Auch Abkochen beseitigt Blei und Nitrat nicht." Hinzu kommt, dass die Filterpatronen nicht recyclebar sind und somit Müll produzieren.

Wasser filtern: Auch Flaschen sind nicht immer unbedenklich

Wer jetzt doch wieder zur Flasche mit abgefülltem Wasser greifen will, geht aber auch nicht jeder möglichen Gefahr aus dem Weg. Wasser aus Plastikflaschen ist häufig hormonell belastet. Mögliche Ursachen hierfür sind entweder die Wasserquelle, die Abfüllanlage oder das Plastik selbst. Auch Öko-Test hat mehrere Sorten stilles Wasser unter die Lupe genommen*.

Stiftung Warentest kam 2016 in einer Untersuchung ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Leitungswasser gesünder ist als Mineralwasser. Für Leitungswasser gelten strengere Vorschriften als für Mineralwasser: etwa bei Grenzwerten für Pestizide und Uran. Außerdem sind die angeblichen Mineralstoffe ein Mythos. Filter für Wasser kaufen oder Kisten schleppen ist demnach in Deutschland unnötig. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/Stefan Effner/dpa; Collage: RUHR24