Erschreckende Untersuchung

Warnung bei Obst: Gesundheitsgefährdende Rückstände auf vielen Früchten festgestellt

In deutschen Supermärkten findet man längst auch exotisches Obst im Standardsortiment. Was als gesund gilt, kann wegen Pestiziden aber tatsächlich bedenklich sein.

Dortmund - Obst gehört wohl für die meisten zu einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung. Gerade im Sommer wächst die Auswahl an exotischen Früchten wie Mangos, Limetten oder Papayas in den Supermärkten. Aber sind diese auch unbedenklich?

Non-Profit-OrganisationGreenpeace
Gründung1971 in Vancouver, Kanada
HauptsitzAmsterdam, Niederlande

Pestizide auf Obst überschreiten zugelassenen Wert: Exotische Früchte betroffen

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat der globale Handel mit exotischem Obst in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Die leckeren Früchte spielen auch eine große Rolle bei dem Freihandelsabkommen Mercosur, das die EU mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay beschließen will.

Die vier südamerikanischen Staaten versprechen sich dadurch bessere Absatzchancen in Europa für ihre Ernteerzeugnisse. Die EU-Länder wollen dafür mehr Pestizide, Autos und andere Güter exportieren. Verbraucher aus der EU sollen durch das Abkommen auch Zollkosten sparen. Allerdings läuft die Debatte noch. Kritische Stimmen sind etwa der Meinung, dass das Abkommen dazu beitragen könnte, den Regenwald zu zerstören, wie ARD berichtet.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat das geplante Abkommen zum Anlass genommen, um Früchte aus Brasilien im deutschen Handel stichprobenartig auf Rückstände von Pestiziden zu untersuchen. Das Ergebnis ist erschreckend.

Mehr als zugelassen: Pestizide im Obst sind bedenklich

Bei der Stichprobe wurden Mangos, Papayas, Melonen, Feigen und Limetten, die zwischen April und Mai bundesweit gekauft wurden, untersucht. Das Ergebnis: Von insgesamt 70 untersuchten Früchten haben 59 Prozent Pestizid-Rückstände. 35 verschiedene Pestizide wurden dabei festgestellt, heißt es in dem Bericht von Greenpeace.

In vier Fällen wurde sogar der gesetzlich zugelassene Grenzwert von Pestiziden überschritten, heißt es weiter. Außerdem wurden in etwa zwei Drittel der Proben gleich mehrere Stoffe gefunden. Eine Papaya enthielt sogar neun verschiedene Rückstände. Obst sollte vor dem Verzehr daher immer gründlich abgewaschen werden.

Obst gilt aus gesund. Umso ärgerlicher, wenn es mit bedenklichen Pestiziden bearbeitet wurde.

Warnung: Pesitzide stehen im Verdacht, die Gesundheit zu schädigen

Greenpeace hat die Analyse bei zwei unabhängigen Laboren in Auftrag gegeben. Bei der Untersuchung wurden auch Wirkstoffe nachgewiesen, die in der EU gar nicht erlaubt sind. Darunter etwa die Insektizide Imidacloprid und Chlorfenapyr. Wie die österreichische Umweltorganisation Global2000 in ihrer Pestizidtabelle (PDF) festhält, stehen die Substanzen im Verdacht fortpflanzungsschädigend, erbgutverändernd oder krebserregend zu sein.

Beide Mittel werden unter anderem vom deutschen Bayer-Konzern beziehungsweise BASF hergestellt. Die Firmen betonen allerdings auch, dass sie für diese Stoffe in der EU keine Zulassung als Pflanzenschutzmittel beantragt hätten (mehr Warnungen und Rückrufe bei RUHR24).

Bedenkliche Pestizide auf Obst: Erschreckende Untersuchung von Greenpeace

2019 wurden laut Greenpeace Pflanzenschutzmittel im Wert von mindestens 915 Millionen Euro aus der EU in den Mercosur-Raum exportiert. Bayer und BASF steuerten 2020 etwa zwölf Prozent der in Brasilien zugelassenen Produkte bei. „Mehr als zwei Drittel der Wirkstoffe, die die deutschen Unternehmen in Brasilien verkaufen, sind als hochgefährliche Pestizide eingestuft“, sagt Jürgen Knirsch, Greenpeace-Experte für Handel.

Obwohl zahlreiche Wirkstoffe in der EU gar nicht zugelassen sind, würde Deutschland den Export erlauben. Deutsche Chemiekonzerte würden davon profitieren. Ein weiterer Kritikpunkt in der Debatte um das Mercosur-Abkommen, wie auch fr.de* berichtet. Das Portal 24garten.de berichtet über bienenfreundliche Pflanzen im Garten und darüber, dass diese nicht immer so helfen, wie erhofft.

Die Pestizidhersteller wehren sich allerdings gegen diese Vorwürfe. „Bayer verkauft bereits seit 2012 keine Pflanzenschutzmittel mehr, die von der Weltgesundheitsorganisation als besonders toxisch eingestuft werden“, so ein Sprecher des Unternehmens. Bayer und BASF bieten nach eigenen Angaben weltweit Schulungen für Landwirte an, damit Pestizide sachgerecht angewendet werden.

Pestizide auf Obst: Darum sind sie so gefährlich

Pestizide werden schon lange beim Anbau von Obst und anderen Ernteprodukten eingesetzt. Auch Zimmerpflanzen und Schnittblumen werden mit Pestiziden behandelt. Doch nicht alle bewirken das Gleiche. Laut Bund lassen sie sich in drei Kategorien einteilen:

  • „Pflanzenschutzmittel“ im Agrar-, Forst- und Gartenbereich
  • Biozide zur Bekämpfung unerwünschter Lebewesen im Haushalt
  • Gifte nach „Ziel-Organismen“: Insektizide (gegen Insekten), Herbizide (gegen Pflanzen), Fungizide (gegen Pilze) und weitere

Laut Greenpeace ist vor allem die langfristige Wirkung von Pestiziden gefährlich für Verbraucher: Sie können die Zellteilung stören, das Entstehen von Krebs begünstigen, das Erbgut verändern, das Immunsystem beeinträchtigen oder Allergien auslösen. *fr.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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