Verbraucherschutz

Warnung vor kuriosem Lotto-Betrug: Krumme Summe gefordert

Immer wieder kursieren Briefe, durch die Opfern das Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Ein aktueller Fall belegt die Dreistigkeit der Betrüger.

NRW – Dass Betrüger vor jeder noch so dreisten Masche nicht zurückschrecken, zeigen zahlreiche Beispiele der Vergangenheit. Auch in einem aktuellen Fall beweisen Kriminelle ein Maß an Chuzpe, mit der sie ihren Opfern das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Entsprechend vorsichtig sollten die Empfänger eines ominösen Schreibens sein, das aktuell im Umlauf ist.

Verbraucherzentralenauf Landesebene organisierte Vereine, die sich dem Verbraucherschutz widmen und Beratungsleistungen erbringen
Gründung1. November 2000
Rechtsformeingetragener Verein

Verbraucherzentrale warnt vor Betrugsbriefen mit angeblichen Zahlungsaufforderungen

Wie die Verbraucherzentrale berichtet, kursieren momentan Mahnbriefe mit völlig haltlosen Zahlungsaufforderungen per Lastschriftverfahren. Die Schreiben strotzen nur so vor leeren Drohungen und an Dreistigkeit kaum zu überbietenden Formulierungen, mit denen die Empfängerinnen und Empfänger eingeschüchtert werden sollen – ähnlich wie bei Betrugs-E-Mails.

Das Wichtigste also vorweg: Die geforderten Beträge sollten auf keinen Fall bezahlt werden, auch wenn man das per Lastschriftverfahren versendete Geld durch einen Widerruf innerhalb von acht Wochen zurückbekommen kann (mehr Warnungen auf RUHR24).

Betrüger fordern bis zu 400 Euro von ihren Opfern – und drohen mit Konsequenzen

Die Forderung liegen je nach Mahnbrief zwischen rund 290 und fast 400 Euro und stammen von diversen erfundenen Anwaltskanzleien, wie zum Beispiel „Schmidt und Kollegen aus München“. Vorwand ist die angebliche telefonische Anmeldung zu einem Lotto-Gewinnspiel, genauer gesagt zum Dienstleistungsvertrag „EURO LOTTO ZENTRALE EURO JACKPOT-6/49“.

Wenig überraschend wird sich wohl kein Empfänger des betrügerischen Briefes an eine solche Anmeldung erinnern können. Kein Wunder: Schließlich ist diese völlig aus der Luft gegriffen. Zwar könne man laut der Verbraucherzentrale unter anderem Verträge für Lotterien am Telefon abschließen, allerdings seien diese nur mit einer folgenden schriftlichen Bestätigung gültig.

Verbraucherzentrale klärt auf: Verträge für Lotterien sind ohne schriftliche Bestätigung ungültig

Die Masche ist keine Revolution der Betrugsideen und bei den dilettantischen Firmennamen zeigen die Betrüger wenig Erfindergeist. Wie die Verbraucherzentrale berichtet, seien 2021 bereits Mahnungen der angeblichen „Pro Collect AG“ aus Köln im Umlauf gewesen, die von ihren Opfern 272,46 Euro gefordert hatte.

Dieses Mal fordert unter anderem die „EU-Collect AG“ aus Hamburg 389,50 Euro. Diese Unternehmen sind frei erfunden, sie sollen den Inkassoschreiben Nachdruck verleihen und so etwas wie Seriösität vermitteln.

Gläubiger, Internetseite, E-Mail-Adresse, Posteingang – Fake-Briefe lassen sich leicht enttarnen

Eine Kontaktaufnahme mit den genannten Fantasie-Konzernen ist nicht möglich. Die angeblichen Anwälte „Schmidt und Kollegen“ sollen zwar ihren Sitz in der Maximilianstraße in München haben, ein Postempfang werde aber ausgeschlossen.

Denn auf diesem Wege könnten sich die Betrugsopfer an die erfundene Kanzlei wenden und gegen die Forderung zur Wehr setzen – was so gar nicht im Sinne von Betrügern sein kann, die durch ihre dreiste Masche das schnelle Geld ersehnen.

Auch unter der hinterlegten Telefonnummer erreiche man nur eine Mailbox, eine Internetseite oder E-Mail-Adresse werde sicherheitshalber erst gar nicht angegeben, erklärt die Verbraucherzentrale. Ebenso seien andere Fantasie-Kanzleien über das Internet nicht zu erreichen.

Betrüger wollen Panik bei Opfern hervorrufen und zu unüberlegtem Handeln verleiten

Geht es nach den Kriminellen, so sollen die ersten Tropfen Angstschweiß bereits bei der üblichen Überschrift „Vorgerichtliche Mahnung“ fließen. Durch an den Haaren herbeigezogene Hinweise auf mögliche Konsequenzen einer ausbleibenden Zahlung soll weiterer Druck auf die Opfer erzeugt werden.

Ein gewisses Mindestmaß an Scham ist den Kriminellen anscheinend nicht bekannt. Die Verbraucherzentrale rät den Empfängern, sich durch Drohungen in Form von Vollstreckungsbescheiden, Zwangsvollstreckungen durch Gerichtsvollzieher oder Pfändungen nicht aus der Fassung bringen zu lassen und den Kriminellen die kalte Schulter zu zeigen.

Derzeit versuchen Betrüger, ihren Opfern mittels falscher Mahnbriefe das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Angedrohte Konsequenzen in Betrugs-Briefen sind haltlos und entbehren jeglicher Grundlage

Schließlich sei beispielsweise eine Pfändung „ohne einen rechtskräftigen Titel wie einen Vollstreckungsbescheid oder ein Gerichtsurteil nicht möglich“. Auch die fehlende Angabe zum vermeintlichen Gläubiger sollte aufhorchen lassen und dafür sorgen, dass der Brief schnellstmöglich im Papierkorb landet.

Ebenso strotzt das hinterlegte Kündigungsformular nur so von unseriösem Gebaren. Schließlich könne dies nur per Fax oder QR-Code eingereicht werden.

Verbraucher können sich schützen – Verbraucherzentrale mit klarer Empfehlung

Sollten Verbraucher mögliche Inkassoforderungen sicherheitshalber doch überprüfen wollen, empfiehlt die Verbraucherzentrale ihren Inkasso-Check. Allgemein gilt: Man sollte sich nicht von derartigen Schreiben und den darin enthaltenen Fristen einschüchtern lassen, sondern die Angaben in Ruhe überprüfen. In der Regel fällt die so aufwändig konstruierte Falle schneller in sich zusammen als das Ehrgefühl der Betrüger im Angesicht eines hohen Geldeingangs.

Rubriklistenbild: © Thomas Trutschel/photothek; MiS/Imago; Collage: Julian Kaiser/RUHR24

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