Streit mit Julia Klöckner

Kurioser Hinweis: Limo-Hersteller warnt Kunden vor eigenem Produkt

Lemonaid Limonade Julia Klöckner
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Der Hersteller Lemonaid warnt vor seinem eigenen Produkt. Grund ist ein Streit mit Julia Klöckner (CDU).

Ein Hersteller zeichnet sein Produkt aktuell mit einem Warnhinweis aus. Die Limonade ist jedoch trotzdem weiter im Handel erhältlich.

Dortmund – Hin und wieder können ungewollte Inhaltsstoffe in Lebensmittel gelangen. Werden diese entdeckt, warnen die Hersteller und Supermärkte mit einem Rückruf vor dem Verzehr und nehmen betroffene Produkte aus dem Sortiment. Aktuell warnt auch ein Unternehmen vor seiner Limonade, den Artikel kann man allerdings weiterhin kaufen.

UnternehmenLemonaid
HauptsitzHamburg
E-Mailinfo@lemonaid.de

Limonade und Lemonaid: Hersteller warnt vor eigenem Produkt

Um ein Produkt entsprechend zu nennen, müssen in Deutschland und der EU verschiedene Kriterien erfüllt werden. So dürfen etwa Pflanzendrinks nicht den Beinamen „Milch“ enthalten, weil sie nicht aus den Eutern eines Säugetiers stammen. Da diese Vorschriften nur für Lebensmittel gelten, darf die „Scheuermilch“ weiterhin so heißen.

Der Limonaden Hersteller „Lemonaid“ kämpft schon länger mit einem ähnlichen Problem. Seine Getränke entsprechenden nicht den Vorschriften durch die eine Limonade auch zur Limonade wird. Aber wie genau sehen die aus?

Zucker-Kampf mit Julia Klöckner bei Limonade: Hersteller muss vor Produkt warnen

Damit ein Getränk „Limonade“ heißen darf, muss es in Deutschland mindestens 7 Prozent Zucker enthalten. Die Getränke des Herstellers Lemonaid kommen allerdings nur auf 6 Prozent, die Sorte Maracuja sogar nur auf 5,6 Prozent. Weil das Unternehmen seine Produkte trotzdem als „Limonade“ verkauft, hat es laut utopia bereits 2018 eine Abmahnung bekommen.

Seitdem steckt das Unternehmen im Zucker-Kampf gegen diese Richtlinien und gegen Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU). Im Zuge dessen ließ Lemonaid unter anderem eine Statue aus Zucker in Form von Klöckner anfertigen und stellte diese vor dem Gebäude des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf.

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Der damalige Vorschlag von Lemonaid: Statt Limonaden wegen eines niedrigen Zuckergehaltes abzumahnen, solle einfach die Schwelle von 7 Prozent Zuckeranteil gesenkt werden.

Hersteller warnt vor seiner Limonade: Aktion soll Verschwendung verhindern

Die Aktion hatte Erfolg. Die Lebensmittelbuch-Kommission hat im Februar 2021 die Mindestzuckergrenze für Limonade aufgehoben. Einen Haken gibt es allerdings. So müssen laut dem Beschluss Limonaden, die ohne andere Süßstoffe weniger als 7 Prozent Zucker enthalten, den Zuckergehalt auch auf der Flasche beziehungsweise dem Etikett angeben.

Die Flaschen von Lemonaid haben aber kein Etikett. Das Logo, das Mindesthaltbarkeitsdatum und auch die Inhaltsstoffe werden in weißer Schrift direkt auf die Glasflasche gedruckt. Um den Zuckergehalt korrekt anzugeben, müsste Lemonaid laut eigenen Angaben Millionen neue Flaschen anschaffen und obendrein die aktuellen entsorgen.

Mit Etikett: Lemonaid warnt vor eigener Limonade – Klöckner sieht sich nicht zuständig

Deshalb warnt der Hersteller aktuell mit einem Etikett auf den Flaschen vor seinem Produkt. „Achtung, wenig Zucker“ steht in großen Buchstaben auf dem Sticker, der optisch den Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen ähnelt.

Lemonaid warnt mit einem Etikett vor seinem Produkt.

Mit der neuen Verordnung für Limonaden ist Lemonaid aber noch nicht zufrieden. „Dass wir einen Warnhinweis anbringen müssen, weil unsere Limonaden ‚zu gesund‘ sind, widerspricht jeder Intuition“, so Lemonaid-Gründer Paul Bethke. „Es sollten doch die Hersteller, die überzuckerte Getränke vermarkten, abgestraft werden.“ Lemonaid befürchtet außerdem, dass der Hinweis auf den Flaschen Kunden verwirren könnte.

Julia Klöckner in der Kritik: „Ich bin nicht die Ernährungsnanny“

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) stand wegen der Thematik im vergangenen Jahr häufiger in der Kritik. Unter anderem auch, weil der Nutri-Score in Deutschland nicht verpflichtend für Hersteller ist. Er soll per Ampel-System zeigen, wie gesund die Lebensmittel aus dem Supermarkt sind.

Ihr Argument: Geschmack, und damit den hohen Zuckergehalt, würde der Staat nicht vorschreiben. Im Morgenmagazin der ARD verkündete sie: „Ich bin nicht die Ernährungsnanny der Nation.“ Ob die Vorschrift zur Zucker-Angabe doch noch gekippt wird, bleibt abzuwarten.