Wohltat im Winter, oder?

Vollbad nehmen: Experten warnen bei manchen Menschen vor Gefahr

Ein warmes Bad ist für manche Menschen – insbesondere im Winter – eine echte Wohltat. Was für einige entspannend sein kann, birgt für andere jedoch ein Risiko.

Dortmund – Ab in die Wanne! Zwischen Schaumkronen und warmem Wasser abzutauchen bedeutet für manche Menschen Entspannung pur. Ein Forschungsteam aus Japan will im Rahmen einer Studie herausgefunden haben, dass ein tägliches Vollbad sich sogar positiv auf die Gesundheit auswirken soll. Allerdings nicht für jeden: Für manche Menschen kann Baden regelrecht gefährlich werden.

Vollbad nehmen: Gesund oder nicht? Das sagen die Experten

Rund 20 Jahre hat das japanische Wissenschaftsteam untersucht, wie sich Baden auf die Gesundheit auswirkt. Das Ergebnis überrascht: Die Experten fanden im Rahmen der 2020 abgeschlossenen Studie heraus, dass das Schlaganfallrisiko um 26 Prozent gesenkt wird, wenn man täglich in die Badewanne steigt.

Die Erkenntnis ist jedoch umstritten. So gibt es auch einige Argumente, die gegen ein vermeintlich wohltuendes Bad sprechen. So werden bei einem Vollbad rund 120 Liter Wasser verschwendet, bei einem Gang unter die Dusche hingegen nur rund 40 Liter. Und das ist nicht nur besser für den Geldbeutel, sondern schont auch noch die Umwelt.

Baden: Sprung in die Badewanne kann für manche Menschen gefährlich werden

Aber auch aus gesundheitlicher Perspektive gibt es Bedenken hinsichtlich dem Sprung in die Badewanne. Wie zwei Ärzte gegenüber Stiftung Warentest erklären, ist es insbesondere für Menschen mit Haut- oder Herzerkrankungen alles andere als förderlich, ein Bad einzunehmen. In einigen Fällen kann es sogar regelrecht gefährlich werden.

Wer an einer Herz-Kreis­lauf-Erkrankung leidet, sollte lieber nicht in die Badewanne, rät Karl-Heinz Schmitz, Mitglied im Bundesverband niedergelassener Kardiologen. Denn durch die Temperatur und den Wasserdruck in der Wanne wird das Herz zusätzlich belastet. Eine kurze, nicht allzu heiße Dusche ist für Menschen mit Herzproblemen also zu bevorzugen.

Ähnliches wird für Menschen mit Hauterkrankungen oder Krampfadern empfohlen. Laut BR ist extreme Hitze bei Venenleiden keine gute Idee. Durch ein heißes Vollbad oder auch einen Saunagang weiten sich die Blutgefäße und das Blut sackt in die Beine. Außerdem ist das Risiko für eine Blutstauung deutlich höher.

Baden gut für die Haut oder nicht? Das sollten Betroffene in der Badewanne beachten

Wenn die Haut trocken ist und juckt oder man sogar an Neurodermitis leidet, ist ein Vollbad ebenfalls keine optimale Idee zum Entspannen. Denn heißes Wasser und Inhaltsstoffe in vielen Badezusätzen trocknen die Haut noch weiter aus. Dermatologe Tobias Weberschock verrät gegenüber Stiftung Warentest jedoch einen Lifehack, sodass betroffene Personen doch nicht gänzlich auf ein Bad verzichten müssen.

So ist bei trockener Haut unter anderem ein Ölbad zu empfehlen – anstatt Schaum sind Zusätze mit Erdnuss-, Mandel- oder Sojabohnenöl eine echte Wohltat für die Haut. Das Öl bleibt auch nach dem Baden wie ein dünner Film auf der Haut und sorgt für weniger Juckreiz. Einen ähnlichen Effekt kann man auch bei Meersalz feststellen. Insbesondere bei Menschen mit Neurodermitis konnte nachgewiesen werden, dass Totes-Meer-Badesalz durch­blutungs­fördernd und entzündungs­hemmend wirken kann.

Nicht für alle ist ein Vollbad zu empfehlen. Menschen mit Herz- oder Hautproblemen sollten aufpassen.

Tipps für die Badewanne: Mit diesen Regeln wird Baden zur echten Entspannung

Aber auch für alle anderen Menschen gelten einige Regeln, um möglichst sorgenlos ein Bad in der Badewanne genießen zu können:

  • Die Wassertemperatur sollte zwischen 36 und 38 Grad liegen. Höhere Temperaturen belasten auch bei gesunden Menschen den Kreislauf.
  • Ein Glas Wein in der Badewanne zu trinken, ist ebenfalls keine gute Idee. Alkohol weitet die Gefäße, was in Verbindung mit heißem Wasser Kreislaufproblemen führen kann.
  • Im Hinblick auf Geldbeutel, Umwelt und Hautschutz sollte man nicht öfter als zweimal die Woche eine Badewanne voll laufen lassen.

Wer diese Regeln beachtet, tut seinem Körper und seiner Gesundheit aber tatsächlich etwas Gutes. Denn Baden stärkt prinzipiell das Immunsystem. Aber Achtung: Der Mythos, dass ein Bad ein bewährtes Hausmittel bei einer Erkältung sein soll, konnte bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Ein Vollbad ist also viel mehr vorbeugend zu empfehlen und nicht erst, wenn die Nase schon läuft.

Rubriklistenbild: © Norbert SCHMIDT