Bundesregierung mit Tipps

Coronavirus: Ergibt ein Lebensmittel-Vorrat aktuell Sinn, oder nicht? 

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In China, wo das Coronavirus im Dezember 2019 zum ersten Mal ausgebrochen war, machen die Menschen schon länger Hamsterkäufe.

Hamsterkäufe: Ergibt ein Lebensmittel-Vorrat in Zeiten des Coronavirus Sinn? Die Bundesregierung hat zu Vorräten im Katastrophenfall Tipps gegeben. 

  • In Europa breitet sich das Coronavirus immer weiter aus, auch in Deutschland gibt es Fälle.
  • Um sich auf eine mögliche Pandemie vorzubereiten, legen Menschen jetzt Lebensmittel-Vorräte an.
  • Für den Notfall sollte man gewisse Dinge in Sachen "Hamsterkäufe" beachten.

Dortmund - Das Coronavirus ist zurück in Deutschland. In Baden-Württemberg sowie Nordrhein-Westfalen gibt es nach den Fällen von Bayern zwei weitere bestätigte Fälle. Der neuartige Erreger Sars-CoV-2 breitet sich weiter aus. Und die Menschen bereiten sich darauf mit Hamsterkäufen vor, wie RUHR24* berichtet. 

Coronavirus: Menschen in Norditalien machen Hamsterkäufe

In Italien, dem Land mit den meisten Infizierten in ganz Europa, werden viele Menschen panisch. Nachdem dort mehr als 300 Coronavirus-Infektionen (Stand: 26. Februar) bestätigt wurden, sind die Straßen in einigen Regionen wie ausgestorben, Veranstaltungen wurden abgesagt und Schulen sowie öffentliche Einrichtungen sind geschlossen. Was es für berufstätige Eltern bedeutet, wenn die Schule oder die Kita wegen des Coronavirus geschlossen bleibt, könnt ihr hier nachlesen

Zugleich sind viele Supermärkte beinahe leergekauft - die Bürger machen Hamsterkäufe und fangen an, Unmengen an Lebensmitteln zu Hause zu horten. Das sorgt bei nicht wenigen für Kopfschütteln und ausgemachte Hysterie.

 Mittlerweile gibt es in manchen Supermärkten kaum noch Nudeln oder andere Lebensmittel, die sich lange halten. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile erste Menschen, die Lebensmittel bunkern. Doch wie sinnvoll ist das?

Lebensmittel-Vorräte bei Katastrophen jeglicher Art - nicht nur Coronavirus

Welche Lebensmittel-Vorräte man im Katastrophenfall zu Hause haben sollte, empfehlen Experten des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Tipps gelten nicht speziell für einen Ausbruch des Coronavirus, sondern sind auf Notlagen jeglicher Art anwendbar. Dazu gehören in erster Linie Naturkatastrophen wie Hurrikans, Lawinen oder Überschwemmungen.

Für eine optimale Versorgung empfiehlt die Bundesregierung zunächst einen Vorrat von zehn Tagen - regelrechte Hamsterkäufe sind nicht nötig. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass ausreichend Flüssigkeit gebunkert wird. Warum? Weil ein Mensch mitunter drei Wochen ohne Nahrung auskommen kann, aber nur maximal vier Tage ohne Flüssigkeit. 

Lebensmittel-Vorräte - allgemeine Tipps für Hamsterkäufe

Es empfehlen sich daher die folgenden allgemeinen Richtlinien, an die sich Menschen halten sollten, die Lebensmittel-Vorräte planen (Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe)

  • Pro Person und Woche circa 14 Liter Flüssigkeit (zwei Liter am Tag)
  • Geeignete Getränke sind Mineralwasser, Fruchtsäfte, länger lagerfähige Getränke.
  • Keine Experimente. Unbedingt Lebensmittel kaufen, die unter normalen Umständen auch gegessen werden würden. Nicht einfach irgendwas mitnehmen, nur weil es lange hält. 
  • Auf einen möglichen Stromausfall vorbereitet sein und Lebensmittel horten, die auch ohne Kühlung "überleben" können.
  • Auf das Mindesthaltbarkeitsdatum achten. Lebensmittel, die keins besitzen, sollten mit dem Einkaufdatum versehen werden.
  • Lebensmittel sollten kühl, trocken und dunkel aufbewahrt werden. Außerdem empfiehlt sich eine luftdichte Verpackung.
  • Neu gekaufte Vorräte gehören nach "hinten" ins Regal. Ältere Lebensmittel immer zuerst verbrauchen. 
  • Tief gekühlte Lebensmittel zählen auch zum Notvorrat. Sie lassen sich bei einem Stromausfall problemlos verbrauchen. Unbedingt dran denken: Einmal aufgetaute Lebensmittel nicht wieder einfrieren!
  • Für den Fall eines Strom- oder Gasausfalls vorbereitet sein. Im Handel gibt es viele Alternativen wie Campingkocher etc.
  • Bei der Vorratshaltung auch an Spezialkost denken – zum Beispiel für Diabetiker, Allergiker oder Babys.
  • Das Gleiche gilt für Haustiere. Auch die wollen im Katastrophenfall etwas essen und trinken.

Wie man sehen kann, ist das Kaufen von Lebensmittel-Vorräten keine Sache, die unüberlegt angegangen werden sollte. Vor allem für Menschen, die noch nie zuvor Hamsterkäufe gemacht haben, kann die obige Liste eine willkommene Hilfe sein. Doch welche Lebensmittel sollten überhaupt gelagert werden? 

Lebensmittel-Vorräte im Katastrophenfall: Diese Nahrungsmittel sollten gekauft werden

Ganz wichtig: Sie sollten die täglich benötigte Kalorien- und Nährstoffzufuhr sichern. Einfach erreichen kann man dies mit den Tipps der Bundesregierung, die eine Art Lebensmittel-Plan für zehn Tage (und pro Person) zusammengestellt haben:

  • 20 Liter Flüssigkeit (siehe oben)
  • Getreide, Getreideprodukte, Kartoffeln, Reis, Nudeln: 3,5 Kilogramm
  • Gemüse und Hülsenfrüchte: 4 Kilogramm
  • Obst und Nüsse: 2,5 Kilogramm
  • Milch und Milchprodukte: 2,6 Kilogramm
  • Fisch, Fleisch und Eier: 1,5 Kilogramm
  • Fette und Öle: 0,357 Kilogramm
  • Sonstiges (Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Schokolade, Mehl, Fertigprodukte etc.): nach Belieben

Selbstverständlich handelt es sich bei dieser Liste lediglich um eine Empfehlung der Bundesregierung. Nicht berücksichtigt sind persönliche Vorlieben, Diäten und Allergien. Wer also lieber etwas anderes als die genannten Lebensmittel essen möchte, kann dies machen. 

Doch nicht nur Lebensmittel stehen derzeit hoch im Kurs, sondern auch die Nachfrage nach Hygieneartikeln. Im Gegensatz zu dem Lebensmittel-Plan sei Frage nach der Sinnhaftigkeit von solchen Hamsterkäufen mal dahingestellt. Es stellt sich viel eher die Frage, warum wir in Zeiten des Coronavirus so viel Toilettenpapier bunkern

Coronavirus in Deutschland: Robert-Koch-Institut hat ein bestimmtes Ziel 

Unterdessen beabsichtigt das Robert-Koch-Instituts (RKI) aktuell, eine Erkrankungswelle so weit hinauszuzögern, dass die Coronavirus- und die derzeitige Grippewelle nicht zusammenfallen. Vor allem für ältere Menschen oder solche mit schlechtem Immunsystem könnte ein derartiges Szenario zum Worst Case werden. 

Viele Menschen greifen daher auch verstärkt zu Desinfektionsmitteln und Mundschutzmasken, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Doch die Maßnahmen sind nur bedingt sinnvoll. Zu kuriosen Kommentaren in den sozialen Netzwerken führte auch diese Aktion eines Mannes aus Tirol.

Eine Sprecherin der DB Regio NRW teilte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochmorgen mit, dass sich das Unternehmen in einem "ständigen Austausch" mit den Behörden befinde. Zu den möglichen Maßnahmen, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, könnte auch eine Einschränkung des Nahverkehrs zählen.

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