Bild: Bianca Hoffmann/RUHR24

In Deutschland wurden 2018 rund 98 Millionen Euro für Vitamin-D-Präparate ausgegeben. Viele Kunden versprechen sich davon mehr Gesundheit und ein fitteres Leben. Auch bei chronischen Krankheiten wie Depressionen, Multipler Sklerose oder Krebs soll das Sonnenvitamin wahre Wunder bewirken. Unter Ärzten wird dieses Thema kontrovers diskutiert.

Vitamin D wird hauptsächlich über die Haut vom Körper aufgenommen. Schon eine Viertelstunde pro Tag kann reichen, um den Speicher aufzufüllen. Allerdings ist das in Deutschland nur zwischen März und Oktober möglich, in den Wintermonaten ist die Sonne nicht stark genug, um den Bedarf zu decken.

Vitamin D und chronische Krankheiten – das bringt die Einnahme wirklich

In den vergangenen Jahren wurde das Sonnenvitamin immer wieder mit chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht. „Dieses Thema ist sehr kontrovers“, sagt Dr. Matthias Böhme vom Klinikum Dortmund.

Inzwischen wurden Studien mit dem angeblichen Wundervitamin für Krebs, Multipler Sklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen chronischen Krankheiten erstellt. „Leider finden Sie sowohl Studien, die einen Nutzen zeigen, als auch solche, die keinen Nutzen zeigen“, so der Arzt.

Er gibt die vorsichtige Einschätzung ab, dass Menschen, die ihr Leben lang gut mit Vitamin D versorgt waren, ein niedrigeres Risiko haben könnten, an den Krankheiten zu erkranken. „Ist die Krankheit ausgebrochen, hilft eine Vitamin-D-Einnahme wahrscheinlich nicht mehr wirklich“, so der Vitamin-D-Experte.

Menschen, die zu wenig Sonne bekommen, erkranken eher an Multipler Sklerose

Ein besonders interessantes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die Häufigkeit, an Multipler Sklerose zu erkranken, jenseits des 33. Breitengrades (das ist nördlich der Straße von Gibraltar) ansteigt. Menschen mit guten Vitamin-D-Spiegel erkranken seltener an MS, sagt Dr. Matthias Böhme.

Viele Neurologen setzen das Sonnenvitamin in der MS-Behandlung inzwischen ein. Allerdings gehen hier die Einschätzungen über die Dosis weit auseinander. „Eine Interventionsstudie mit hochdosierter Gabe von Vitamin D hat meines Wissens nicht zu einer Verbesserung der Krankheitssymptome geführt.“

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Auch bei der Behandlung von Depressionen sind die Studienergebnisse nicht eindeutig. Allerdings kann eine niedrige Dosierung zwischen 800 und 1.000 Einheiten pro Tag auch nicht schaden.