Bild: Merck Healthcare/obs

Es klingt zu schön, um wahr zu sein – wer Vitamin-D-Tabletten nimmt, wird seltener krank und fühlt sich fitter. Die Werbung will uns außerdem zudem glauben lassen, dass so gut wie jeder Deutsche zu wenig des Vitamins im Körper hat. Aber was steckt wirklich dahinter?

Vitamin D ist nicht wirklich ein Vitamin, da der Körper es über die Haut selber bilden kann. Und zwar fast nur auf diesem Weg. Jeder Mensch benötigt pro Tag zwischen 400 und 2.000 Einheiten. „Diesen Bedarf in nördlichen Breiten zu decken kann schwierig sein“, sagt Dr. Matthias Böhmer, Endokrinologe am Klinikum Dortmund.

Vitamin D: Keine Chance auf genug Sonne in Deutschland

Die Deutschen haben demnach keine Chance, das ganze Jahr über an genügend Tageslicht zu kommen. Das liegt ganz einfach an der geografischen Lage oberhalb des 33. Breitengrades. Zwischen März und Oktober ist eine ausreichende Bildung von Vitamin D trotzdem möglich. Im Winter nicht. Allerdings können wir in den Sommermonaten unsere Speicher auffüllen. „Wenn man sich der Sonne für 15 bis 30 Minuten pro Tag zwischen 10 bis 15 Uhr, also dann, wenn die Sonne am höchsten steht, aussetzt, ist eine ausreichende Bildung möglich“, so Dr. Matthias Böhmer.

Die Sonne ist das beste Mittel, um den Vitamin-D-Speicher aufzufüllen und aufgefüllt zu halten. Darüber hinaus gibt es aber auch Lebensmittel, die das Vitamin enthalten. Hering enthält beispielsweise 1300 Einheiten pro 100 Gramm, Lachs zwischen 200 und 1000, je nachdem ob er wild gefangen wurde oder gezüchtet. „Aber, um hier eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr zu erhalten, müssen Sie davon regelmäßig jeden Tag essen. Ob das so jedermanns Geschmack ist, weiß ich nicht“, so der Endokrinologe.

Nahrungsergänzungsmittel sind häufig unnötig

Was also tun, wenn ihr Fisch nicht mögt und auch nicht jeden Tag an die frische Luft könnt? Im Handel gibt es zahlreiche Vitamin-D-Präparate zu kaufen. „Dies ist ein sehr kontroverses Thema, leider aus meiner Sicht auch sehr ideologisch besetzt“, sagt der Experte. Das Problem sei, dass nicht jeder immer Präparate nehmen müsse. Es kommt vielmehr immer auf die jeweilige Person an.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sagt, dass es in Deutschland keinen flächendeckenden Vitamin-D-Mangel gibt. Den persönlichen Wert kann aber nur der Arzt bestimmen. Da das eine Zusatzleistung ist, muss das Bestimmen des Vitamin-D-Spiegels zusätzlich bezahlt werden. Das Ergebnis wird dann in Nanomol pro Liter angegeben. Gut versorgt ist nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), wer mehr als 50 nmol/L im Blut hat.

Sonnenvitamin kann zu Vergiftungen führen

Besonderes Augenmerk legen Ärzte übrigens auf Schwangere, Stillende, Babys und ältere Menschen. Diese profitieren von Tropfen oder Tabletten. Bei Babys sorgt Vitamin D beispielsweise dafür, dass sich das Skelettsystem gut entwickelt. Aber auch die Kleinen können das Sonnenvitamin schon draußen aufnehmen.

Wer gerne Vitamin D zusätzlich nehmen möchte, kann das aber tun. Wichtig ist nur, nicht zu viele Einheiten zu schlucken, da dadurch auch Vergiftungen entstehen können. 800 bis 1000 Einheiten pro Tag schaden dem Körper aber nicht.