Bild: Youtube via Yasser Ali

Seit mittlerweile zwei Jahren hält sich das hartnäckige Gerücht, Flüchtlinge hätten in einem deutschen Einkaufscenter einen Weihnachtsbaum geplündert. Auch in diesem Jahr kursiert die Baum-Attacke wieder durchs Internet. Doch es handelt sich bei der Nachricht um Fake News.

Was ist denn da los? Ein Pulk Menschen umzingelt einen Weihnachtsbaum und fängt an, diesen zu besteigen und leer zu räumen. Doch was aussieht wie eine Plünder-Attacke, ist eigentlich etwas ganz anderes.

Stürmen Flüchtlinge hier einen Weihnachtsbaum - eher nicht. Quelle: Youtube via Yasser Ali
Stürmen Flüchtlinge hier einen Weihnachtsbaum – eher nicht. Quelle: Youtube via Yasser Ali

Vor zwei Jahren geriet die Nachricht von Flüchtlingen, die einen Weihnachtsbaum leer plündern sollen, in Umlauf. Die Nachricht wurde auf Social Media geteilt: Ob Facebook, Instagram oder WhatsApp. Dazu gab es ein kurzes Beweisvideo, das auf YouTube hochgeladen wurde.

Darauf zu sehen: Männer, die einen Weihnachtsbaum in einem deutschen Einkaufscenter stürmen. Die vermeintlichen Plünderer klettern nach oben und reißen Christbaumkugeln ab. Unten stehen Frauen, die Fotos machen und anfeuern.

Plündern hier Flüchtlinge den Weihnachtsbaum? Nein!

„Besorgte Bürger“ sehen das Video als Beweis dafür, dass Flüchtlinge Weihnachten zerstören wollen. Es wurde angeblich im „Weserpark“ in Bremen aufgenommen. Teilweise kursiert sogar das Gerücht, die Aufnahmen würden aus der „Altmarkt-Galerie“ in Dresden stammen. Doch egal ob in Bremen oder Dresden – beides ist Quatsch, beides ist Fake.

So sieht beispielsweise eine Meldung aus, die auf Facebook geteilt wurde:

Es handelt sich bei den geteilten Inhalten schlichtweg um Falschmeldungen. Auch in diesem Jahr kursiert erneut das Gerücht, Flüchtlinge hätten einen Weihnachtsbaum geplündert. Diesmal Ort des Geschehens: Hamburg. Erneut ist das nicht wahr.

Worum geht es dann in dem Video?

Wenn das Video keine Flüchtlinge zeigt, stellt sich die Frage, worum es dann geht. Die Antwort ist simpel und dürfte überraschen.

Tatsächlich stammt das Video aus Ägypten. Es wurde dort in der „Mall of Arabia“ im Januar 2016 aufgenommen. Die Menschen dort schmücken ganz nach christlichem Vorbild: Tannenbaum, Christkugeln und Lametta.

In Ägypten wird Weihnachten erst Anfang Januar gefeiert – es handelt sich dabei um das sogenannte koptische Christfest. Dann werden ganz traditionell vielerorts die Weihnachtsbäume geplündert. Der Grund: In den Tannen verstecken sich Geschenke. Besucher sind eingeladen, die Präsente zu suchen.

Das ist das Originalvideo aus Ägypten:

Deswegen sind Fake News so gefährlich

Falschmeldungen wie die über den Weihnachtsbaum sind gefährlich. Sie sorgen für Vorurteile und Zweifel. Kritiker werden gestärkt, Fakten verlieren durch die Fälschungen ihre Kraft.

In unserer Demokratie ist es wichtig, Fake News erst gar nicht aufkeimen zu lassen, um so die politischen Ansichten nicht zu beeinflussen. Bereits im US-Wahlkampf 2016 waren Falschmeldungen ein Thema. Donald Trump hatte in seinen Reden immer wieder angesprochen, dass alles unecht sei.

In Bezug auf den Weihnachtsbaum haben Medien in Bremen und Dresden über die Fälschung berichtet – sie stellten die beiden Bilder sogar nebeneinander, um so zu beweisen, dass die Bäume niemals in den Städten stehen konnten. Doch es gab nach wie vor Kritiker.

In einem Dresdener Blog hieß es: „Die Wahrheit, nichts als die Wahrheit, ist gefragt! Doch wer kennt sie wirklich?“ Und da fängt ein weiteres Problem der Fake News an: Am Ende weiß niemand mehr so wirklich, was Sache ist. Zweifel bleiben.