Gewitter sind faszinierend und angsteinflößend zugleich. Und noch immer gibt es kuriose Mythen, die sich um das richtige Verhalten bei einem Gewitter ranken. Manche davon können zu einer echten Gefahr werden.

  • Blitzeinschläge bei einem Gewitter sind eine große Gefahr
  • In Deutschland gibt es pro Jahr etwa tausend Verletzte und bis zu zehn Tote durch Blitze
  • Nicht nur im Freien: Das richtige Verhalten minimiert die Gefahr, vom Blitz verletzt oder getötet zu werden

In Deutschland werden jedes Jahr laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zahlreiche Menschen direkt oder indirekt vom Blitz getroffen. Die Gefahr durch Gewitter wird dennoch immer wieder unterschätzt. Dabei jagen laut DWD in Deutschland jährlich rund 700.000 Blitze durch den Himmel.

Blitze fordern Verletzte und Tote

Im Mai 2018 traf der Blitz in Bochum-Wattenscheid zwei junge Frauen beim Spazieren gehen – eine von ihnen wurde lebensgefährlich verletzt. Im September desselben Jahres schlug in Rheinland-Pfalz bei einem Pokalspiel der Blitz direkt neben einem Torhüter ein. Der Mann stirbt wenig später.

2012 schlug der Blitz bei einem Metal-Festival im sächsischen Roitzschjora ein. 51 Besucher des „With Full Force“-Festivals wurden damals verletzt. In Dortmund mussten gleich zwei Veranstaltungen wegen eines Gewitters unterbrochen werden.

Trotz der immer wiederkehrenden Vorfälle, wird das Risiko, welches von Blitzen ausgeht, heruntergespielt. So sagt der Volksmund, es sei wahrscheinlicher, im Lotto zu gewinnen, als vom Blitz getroffen zu werden.

So weit so richtig. Allerdings gilt dieser Vergleich nur für ein durchschnittliches Menschenleben, erklären Experten in einem Bericht von Spiegel Online. Sobald ein Mensch in ein Gewitter gerät, steigen seine Chancen vom Blitz getroffen zu werden erheblich – der Sechser im Lotto ist dann schon fast gezogen.

Was tun wenn Gewitter naht – und was, wenn es eigentlich schon zu spät ist

Wenn einem die Haare zu Berge stehen, und das knistern in der Luft förmlich zu spüren ist, dann ist es Zeit sich in Sicherheit zu bringen. Höchste Alarmstufe gilt auch dann, wenn ein Kribbeln auf der Haut zu spüren ist, die Luft „metallisch“ schmeckt und ein seltsamer Geruch in der Luft liegt.

Wer dann noch seltsame Leuchterscheinungen, sogenannte Elmsfeuer an spitzen oder kantigen Gegenständen beobachtet, befindet sich bereits mitten drin, im Gewitter, und in der Gefahrenzone.

Doch so weit sollte man es gar nicht erst kommen lassen. Schon vorher gilt es, Schutz zu suchen. Denn auch wenn das Gewitter noch einige Kilometer entfernt ist, kann sich ein Blitz verirren und sich vor dem eigentlichen Unwetter entladen.

1. Ab ins Haus oder Auto

Ihr hört entferntes Donnergrollen und seht wie sich dunkle Wolken am Himmel auftürmen? Jetzt heißt es: Ab ins Auto oder in ein Gebäude. Dabei ist es in den unteren Etage sicherer als direkt unter dem Dach. Auch unter die Dusche und in die Badewanne sollte man bei einem Gewitter besser nicht gehen. Denn ein Blitz kann vom Boden aus auch auf Leitungen oder Rohre überspringen. Laut Focus gilt das vor allem für ältere Gebäude.

Wanderungen oder Ausflüge mit dem Boot sollten bei angesagten Gewittern erst gar nicht unternommen werden.

2. Entfernung schätzen

Zählt die Sekunden zwischen Blitz und Donner, teilt das Ergebnis durch drei, und ihr wisst laut Informationen des Verband der Elektrotechnik (VDE) die ungefähre Entfernung des Gewitters in Kilometern. Wiederholt das mehrmals und ihr könnt abschätzen, wie schnell sich das Gewitter nähert.

3. Im Freien: lieber Stehen als Rennen

Vergesst den Spruch „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“. Der Aufenthalt unter Bäumen bei einem Gewitter ist immer gefährlich. Zwar gibt es unter hohen Masten oder Bäumen einen kegelförmigen Bereich, in dem ein Blitzeinschlag relativ unwahrscheinlich ist, allerdings besteht hier laut VDE Gefahr durch die sogenannte Schrittspannung.

Laut VDE breitet sich der Blitzstrom an der Einschlagstelle in alle Richtungen im Boden aus. Zwischen den Füßen entsteht beim Laufen dadurch eine sogenannte „Schrittspannung“ – ein Spannungsunterschied zwischen den Füßen. Der bewirkt, dass Strom durch den Körper fließt – mit verheerenden Auswirkungen wie einem Herzstillstand.

Deshalb gilt: Füße immer so nah beieinander wie möglich halten und nicht wegrennen, wenn man sich bereits mitten im Gewitter befindet. Auch nicht flach hinlegen. Am besten hinhocken und die Fersen aneinander drücken oder die Füße eng nebeneinander stellen.

Wer dennoch einfach nur weg will, sollte lieber hüpfen als rennen. Eine Senke im Gelände bietet Schutz, Erhöhungen sollten dagegen nicht aufgesucht werden – auch wenn auf ihnen eine kleine Schutzhütte steht.

4. Nicht anfassen!

Das gilt für alles Metallische, aber auch für andere Personen. Also weg mit dem Regenschirm; Fahrrad und Motorrad stehen lassen und Abstand halten.

Zwar ziehen laut planetwissen Fahrräder, Metallgeländer oder auch Skistöcke den Blitz nicht an, doch sie leiten den Strom gut – wer sie festhält riskiert massive Verbrennungen. Mehrere Personen, die zusammen unterwegs sind, sollten ebenfalls Abstand zueinander halten. Denn Spannung wird auch zwischen zwei Menschen übertragen.

Wichtig zu wissen: Auch wenn es im Auto nach dem Prinzip des Faradayschen Käfigs erst einmal sehr sicher ist, sollte der Metallrahmen nicht berührt werden.

Übrigens: Neben dem Schwimmen, ist Golfen die gefährlichste Sportart bei einem Gewitter. Ein Mensch wird mitten auf dem Platz schnell zur höchsten Erhebung weit und breit.

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Davon, dass sich ein Gewitter verzogen hat, kann man laut golf.de erst sprechen, wenn seit mindesten 30 Minuten kein Donner mehr zu hören ist.

So gefährlich ist ein Blitz

Besonders häufig treten Gewitter im Sommer bei feuchtwarmer Witterung auf. Schießt ein Blitz zu Boden, fließt kurzzeitig eine Stromstärke von bis zu 500.000 Ampere durch den Blitzkanal.

Die umgebene Luft erhitzt sich dabei laut DWD schlagartig auf 30.000 Grad. Mit Ampere wird die Stromstärke angegeben. Eine normale Haussicherung fliegt raus, wenn 16 Ampere überschritten sind.