"Preis" der Verbraucherzentrale

Weniger Inhalt, höherer Preis: Was wird die "Mogelpackung des Jahres"? So könnt ihr abstimmen

85g statt 100 Gramm Schokolade und Nudeln ohne Käse: Die Verbraucherzentrale hat fünf Produkte für die Mogelpackung des Jahres nominiert, bei denen weniger Inhalt zu einem höheren Preis angeboten wird. Bis zum 20. Januar kann abgestimmt werden.

  • Die Verbraucherzentrale sucht zum sechsten mal in Folge die "Mogelpackung des Jahres".
  • Von Rama bis Milka: Fünf beliebte Produkte sind bereits nominiert. 
  • Einige Produkte kommen nicht zum ersten Mal für den Negativpreis infrage.

Update, 22. Januar: Die Mogelpackung des Jahres 2019 steht nun fest und der Sieger wurde gekürt. 43.044 Menschen haben abgestimmt und das Ergebnis ist ziemlich eindeutig.

Erstmeldung, 4. Januar: Die Packungen werden immer größer, der Inhalt immer weniger. Das sind mitunter die Tricks der Hersteller. Anstatt den Preis anzuheben - das wäre für den Konsumenten ja offensichtlich - wird einfach die Packung überdimensionierter oder der Inhalt schrumpft. Verdeckte Preiserhöhungen verärgern die Kunden. Deshalb sollen diese sich jetzt wehren - und für einen Negativpreis der Verbraucherzentrale abstimmen.

Wer bekommt die Mogelpackung des Jahres?

Mogelpackungen sind gang und gäbe in deutschen Supermärkten. Deshalb sammelt die Verbraucherzentrale jedes Jahr negative Beispiele, bei denen eine Preiserhöhung verschleiert und der Kunde hinters Licht geführt wurde. Verbraucher können diese, sollten ihnen ein Produkt mit einer Mogelpackung auffallen, bei der Verbraucherzentrale melden. 2019 gingen über 2500 solcher Meldungen ein. 

Nun hat die Verbraucherzentrale in Hamburg fünf Produkte in die engere Auswahl genommen, bei denen die Tricksereien am gravierendsten waren. Kunden können noch bis zum 20. Januar abstimmen, welches Produkt den Negativpreis "Mogelpackung des Jahres" bekommen soll.

Verbraucherzentrale nominiert fünf Produkte für die Mogelpackung des Jahres

In vier von fünf Fällen haben die Hersteller dieser fünf Produkte einfach den Inhalt massiv schrumpfen lassen, wodurch der Preis wiederum verhältnismäßig stark anstieg, heißt es von der Verbraucherzentrale. So zum Beispiel bei der beliebten Frühstücksmargarine Rama. Der Artikel "Rama Unser Meisterstück" wird seit neustem im kleineren Becher mit 350 statt 500 Gramm verkauft, kostet aber weiterhin genauso viel. Das Produkt ist dadurch 43 Prozent teuer als vorher. 

Der Herrsteller Upfield verweis auf Nachfrage der Verbraucherzentrale in Hamburg auf die verbesserte Rezeptur. Doch bei genauerem Hinsehen ließ sich schnell feststellen, dass da gar nichts dran ist: Die Zutatenliste habe sich im Vergleich zu der alten Rezeptur kaum verändert. Bei "Rama Unser Meisterstück" handle es sich also ganz klar um eine Täuschung des Verbrauchers und somit um eine echte Mogelpackung.

Milka, Hipp und Kellogg für die Mogelpackung des Jahres ausgewählt

Aus dem gleichen Grund hat die Verbraucherzentrale auch Produkte vonHipp, Milka und Kellog in die engere Auswahl der Mogelpackungen mit aufgenommen. In allen Fällen bekommt der Kunde seit 2019 weniger Inhalt für gleiches Geld. So wurde zum Beispiel die Füllmenge der beliebten Kelloggs "Frosties" von 375 auf 330 Gramm reduziert. Bei gleichbleibendem Verkaufspreis entspricht das laut der Verbraucherzentrale einer versteckten Preiserhöhung von 14 Prozent.

Ebenso bei der neuen Milka-Sorte "Darkmilk": Die ist nur 85 Gramm schwer - statt der üblichen 100 Gramm. Sie kostet aber genauso viel wie die herkömmlichen lila Schokoladentafeln. Die Sorte ist somit 18 Prozent teurer als die anderen Sorten von Milka.

Besonders heftig ist die versteckte Preiserhöhung bei einem Karottensaft von Hipp. Das Produkt ist ganze sage und schreibe 115 Prozent teurer als zuvor. Wo der Kunde vorher 1,05 Euro für 500 Milliliter Saft bezahlte, muss er nun mit 1,49 Euro für nur 330 Milliliter etwas tiefer in den Geldbeutel greifen. 

Verbraucherzentrale stellt fest: Bei Mirácoli ist der Käse verschwunden

Aber immerhin bekommt der Kunde bei den Produkten noch das, was er kennt - zwar weniger, aber immerhin. Nicht so bei dem beliebten Fertig-Nudelgericht Mirácoli der Firma Mars. Hier ist seit 2019 einfach der Käse aus der Packung verschwunden - für den gleichen Preis versteht sich. Und auch an der Tomatensauce und der Würzmischung spart der Hersteller. 

Das hatte bei den Kunden für viel Unmut gesorgt. Bei der Verbraucherzentrale gingen jede Menge Beschwerden von Verbrauchern ein, die den Mirácoli-Käse vermissten. Was somit im Gegensatz zu der Rechtfertigung von Hersteller Mars steht. Denn der behauptet, eine Umfrage hätte ergeben, dass die meisten Kunden, den Käse für das Nudelgericht Mirácoli nicht nutzen würden. Aber ihn deshalb klammheimlich wegzulassen, ist doch Käse - oder eben eine Mogelpackung

Produkte nicht zum ersten Mal für Mogelpackung des Jahres nominiert

Einige der Hersteller der nominierten Produkte für dieMogelpackung des Jahres 2019 tauchen nicht zum ersten Mal in der Liste der Produkte mit versteckten Preiserhöhungen auf. So war eine Tomatensoße von Mirácoli bereits 2016 in der engeren Auswahl. Oder ein beliebter Riegel von Milka: Beim Nussini schrumpfte nicht nur das Gewicht, sondern auch der Haselnussanteil. 

Wer auf die Tricksereien der Hersteller nicht hereinfallen will, muss oft sehr genau hinschauen: Die Angaben sind meist im Kleingedruckten gut versteckt und für den Kunden nicht auf die Schnelle ersichtlich. Die Verbraucherzentrale fordert daher seit Jahren eine Transparenzplattform, auf der Unternehmen geänderte Füllmengen verbindlich veröffentlichen müssen. Da bislang in dieser Richtung allerdings noch nichts geschehen ist, verleiht die Verbraucherzentrale weiterhin den Negativpreis "Mogelpackung des Jahres", um den Verbraucher auf die fiesen Tricks der Firmen hinzuweisen. 

Und auch andere Organisationen, wie zum Beispiel die Deutsche Umwelthilfe oder der Verein Foodwatch, setzen sich für den Schutz der Verbraucher ein, indem sie ähnliche Aktionen durchführen. So hatte die Deutsche Umwelthilfe 2019 an Nestlé den "Goldenen Geier" verliehen - ein Negativpreis für die sinnloseste Plastikverpackung. Ebenso wie Foodwatch jährlich einen Preis für die dreistesten Werbelügen vergibt. Der "Goldene Windbeutel" ging 2019 allerdings an einen Bio-Hersteller. 

Rubriklistenbild: © dpa/Collage: RUHR24

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