Lebensmittelsicherheit

Trotz Verbot: Gefährlicher Zusatzstoff in Lebensmitteln gefunden

Bei einer stichprobenartigen Untersuchung fand die Verbraucherzentrale einen gefährlichen Stoff in Lebensmitteln. Doch es gibt auch positive Kunde.

NRW – Wer durch die Gänge von Supermärkten und Discountern wie Rewe, Aldi oder Lidl schlendert, wird womöglich Artikel gesehen oder gar gekauft haben, die in der Form nicht mehr hergestellt werden dürfen. Bei einer stichprobenartigen Untersuchung hat die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz besorgniserregende Stoffe in Lebensmitteln gefunden – diese dürfen von nun an nicht mehr vorkommen.

Titandioxidbeliebter Lebensmittelzusatzstoff
Funktionweisses Pigment, das zur Aufhellung von Produkten eingesetzt wird
Als Lebensmittelzusatzstoff in der EU verboten seit8. August 2022

Lebensmittel, Kosmetika, Arzneimittel – Titandioxid in zahlreichen Alltagsprodukten

Ob in Schokolade, Keksen, Käse, Kaugummis, Zahncremes oder auch in Arzneimitteln – der Zusatzstoff Titandioxid findet vielfach Verwendung und soll die unterschiedlichsten Produkte weißglänzend machen und sie frischer wirken lassen. In Kosmetika fungiert Titandioxid laut dem NDR auch als Sonnenschutz.

Das Problem: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den Stoff als „nicht mehr sicher“ eingestuft, berichtet der NDR. Hersteller dürften demnach Titandioxid ab dem 8. August dieses Jahres nicht mehr als Zusatzstoff für Lebensmittel verwenden. Wie Quarks erklärt, gelte das Verbot für alle Länder der EU.

Die Lebensmittelsicherheit und die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger sind nicht verhandelbar.

Stella Kyriakides, EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit seit 2019

EFSA stuft Titandioxid als „nicht mehr sicher“ sein – Verbot gilt seit dem 8. August

Der auf Verpackungen auch als E171 beschriebene Stoff könne laut der EFSA „unerwünschte Effekte auf Immunsystem, das Nervensystem und Darmzellen haben“, berichtet das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. Demzufolge könnten frühe Krebsvorstufen gebildet werden.

Die in der Mehrzahl unter 100, aber über 30 Nanometer großen Partikel des Titanoxids können sich im Körper anreichern. Laut der süddeutschen Behörde habe die Analyse der EFSA ebenfalls ergeben, dass „Titanoxid Schädigungen am Erbgut auslösen“ könne, beispielsweise „an der DNA als Träger der Erbinformationen“.

Kinder kommen in Kontakt mit Titandioxid – Stoff kann Erbgut schädigen und Krebs verursachen

Angesichts derartiger Risiken sollten Verbraucher stets einen Blick auf die Zutatenlisten von Lebens-, Arznei-, Nahrungsergänzungsmittel sowie Kosmetika werfen. Dass der Zusatzstoff besonders in Süßigkeiten enthalten ist, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei.

Denn dadurch nehmen Kinder „im Schnitt etwa die zwei- bis vierfache Menge Titandioxid zu sich, wie Erwachsene“, berichtet der SWR. Die Aufnahme sei demzufolge auch über Zahnpasta möglich, da Kinder diese teilweise herunterschlucken.

Verbraucherzentrale untersucht verschiedene Produkte und findet 35 Treffer

Vor dem Hintergrund der möglichen Gefahren hat die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Mitte August nun zahlreiche Produkte unter die Lupe genommen, berichtet utopia. Dazu gehörten Nahrungsergänzungsmittel, Süßigkeiten, Mozzarella, Fertigsoßen und Kuchendekor von Supermärkten, Discountern und Drogeriemärkten auf Titandioxid.

Laut einer Pressemitteilung der Verbraucherzentrale enthielten 35 Artikel auch nach wie vor Titandioxid, allerdings war das Mindesthaltbarkeitsdatum bei ihnen noch nicht abgelaufen. Besonders in Kaugummis, Kuchendekor, Lutschern und Nahrungsergänzungsmitteln fanden die Forscherinnen und Forscher noch Titandioxid.

Auch in einigen Kaugummi-Sorten ist Titandioxid enthalten.

Handelsketten dürfen Restbestände bis zum Ablauf des MHD noch verkaufen

Der positive Befund sollte Verbraucher aber nicht zu sehr verunsichern. Produkte, die noch vor der EU-Gesetzesänderungen hergestellt wurden, dürfen schließlich noch verkauft werden, bis das Mindesthaltbarkeits- oder das Verbrauchsdatum abgelaufen ist.

Da die EU keine unmittelbare Gefahr für Verbraucher festgestellt hat, gilt eine Übergangsregelung. Handelsketten dürfen demnach bereits eingekaufte Bestände noch verkaufen, erklärt der NDR.

Hersteller ändern Rezeptur – Titandioxid verschwindet von Zutatenlisten

Verbraucher können also teilweise aufatmen. Schließlich waren Produkte mit kurzen Mindesthaltbarkeitsdaten, wie beispielsweise Mozzarella, frei vom problematischen Zusatzstoff.

Zudem haben zahlreiche Hersteller die Rezeptur dem EU-Gesetz entsprechend umgestellt. Dennoch soll Titandioxid auch weiterhin in Arzneimitteln, deren Zusammensetzung im Gegensatz zu Lebensmitteln nicht so einfach zu ändern ist, Verwendung finden.

Rubriklistenbild: © Eike Leppert/Imago

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