Einseitige Rechnung

Influencer klärt Skandal um Veggie-Wurst auf: So viel Tierleid steckt drin

Veggie-Wurst tötet angeblich mehr Tiere als die Variante aus Fleisch. Ist das wirklich so? Ein Experte und Influencer klärt auf.

NRW – Hin und wieder auf Fleisch zu verzichten oder tierische Produkte durch vegetarische Alternativen zu ersetzen liegt im Trend – auch bei Verbrauchern, die eigentlich keine Vegetarier sind. Derzeit sorgt aber gerade Veggie-Wurst für Aufsehen.

Veggie-Wurst soll mehr Tiere töten als Fleisch - Influencer hält dagegen

Der Grund: Einer Rechnung von Stern aus dem Jahr 2018 zufolge, sterben für einen vegetarischen Brotaufschnitt mehr Tiere, als bei einer klassischen Mortadella aus Fleisch, wie rtl.de berichtet.

Doch wie kann das überhaupt sein? Das liegt vor allem daran, dass viele vegetarische Ersatzprodukte wie beispielsweise Veggie-Wurst zum Großteil aus Eiklar bestehen – teilweise aus 70 Prozent. Für rund 100 Kilo vegetarische Mortadella benötigt man 71,86 Kilogramm Eiklar. Für diese Menge Eiklar bräuchte man 2174 Eier – eine Henne legt nur 300 Eier pro Jahr und wird nach 15 Monaten geschlachtet.

Influencer Philipp Steuer kritisiert die Rechnung zur Veggie-Wurst

Für die gleiche Menge Mortadella aus Fleisch würde laut der Rechnung hingegen nur ein Schwein getötet werden. Unterm Strich kommt Stern also zu der Bilanz, dass für vegetarische Produkte mehr Tiere sterben.

Doch die Rechnung sorgte nicht nur für Furore, sondern erntete auch Kritik. Auch Philipp Steuer thematisiert den Artikel von rtl.de auf Instagram. Der vegan lebende Influencer testet auf seinem Youtube-Kanal unter anderem vegane Produkte und teilt Rezepte.

Influencer über Veggie-Wurst: Vegetarische Produkte kommen nicht ohne Tierleid aus

Der Vorwurf in seinem Instagram-Post: Die zwei Jahre alte Rechnung von Stern sei "krude" und beziehe sich außerdem nur auf ein einziges Produkt - nämlich auf Veggie-Wurst die einer Mortadella nachempfunden ist. "Davon auf alle anderen Produkte zu schließen ist einfach schlechter Journalismus", schreibt Steuer.

Doch er räumt auch etwas Wahrheit dabei ein. So seien vegetarische Produkte die Eier, Milch oder andere tierische Bestandteile enthalten, auch immer mit Tierleid verbunden.

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Ihr Lieben, gestern erschien auf rtl.de (lol) ein Artikel, den mir viele von euch geschickt haben. Es geht darum, dass scheinbar für Veggie-Wurst mehr Tiere sterben als für tierische Wurst. ⁣ ⁣ Ich hab das Ganze mal aufgeschlüsselt, einfach oben zur Seite wischen. Spoiler vorweg: Ganz schlechter Journalismus, krude Rechnungen ABER auch der berechtigte Hinweis, dass vegetarisch dennoch Tierleid bedeutet.⁣ Aber - damit es nicht missverstanden wird - vegetarisch ist auf jeden Fall ein toller Schritt und ich hab mich selbst auch eine Zeit lang vegetarisch ernährt, bevor ich vegan wurde. ⁣ Hoffe, der Beitrag hier sorgt für Klarheit und die Achtsamkeit, auch bei vegetarischen Produkten zu schauen, was drin ist ⁣ ⁣ ■ ■ ■ ⠀⁣⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⁣⁣⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⁣ ⠀⠀⁣⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⁣⁣⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⁣ #Vegan #VeganDeutschland #veganessen #gesundleben #tierschutz #veganwerden #veganismus #veganleben #ernährungsumstellung #vegankochen #veganeküche #fitundgesund #veganereinkauf #veganeprodukte⁣

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Veggie-Wurst-Eklat: Auch Peta spricht sich für eine vegane statt vegetarische Ernährung aus

"Wer wirklich komplett kein Tierleid unterstützen will, der sollte vegan essen, da vegetarisch Milch, Ei etc. bedeutet und sehr oft dafür Tiere ausgebeutet und dann getötet werden", so Steuer in seinem Post. Die Tierrechtsorganisation Peta kommt zur gleichen Ansicht wie der Influencer.

Auch schon bevor die Rechnung zu der Veggie-Wurst wieder für Aufmerksamkeit sorgte, hat Peta die geplante Umstellung vom eigentlichen Fleischprodukt-Produzent Rügenwalder Mühle auf ein komplett veganes Sortiment befürwortet.

Peta: Wer Veggie-Wurst kauft, bringt Unternehmen zum Umdenken

Der Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle, Godo Röben, äußerte sich damals ähnlich wie Peta und Influencer Philipp Steuer. "Einem Huhn ist es egal, ob es in unwürdigen Verhältnissen im Stall steht, um Eier zu legen oder geschlachtet zu werden." Die Tierrechtsorganisation ruft insgesamt dazu auf, vegane Produkte, auch Fleischersatz, zu kaufen, um Unternehmen zu einem Umdenken zu bewegen.

Auch Burger King möchte mit seinem Sortiment Vegetarier und Veganer beglücken und hat vor kurzem die Plant-based Nuggets eingeführt. Doch das Produkt sorgte schnell für Ärger. Der Grund: Zwar kommen die Nuggets bei der Herstellung komplett ohne tierische Inhaltsstoffe aus, in der Zubereitung landen sie aber in der gleichen Fritteuse wie die Nuggets aus Fleisch. Eine Vorstellung, die nicht jedem Veganer oder Vegetarier schmeckt.

Rubriklistenbild: © Unilever Deutschland GmbH/Patrick Pleul/dpa; Collage: RUHR24

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