12 Hühner sterben

Schock für Vegetarier: Von wegen Tierschutz – mieses Detail über Veggie-Wurst aufgedeckt

Vegetarier sind schockiert. Um Tieren Gutes zu tun, verzichten sie eigentlich auf Fleisch. Doch auch für vegetarische Produkte müssen Tiere sterben.

Dortmund – Wer vegetarisch lebt, verzichtet auf jegliche Produkte, die aus Fleisch bestehen. Gründe für diese Form der Ernährung gibt es einige: Tierwohl, Klima oder die Gesundheit. Da dürfte es viele Vegetarier ein Schock sein, dass für eine vegetarische Wurst mehr Tiere sterben als für eine herkömmliche.

Vegetarische Wurst für viele eine ethische Entscheidung

Vegetarisch leben ist heute keine Besonderheit mehr, das spiegelt sich auch in den Supermarktregalen wider. Es gibt immer mehr Alternativen für Vegetarier und sogar für Veganer. So kommen Schnitzel, Burgerpattys, und Wurst auch in vegetarischer Variante in die Kühlregale, in den Einkaufswagen und letztendlich in die Pfanne oder auf das Brot.

Viele Vegetarier dürften sich aus ethischen Gründen für diese Ernährung entschieden haben. Massentierhaltung und die anschließende Schlachtung am Fließband kann so manchen den Appetit auf ein Wurstbrot vermiesen. Und auch in Sachen Klima schneidet Massentierhaltung ziemlich schlecht ab – für das Tierfutter müssen massenhaft Sojafelder angelegt werden, für die Regenwald weichen muss.

Vegetarische Wurst besteht oft aus Eiklar – dafür sterben mehr Tiere als für Wurst aus Fleisch

Gute Gründe also, den Fleischkonsum einzuschränken oder gar ganz darauf zu verzichten. Da dürfte es für viele Menschen schockierend sein, dass gerade für die vegetarischen Ersatzprodukte mehr Tiere sterben als für das Original aus Fleisch

Das liegt vor allem daran, dass viele vegetarische Ersatzprodukte wie beispielsweise Mortadella zum Großteil aus Eiklar bestehen – teilweise aus 70 Prozent. Das ist einiges und dafür müssen jede Menge Eier produziert werden (mehr Service-Nachrichten bei RUHR24.de).

Für vegetarische Mortadella sterben 12 Hühner

Um deutlich zu machen, wie verheerend die Menge an Eiklar ist, hat der Stern eine Rechnung aufgestellt: Für rund 100 Kilo vegetarische Mortadella benötigt man 71,86 Kilogramm Eiklar. Für diese Menge Eiklar bräuchte man 2174 Eier – eine Henne legt nur 300 Eier pro Jahr und wird nach 15 Monaten geschlachtet.

Um also 100 Kilo vegetarische Mortadella herstellen zu können, müssen sechs Legehennen sterben. Auf jede Legehenne kommt im Schnitt ein männliches Küken, welches geschreddert wurde, weil es für Eiproduktion nicht nützlich ist. Somit braucht es für 100 Kilo vegetarische Mortadella 12 Hühner – für dieselbe Menge Wurst aus echtem Fleisch braucht es jedoch nur ein Schwein.

Vegetarische Wurst weder für den Tierschutz noch für das Klima gut

Aus Tierschutzsicht ist die vegetarische Mortadella also die schlechtere Wahl, zu dem Schluss kommt auch Sabine Klein, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale, im Gespräch mit RTL-Reporterin Clara Pfeffer. Und nicht nur aus Tierschutzsicht sind einige vegetarische Produkte die schlechtere Wahl.

Auch beim Klimaschutz schneidet die Veggie-Wurst schlechter ab als das Original. Die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale erklärt, dass für die Produktion der Eier sogar mehr Treibhausgasemissionen anfallen als für die Produktion von Fleisch.

 Rügenwalder Mühle will vegetarische Produkte (wenn möglich) in Zukunft vegan herstellen

Einer der größten Hersteller für vegetarische Fleischersatzprodukte aber auch für Produkte aus echtem Fleisch ist die Rügenwalder Mühle. Gegenüber RTL nimmt der Konzern Stellung: Es werde das Ziel verfolgt, neue Fleischalternativen von vornherein vegan zu produzieren und "sofern möglich, die Rezepturen bestehender vegetarischer Produkte auf vegan umzustellen". 

Vegane Produkte haben den Vorteil, dass in ihnen generell gar keine tierischen Produkte verarbeitet werden. Zusätzlich wird das Soja, was für viele vegane Produkte verwendet wird, in Europa angebaut, das heißt, es muss kein Regenwald für die Sojafelder gerodet werden.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa; Collage: RUHR24

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