Test-Ergebnisse schockieren

Vegetarische Bratwurst im Test: Öko-Test findet nur eine Veggie Wurst „sehr gut“

„Wer will schon Mineralöl grillen?“ Diese provokante Frage stellt Öko-Test gleich zu Beginn des aktuellen Veggie-Wurst-Tests. Denn viele enthalten bedenkliche Stoffe.

Deutschland – Die Wetterexperten versprechen derzeit bessere Aussichten – und viele Fleischliebhaber freuen sich auf die Grillsaison. Auch wer sich fleischlos oder vegan ernährt, muss auf den Grill-Genuss nicht verzichten. Denn immer mehr Hersteller bieten Fleischersatzprodukte an. Grundsätzlich keine schlechte Idee – leider steckt in den Ersatzprodukten aber „nicht nur Gutes“, wie der aktuelle Test des Frankfurter Verbrauchermagazins zeigt (weitere Testberichte auf RUHR24).

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Ernährungsexperten: Fleischlos leben ist gesund – Ersatzprodukte sind es nicht

Ernährungsexperten bemängeln bereits seit Längerem, dass solche fleischlosen Alternativen viel zu stark verarbeitet seien. Teilweise vertritt man sogar die Ansicht, „ein ehrliches Bio-Steak“ sei ihnen vorzuziehen.

Immer mehr Wissenschaftler vertreten aber andererseits die Ansicht, dass bei Fleisch weniger mehr ist. Der Verzicht auf Fleisch hat demnach nicht nur eine positive Wirkung auf das Tierwohl und das Klima – sondern auch auf die eigene Gesundheit.

Fleischloses „Fleisch“ im Test: Produkte enthalten oftmals bedenkliche Stoffe

Vegetarier oder Veganer sollten aber statt auf stark verarbeitete Fleischersatzprodukte lieber auf unverarbeitete Lebensmittel setzen. Wer auf den Fleischgenuss vom Grill nicht verzichten kann, sollte zumindest ganz genau auf die Inhaltsstoffe schauen, denn viele der Produkte enthalten bedenkliche Stoffe, die im Essen nichts zu suchen haben.

So hatte Öko-Test bereits bei fleischlosem Hackfleisch in einem Großteil der Produkte Mineralöl nachgewiesen. In einem Test von Stiftung Warentest schneiden auch viele Veggie-Burger nicht gut ab.

Veggie-Würste im Check: So wurde getestet

Um entsprechend auch die Qualität von fleischlosen Bratwürstchen einem kritischen Blick zu unterziehen, haben die Tester von Öko-Test für den Veggie-Bratwurst-Test 20 vegane und vegetarische Würstchen in Bio-Märkten Supermärkten, Drogerien und Discountern gekauft.

Diese haben sie in erster Linie auf bedenkliche Stoffe hin überprüft. Ebenso floss auch der Geschmack in die Bewertung mit ein.

Sechsmal „ungenügend“: vegetarische und vegane Würste enttäuschen bei Öko-Test

Die Prüfer kommen insgesamt zu einem wirklich ernüchternden Gesamtergebnis. Sie vergeben nur einmal die Note „sehr gut“ und viermal die Note „gut“.

Mit „befriedigend“ im Mittelfeld landen weitere sieben der fleischlosen Würste. Daneben fallen zwei Produkte mit „mangelhaft“ durch. Besonders erschreckend: Sechsmal vergibt Öko-Test „ungenügend“.

Schadstoffe in Veggie-Bratwurst: Mineralöl ist ein großes Problem, auch Pestizide nachgewiesen

Ebenso wie in vorherigen Test ist auch bei den fleischlosen Bratwürstchen wieder Mineralöl das größte Problem: In 18 der 20 Produkte weisen die Tester gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) nach. Viermal war die Menge dabei sogar „stark erhöht“.

Die Stoffe können sich in der Leber und den Lymphknoten anreichern, wie Öko-Test erklärt. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor Langzeitschäden durch Mineralöl in Lebensmitteln. Demnach könnten diese Herzklappen-Entzündungen auslösen und das Hormonsystem beeinflussen.

In einem Produkt weisen die Prüfer zusätzlich aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nach, die krebserregend sein können. Weitere fünf Würstchen sind mit Pestiziden verunreinigt.

Pflanzliche Fleischalternativen, die überzeugen: Drei der Sieger bei Öko-Test

Andererseits stecken in den Veggie-Alternativen zu Fleisch aber auch viele wertvolle pflanzliche Proteine. Als Fleischersatz enthalten sie zumeist Sojaeiweiß oder Tofu, teilweise auch Seitan, Süßlupinen oder weiteres Gemüse, verdeutlichen die Prüfer.

Die folgenden drei Bratwürstchen sind die besten bei Öko-Test:

  • Produkt: Viva Maris Vegane Algen Bratwurst, Anbieter: Viva Maris, Hauptzutaten: Wasser (49%), Rapsöl (20%), Zwiebeln, Preis pro 200g: 3,33 Euro, Testergebnis Inhaltsstoffe: sehr gut, Gesamturteil: sehr gut
  • Produkt: Alberts Lupinen Rostbratwürstchen vegan, Anbieter: Purvegan, Hauptzutaten: Wasser, Weizeneiweiß (25%), Süßlupinensamen gekocht (15%), Preis pro 200 g: 3,49 Euro, Testergebnis Inhaltsstoffe: gut, Gesamturteil: gut
  • Produkt: Dm Bio Vegane Bratwürstchen, Anbieter: Dm, Hauptzutaten: Tofu (35%), Wasser, Weizeneiweiß (22%), Preis pro 200 g: 3,33 Euro, Testergebnis Inhaltsstoffe: gut, Gesamturteil: gut
  • Alle Gewinner und Verlierer gibt es bei Öko-Test (Bezahlartikel).

Bratwurst ohne Fleisch: Geschmacklich können die Produkte überzeugen

Übrigens: Alle drei Testsieger schneiden auch in puncto Geschmack mindestens mit „gut“ ab. Tatsächlich sind die Tester insgesamt überzeugt von der Sensorik der Produkte. Die Hersteller bekommen es scheinbar immer besser hin, Fleischersatzprodukte mit „echtem Fleischgeschmack“ zu bieten. Teilweise enthielten sie allerdings noch zu viel Salz.

Bleibt zu hoffen, dass sie auch in puncto Inhaltsstoffen besser werden. Als erster Hersteller hat Unilever laut Öko-Test bereits auf den Mineralölfund reagiert – und das betroffene Produkt vom Markt genommen.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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